Sazka-Gruppe hat Abkommen mit dem Glücksspiel-Konzern

Novomatic-Stimmrechte in Casinos Austria stehen Sazka zu

Samstag, 10. März 2018 | 07:15 Uhr

Die tschechische Sazka-Gruppe, mit 34 Prozent größte Aktionärin der teilstaatlichen Casinos Austria, hat einen Deal mit Casinos-Miteigentümer Novomatic. “Wir haben ein Abkommen mit Novomatic, das uns die Stimmrechte für ihre 17 Prozent einräumt”, sagte Sazka-Manager und Casinos-Austria-Vizeaufsichtsratschef Pavel Horak dem “Standard” (Wochenende).

Dafür habe Novomatic eine Put-Option auf ihre Anteile. “Wenn ihr etwa die Entwicklung der Casag missfällt, kann sie ihre Anteile an uns verkaufen, und wir müssen sie kaufen. Dieser Vertrag ist unbefristet, die erste Kündigungsmöglichkeit besteht nach fünf Jahren”, erklärte Horak.

Die Tschechen wollen bekanntlich bei den Casinos Austria weiter aufstocken und haben auch mit der ehemaligen Kirchenbank Schelhammer & Schattera (jetzt Grawe-Gruppe) zwei Call-Optionen ausgeübt, sprich, wollen die Anteile der kleinen Bank kaufen. Dazu hätte es Ende Februar bereits eine außerordentliche Hauptversammlung geben sollen, die aber auf Geheiß des Finanzministeriums, dem über die Staatsholding ÖBIB ein Drittel der Casinos gehört, abgeblasen wurde. Wenn der Deal klappt, steigt das Sazka-Anteil an den Casinos auf 42,5 Prozent. Es sind aber noch regulatorische Zustimmungen nötig.

Wie der neue Casinos-Chef Alexander Labak und Novomatic – laut früheren Äußerungen – ist auch Horak dafür, dass die Casinos ihre Auslandstochter Casinos Austria International (CAI) verkaufen, der ÖBIB missfällt das aber. “Die CAI-Beteiligung zu halten war ein Fehler, der Verkauf würde Sinn ergeben”, so Horak in dem Zeitungsinterview. Wenn jedoch Finanzministerium bzw. Novomatic dagegen seien, “werden wir nicht darauf bestehen”. Die Casinos hätten seit Dezember “eine Handvoll Interessenten” für die CAI. “Der Aufsichtsrat prüft die indikativen Angebote, von denen wir übrigens positiv überrascht sind.”

Dass die Casinos Austria das Geschäft mit Spielautomaten (Video Lottery Terminals, VLT) an Novomatic abtreten könnten, wie bereits von Insidern befürchtet, kann sich Horak angesichts der wettbewerbsrechtlichen Situation nicht vorstellen. “Vorstellen kann ich mir punktuelle Kooperationen mit ein paar Spielhallen, mehr nicht.”

Die Casinos haben kürzlich in der ehemaligen Admiral-Spielhalle von Novomatic im Wiener Prater eine VLT-Spielstätte eröffnet, zwei weitere – eine direkt beim Riesenrad, eine im Böhmischen Prater – sollen in Bälde folgen, die Genehmigungen hat das Unternehmen bereits. An den Standorten hat vor dem Wiener Glücksspielverbot Novomatic Automatensalons betrieben. In den neuen Casinos-Austria-Hallen dürfen jeweils bis zu 50 VLT-Geräte stehen. Das Wiener Glücksspielverbot greift hier nicht, weil die VLT-Genehmigung an der Bundes-Lottokonzession hängt, die seit jeher der Casinos-Konzern innehat.

Zur Casinos-internen Befürchtung, dass der Konzern seine Sportsponsoring-Aktivitäten zurückfahren könnte, meinte Horak, die Verteilung der Mittel könne sich ändern, “so wie wir das in den anderen Ländern auch gemacht haben”. Die Casinos Austria würden aber “sicher ein großer Sponsor” bleiben.

Es könnte laut Horak weiters sein, dass Sazka den Casinos-Vorstand aufstockt – “aber wir wollen das mit Ministerium und Novomatic diskutieren”.

Zudem möchten die Tschechen das Verkaufssystem der Lotterien ändern. “Die Kommission, die Trafikanten in Österreich für den Verkauf von Losen bekommen, ist jetzt ein fixer Prozentsatz. Wir wollen da ein Anreizsystem schaffen, damit die Trafikanten mehr verdienen, wenn sie mehr verkaufen und bestimmte Ziele erreichen”, kündigte der Sazka-Manager an. Auch bei den Rubbellosen sieht er noch “großes Potenzial”.

Von: apa