Die Palette der Verwendung ist breit

Oberalp Gruppe und ihre Partnerunternehmen setzen auf Hanf

Donnerstag, 08. September 2022 | 10:36 Uhr

Bozen – In einer branchenübergreifenden Partnerschaft wird Industriehanf wiederentdeckt, angebaut und zu neuen Produkten verarbeitet. Auf der Pressekonferenz vor dem Hanf-Feld am Hauptsitz der Oberalp Gruppe in Bozen Süd wurden verschiedenste Verwendungsansätze und Produkte vorgestellt: Die äußerst genügsame Pflanze lässt sich für Lebensmittel, Kosmetik, Bekleidung, Baustoffe sowie Heilmittel einsetzen. Nur für den Rausch eignet sich Industriehanf nicht: Er enthält nur sehr geringe Mengen an THC, dem psychoaktivierendem Cannabinoid.

Im Projekt, welches sich für den Wiederaufbau der verloren gegangenen Hanf-Kompetenz in den alpinen Regionen stark macht, arbeiten neben der Bergsportmarke SALEWA (im Eigentum der Oberalp Gruppe) Christoph Kirchler von Ecopassion (spezialisiert auf funktionale Kosmetik, Medizinprodukte und Nahrungsergänzungsmittel), Helmuth Profanter (Naturbackstube Profanter), Werner Schönthaler (Steinwerk und Baustoffhandel), Valentine Troi (Innovationsprojekt Alpenhanf 360°) und Christine Ladstädter (Materialexpertin SALEWA) bereits seit mehreren Jahren zusammen. Das erklärte Ziel: Industriehanf soll in Südtirol und Nordtirol wieder angebaut und vom Stängel bis zum Samen verarbeitet werden, wie dies früher der Fall gewesen war.

Hanf hat eine lange, wenn auch unterbrochene Geschichte in Südtirol und Tirol. Traditionell wurde sie neben Leinen und Flachs zur Produktion hochwertiger Fasern für Schiffstaue, Segeltücher oder auch Papier angebaut. In den 1960-er Jahren ging mit dem Imageverlust der Pflanze auch das Wissen um Anbau und Verwendung verloren. Heute gewinnt sie wieder an Bedeutung: nicht nur wegen ihrer guten Umweltbilanz, sondern auch wegen ihrer hervorragenden Qualitäten. Hanf benötigt beim Anbau weder Pestizide noch synthetische Düngemittel oder genetisch modifiziertes Saatgut. Er braucht keine zusätzliche Bewässerung, während man bei Baumwolle in der Wachstumsperiode durchschnittlich von 5000 Litern pro Kilogramm spricht. Zum Vergleich: Der Hanf (Carmagnola) im Salewa Garden wuchs 2020 zwischen Mai und September über 4 Meter hoch, bei weniger als 300ml gemessenem Regenwasser und produzierte 14 Tonnen Biomasse. Nebenbei verbessert die Pflanze den Boden, indem das Wurzelwerk Schadstoffe entzieht und gleichzeitig Erosionen vorbeugt. Letztlich bietet Hanf Lebensraum und Nahrung für viele Insektenarten und leistet so einen wesentlichen Beitrag gegen das Bienensterben. Hanf ist die stärkste nachwachsende (Natur-)Faser, besonders im nassen Zustand ist Hanf bedeutend reißfester und stärker als Baumwolle (2,5x) und Polyester (1,4x).

Salewa

Die Vielfalt der Nutzung zeigte sich in der Präsentation der Produkte auf langen Tischen im Salewa Garden der Oberalp Gruppe: Christine Ladstaetter präsentierte die Alpine Hemp Kollektion von Salewa. Die Bergsportindustrie nutzt die große Reißfestigkeit und die exzellente Transpirationsfähigkeit dieser Pflanze. Innovationen rund um Anbau und Verwertung, wie Composites, wurden von Valentine Troi von der Standortagentur Tirol vorgestellt; Werner Schönthaler erklärte die Vorzüge von Hanfstreben als Dämm- und Baustoff; Helmuth Profanter brachte zur Verkostung Schüttelbrot mit Hanf und Riegel mit hohem Proteingehalt mit; und bei Christoph Kirchler konnten Hanfsalben, selbst produzierte CBD (Cannabidiol) Extrakte, hochwertige Kosmetik und Nahrungsergänzungsmittel auf Hanfbasis getestet werden

Damit der Anbau von Hanf im Alpenraum gelingt, sind begeisterte und interessierte Bauern, Bauernverbünde und Forscher:innen nötig, die mit dieser Pflanze arbeiten und experimentieren möchten. Der SALEWA Garden hat mit seinem Hanf-Feld seit drei Jahren die Vorleistung dafür erbracht und bewiesen, dass Hanf unkompliziert im Alpenraum angebaut werden kann. Nachfolger finden sich bereits vereinzelt als innovative Bauern in Südtirol und Nordtirol, wenn auch das Gros von Hanf derzeit in China angebaut und in verschiedenen Stufen verarbeitet wird. Ziel der Unternehmensgruppe aus Südtirol ist, die vielfältigen Produkte aus Hanf des regionalen Anbaus fertigen zu können. Dafür wird ein Zeitfenster von 10 Jahren als realistisch angesehen.

Von: mk

Bezirk: Bozen

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