Debatte rund um das AMS ist im Gange

OECD sieht keinen Reformbedarf beim Arbeitsmarktservice

Dienstag, 27. März 2018 | 10:25 Uhr

Der Arbeitsmarktexperte der Organisation für wirtschaftliche Zusammenarbeit und Entwicklung (OECD), Christopher Prinz, kann die von der schwarz-blauen Regierung angestoßene Debatte um die Effizienz des Arbeitsmarktservices nicht nachvollziehen. “Das AMS wird international als eines der effektivsten und am besten geführten Arbeitsmarkservices gesehen”, sagte Prinz dem “Standard”.

Um den “heutigen Herausforderungen” – etwa die große Zahl an arbeitssuchenden Flüchtlingen und die “weit verbreiteten psychischen Probleme Arbeitsloser” – gewachsen zu sein, sei entscheidend, das AMS mit ausreichend Mitteln und Expertise auszustatten. Die österreichische Arbeitsmarkt- und Migrationsexpertin Gudrun Biffl sieht Kürzungen von Integrationsmaßnahmen beim Arbeitsmarktservice kritisch. Es sei “absurd”, Förderungen in der Arbeitsmarktintegration zu kürzen, sagte Biffl der Zeitung. Es müsse vielmehr müsse auf die Bedürfnisse der Arbeitslosen geachtet und Maßnahmen dementsprechend angepasst werden.

Der als SPÖ-nahe geltende AMS-Vorstand Herbert Buchinger zeigt sich irrtiert über die von der Bundesregierung via Medien verkündete Einrichtung einer “Task Force” zur Reform des Arbeitsmarktservice inklusive Ladung der AMS-Doppelspitze, die er mit dem ÖVP-nahen Johannes Kopf bildet. “Ich verstehe nicht, warum man das mit so einem Getöse machen muss. Wir sind alle erwachsene Menschen, mit uns kann man ganz normal reden, wie man das AMS reformieren kann und soll”, sagte Buchinger dem “Standard”.

Wenn die Bundesregierung unzufrieden mit seiner Arbeit sei, erwarte er sich Verhandlungen über eine Vertragsauflösung. Im Oktober hatte der von der Regierung und Sozialpartnern beschickte AMS-Verwaltungsrat die Verträge der AMS-Langzeitvorstände Buchinger und Kopf für sechs weitere Jahre verlängert.

Kopf denkt offenbar nicht an einen Abgang. Der eigene Arbeitsplatz sei für ihn der “absolute Traumjob”, sagte der AMS-Vorstand kürzlich im APA-Interview. Die dritte sechsjährige Periode bis 2024 wolle er auf jeden Fall voll erfüllen, versicherte er Mitte März.

Der neunköpfige AMS-Verwaltungsrat berät am Dienstag über Einsparungen im AMS-Budget 2018. Die neue schwarz-blaue Regierung hat bei den Arbeitsmarkt-Vorhaben der vorigen rot-schwarzen Regierung den Sparstift angesetzt und will Programme kürzen, etwa das Integrationsjahr, das Fachkräftestipendium oder die Aktion 20.000 für ältere Arbeitslose.

Für den WKÖ-Sozialexperten und AMS-Verwaltungsrat Martin Gleitsmann sind die deutlichen Kürzungen im AMS-Budget 2018 im Vergleich zum Voranschlag der vorigen rot-schwarzen Regierung nicht besorgniserregend. “Das sehe ich überhaupt nicht dramatisch”, sagte Gleitsmann dem Ö1-“Morgenjournal”. Es gehe vielmehr darum, in Zeiten einer zurückgehenden Arbeitslosigkeit und einer Entspannung beim Thema Flüchtlinge die Mittel möglichst effizient einzusetzen, um Menschen in Beschäftigung zu bringen.

Von: apa

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