OECD-Chefökonomin Laurence Boone

OECD sieht Österreichs Wirtschaftswachstum robust

Mittwoch, 21. November 2018 | 14:25 Uhr

Die OECD hat heute ihren Wirtschaftsausblick präsentiert und dabei auch Österreich unter die Lupe genommen. Das Wachstum bleibt demnach “robust”, wird sich aber in den kommenden beiden Jahren verlangsamen. Das Beschäftigungswachstum bleibe “solide”, die Inflation mit zwei Prozent “moderat”. “Das breitbasierte Wachstum beruht auf einer kräftigen Nachfrage im In- und Ausland”, so die OECD.

Der Fachkräftemangel in Österreich werde unter anderem durch die Zuwanderung ausländischer Arbeitskräfte, steigende Erwerbsquoten von Frauen und älteren Arbeitskräften abgefedert. Wobei die Hindernisse für die Vollzeitbeschäftigung von Frauen “nach wie vor beträchtlich” und mitverantwortlich dafür seien, dass Frauen nach der Geburt des ersten Kindes ganz oder teilweise aus dem Erwerbsleben ausschieden.

“Die Politikverantwortlichen sollten in Erwägung ziehen, die steuerlichen Anreize für Teilzeitarbeit einzuschränken, um die derzeit relativ geringe Erwerbsbeteiligung der Frauen zu erhöhen”, richtet die Organisation für wirtschaftliche Zusammenarbeit und Entwicklung aus.

Und die OECD hat noch einen Tipp für die Bundesregierung parat: “Mit weiteren Maßnahmen, u.a. zur Beseitigung von Ineffizienzen in Bildung, Gesundheitsversorgung und öffentlicher Verwaltung, ließen sich die Kosten einer alternden Gesellschaft eindämmen und es würden Mittel für eine bessere Vereinbarkeit von Beruf und Familie frei werden.”

Zur Budgetpolitik hielten die Experten fest: “Die Steuerbelastung der Erwerbseinkommen bleibt in Relation zu vergleichbaren Ländern hoch, obwohl die Steuerreform von 2016 mit einer Senkung der Einkommensteuer zur Ankurbelung des privaten Verbrauchs beigetragen hat.”

Auch für die Weltwirtschaft erwartet die OECD ein nachlassendes Wachstum. Die globale Wirtschaftsleistung werde in den kommenden zwei Jahren nur noch um jeweils 3,5 Prozent zulegen, heißt es in dem Konjunkturausblick. Im zu Ende gehenden Jahr soll es noch für 3,7 Prozent reichen. Im Frühsommer war die OECD von jeweils 3,7 Prozent für 2018 und 2019 ausgegangen. “Die Weltwirtschaft bewegt sich in schwierigem Fahrwasser”, sagte OECD-Chefökonomin Laurence Boone. “Das globale Wachstum ist stark, hat seinen Höhepunkt aber erreicht.”

Die Organisation für wirtschaftliche Zusammenarbeit und Entwicklung (OECD) warnt zugleich vor Gefahren. “Im Falle eines Zusammentreffens mehrerer Risiken könnte die Landung härter werden als erwartet”, betonte Boone. So könnten weitere Handelsspannungen den Warenverkehr und das Wachstum belasten und so zu noch mehr Planungs- und Investitionsunsicherheit führen. Die Kapitalabflüsse aus den aufstrebenden Volkswirtschaften könnten zunehmen, während ein Abschwung in China auch auf die Industriestaaten durchschlagen dürfte. “Die Politikverantwortlichen werden umsichtig handeln müssen, um ein nachhaltiges, wenn auch langsameres Wirtschaftswachstum zu gewährleisten”, sagte Boone, die zu internationaler Zusammenarbeit aufruft.

Die Oesterreichische Nationalbank (OeNB) hat indessen ihre Prognose für das Wirtschaftswachstum für 2018 nach unten revidiert. Sie rechnet nun mit einem Wachstum des realen Bruttoinlandsprodukts (BIP) von 2,7 Prozent zum Vorjahr, heißt es in einer Aussendung vom Mittwoch. Ein OeNB-Sprecher begründete den Schritt auf APA-Anfrage mit der “historischen Revision von Daten”.

Auch die Zahl für 2017 wurde aufgrund dessen auf 2,7 Prozent gesenkt. Ende August war die OeNB für beide Jahre noch von einem Wachstum von jeweils 3,1 Prozent ausgegangen. An der grundsätzlichen Einschätzung der OeNB der heimischen Konjunktur ändere die Revision aber nichts, so der Sprecher. So stellt die OeNB der österreichischen Wirtschaft weiterhin ein gutes Zeugnis aus, auch wenn der Zenit der laufenden Hochkonjunkturphase bereits überschritten sein dürfte.

Von: apa

Kommentare

Hinterlasse einen Kommentar

1 Kommentar auf "OECD sieht Österreichs Wirtschaftswachstum robust"


Sortiert nach:   neuste | älteste | Relevanz
traktor
traktor
Universalgelehrter
25 Tage 13 h

dann sind wir wohl beim falscgen staat…

wpDiscuz