Inflation bereitet Wirtschaftsforscher weniger Sorgen

Ökonom: Wirtschaftliche Corona-Risiken werden unterschätzt

Sonntag, 12. September 2021 | 15:42 Uhr

Marcel Fratzscher, Präsident des Deutschen Instituts für Wirtschaftsforschung (DIW), hält angesichts der andauenden Corona-Pandemie wirtschaftliche Risiken für unterschätzt. “Wir sehen die Lage zu sehr durch die rosarote Brille”, sagte Fratzscher der Deutschen Presse-Agentur in Berlin.

Weiters meinte er: “Wenn in China ein Hafen zugemacht wird, weil es dort einen Corona-Ausbruch gibt, dann ist das auch für die deutsche Wirtschaft ein großes Problem, weil Lieferketten gestört werden. Die Pandemie ist noch nicht vorbei.”

Fratzscher sagte, ein weiteres Thema seien Unternehmensinsolvenzen. “Ich glaube, dass wir da die eine oder andere böse Überraschung erleben werden. Vielleicht nicht unbedingt in den nächsten Monaten, aber es sind einfach viele Unternehmen, die Rücklagen aufgebraucht haben, sich verschuldet haben, die vielleicht auch realisieren: sie haben nicht das richtige Geschäftsmodell, weil sich die Wirtschaft weiterentwickelt und verändert hat. Ich glaube, wir müssen immer mal wieder mit Rückschlägen in den nächsten zwei Jahren rechnen. Es wird lange brauchen, bis wir uns von dieser Pandemie wirtschaftlich gesehen erholt haben. Man wird immer mal wieder Kurzarbeitergeld brauchen und Unternehmenshilfen.” Bisher zeigt sich die befürchtete Welle an Firmenpleiten – wie in Österreich – nicht in der amtlichen Statistik.

Der DIW-Präsident äußerte sich auch zur Inflationsrate. Im August lagen die Verbraucherpreise um 3,9 Prozent über dem Niveau des Vorjahresmonats. “Die höhere Inflationsrate ist eine willkommene Normalisierung der Preise”, sagte Fratzscher. “Nehmen Sie mal die Preisentwicklung von 2019, von 2020 und 2021 zusammen. Dann liegen wir im Durchschnitt deutlich unter den 2 Prozent, die wir als Preisstabilität definieren. Die Energiepreise sind letztes Jahr abgestürzt und Preise sind auch durch die temporäre Mehrwertsteuersenkung gesunken. Jetzt steigen sie wieder. Das sind Basiseffekte.”

Inflation werde dann problematisch, wenn sie sich verfestige. “Und wenn beispielsweise die Gewerkschaften sagen: Wir wollen jetzt wegen der Preisentwicklung jedes Jahr 10 Prozent Lohnerhöhung, und am Ende kommt man vielleicht bei 7 Prozent raus. Wenn so was passiert, dann ist es gefährlich. Aber davon sind wir meilenweit entfernt.”

Fratzscher sagte weiter: “Mittelfristig wäre eine hohe Inflation für mich eher ein Luxusproblem, weil die Inflation dann entsteht, wenn die Nachfrage höher ist als das Angebot. Wenn also die Menschen so viel konsumieren, so wenig sparen und die Unternehmen viel investieren und dann so wenig zurücklegen, dass eine so große Nachfrage entsteht, dass die Unternehmen gar nicht mit der Produktion nachkommen.” Falls sich die Inflation verstetige, werde die Europäischen Zentralbank reagieren und die Zinsen erhöhen. “Die EZB hat immer wieder gezeigt, dass sie die Stabilität der Preise und Finanzmärkte gewährleisten kann – das wird sie auch in der Zukunft tun.”

Von: APA/dpa-AFX

Kommentare

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3 Kommentare auf "Ökonom: Wirtschaftliche Corona-Risiken werden unterschätzt"


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traktor
traktor
Universalgelehrter
8 Tage 14 h

wenn jemand davon spricht das inflation gut ist der ist gegen das volk. inflation vernichtet das ersparte der leute und schuldner lachen….

selwol
selwol
Superredner
8 Tage 11 h

Glaub ich gerne,dass den Herrschaften die Inflation keine Sorgen bereitet,denn die Kleinen zahlen die Zeche

meinungs.freiheit
meinungs.freiheit
Superredner
8 Tage 10 h

Die Politik muss gegensteuern damit die Schehre zwischen arm und reich nicht noch größer wird.

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