"Was Trump tut, ist schändlich"

Ökonomen fordern von EU einseitige Zollsenkungen

Sonntag, 27. Mai 2018 | 06:50 Uhr

Führende Ökonomen haben die EU aufgefordert, ihre Import-Zölle einseitig zu senken. Das sei die einzig akzeptable Reaktion auf die aggressive Anti-Freihandelspolitik von US-Präsident Donald Trump, argumentieren sie nach einem Bericht der “Welt am Sonntag”. “Was Trump tut, ist schändlich”, sagte etwa Jagdish Bhagwati von der Columbia University dem Blatt. “Die Reaktion der EU aber auch.”

Bhagwati: “Dass sie angekrochen kommt und Ausnahmen nur für sich fordert, ist genauso jämmerlich. Sie sollte für den Rest der Welt mit gutem Beispiel vorangehen.” Der US-Handelsexperte ergänzte: “Selbst wenn die USA ihren Markt abschotten, die EU sollte ihren weiter öffnen.”

Führende deutsche Ökonomen sähen das ähnlich. “Die US-Regierung wirft der EU vor, sie würde teilweise ungerechtfertigt hohe Zölle auf einzelne Produkte erheben. Darauf gibt es eine einfache beste Antwort”, sagte Christoph Schmidt, Chef der sogenannten Wirtschaftsweisen dem Blatt. “Die EU sollte dies als Gelegenheit verstehen, diese Zölle rigoros abzubauen. Ein neu verhandeltes transatlantisches Abkommen wäre dazu ein geeignetes Vehikel.”

Dennis Snower, Präsident des Kieler Instituts für Weltwirtschaft (IfW), forderte die EU ebenfalls auf, einseitig Zölle abzubauen. “Man muss aus der Not eine Tugend machen. Die EU sollte als Reaktion auf Trumps Strafzölle ihre Zölle im gleichen Ausmaß verringern”, sagte er. “Zölle helfen nur ineffizienten Produzenten, aber zahlen für diesen Schutz müssen die Menschen im In- und Ausland gleichermaßen. Wenn Menschen diese Zusammenhänge verständen, wären Zölle auch bei den Wählern plötzlich sehr unpopulär.”

Trump hat den EU-Staaten mit zusätzlichen Zöllen auf Aluminium und Stahl gedroht. Die Frist dafür läuft am 1. Juni aus. Die EU ist zu Handelsgesprächen bereit, wenn die USA auf die Zölle verzichten. Nach den angedrohten US-Schutzzöllen auf Stahl- und Aluminium-Einfuhren auch gegen die EU ab dem 1. Juni lässt die US-Regierung nun auch erhöhte Einfuhrzölle auf Autos prüfen. Dies würde unter anderem deutsche Autohersteller treffen.

Von: APA/dpa/ag.

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