Der Arbeitsmarkt erholt sich zusehends

OeNB erwartet leichte Konjunkturabkühlung ab Jahresmitte

Mittwoch, 09. Mai 2018 | 13:59 Uhr

Österreichs Wirtschaft wird auch in den nächsten Monaten kräftig wachsen – aber für die Jahresmitte rechnet die Oesterreichische Nationalbank (OeNB) mit einer leichten Abkühlung der Konjunktur. Fürs zweite und dritte Quartal sieht die OeNB jetzt nur noch 0,7 bzw. 0,6 Prozent reales BIP-Wachstum gegenüber dem Vorquartal, um je 0,1 Prozentpunkte weniger als noch bei der Dezember-Prognose.

Ein Abwärtsrisiko würden globale Unsicherheitsfaktoren wie die weitere Entwicklung des Handelskonflikts mit den USA darstellen, erklärte die OeNB am Mittwoch in ihrem neuen vierteljährlichen Konjunkturindikator. Im dritten und vierten Quartal 2017 hatte das Bruttoinlandsprodukt (BIP) jeweils um 0,9 Prozent zugelegt, heuer im ersten Quartal um 0,8 Prozent. Auch die Jahreswachstumsraten dürften sich von zuletzt 3,4 Prozent (Q1) auf 3,3 und 3,0 Prozent im zweiten und dritten Quartal zurückbilden.

Das derzeit starke Wachstum werde von der Inlands- und der Auslandsnachfrage getragen. Die Exporteure würden vor allem von der starken Nachfrage der Euroraum- und CESEE-Länder profitieren. Die Güterexport-Dynamik habe sich im ersten Quartal wegen der verhaltenen Entwicklung der deutschen Wirtschaft etwas abgeschwächt, das sei aber angesichts der starken letzten Quartale eine Normalisierung.

Die Indikatoren zur Auftragslage der Exporteure – die Ende 2017 größtenteils auf historischen Rekordmarken waren – hätten sich Anfang 2018 nur noch seitwärts oder sogar rückläufig entwickelt. Grund seien die höheren außenwirtschaftlichen Unsicherheiten. Deshalb sei mit einer leichten Abschwächung der Güterexportdynamik Mitte 2018 zu rechnen. Die Dienstleistungsexporte hätten sich dagegen bis März ungebrochen stark entwickelt.

Die heimischen Unternehmen hätten in den vergangenen beiden Jahren ihre Investitionen in Ausrüstungen stark ausgeweitet, erinnert die OeNB. Dennoch liege die Auslastung der Kapazitäten aktuell auf historischen Höchstständen. Der Ausblick für die nächsten Monate sei daher trotz der höheren Unsicherheiten und einer sich leicht eintrübenden Auftragslage gut.

Die Bauwirtschaft habe im ersten Quartal trotz des ungünstigen März-Wetters leicht an Fahrt gewonnen – der Ausblick für die nächsten Monate sei positiv, verweisen die Notenbank-Fachleute auf den steigenden Trend bei Stimmungsindikatoren, Auftragslage und Baubewilligungen. Der Privatkonsum profitiere von der weiter ausgezeichneten Entwicklung am Arbeitsmarkt und einem stärkeren Lohnwachstum. Zudem stütze das niedrige Zinsniveau die Konsumtätigkeit. Das anhaltend starke Plus bei gemeldeten offenen Stellen lasse auf eine weitere positive Dynamik bei Arbeitsmarkt und Privatkonsum schließen.

Laut Wifo ist die Konjunktur weiterhin robust. Die wichtigsten Vertrauensindikatoren gaben nach Höchstwerten zu Jahresende dann im Frühjahr etwas nach, sie deuteten dennoch nach wie vor auf ein starkes Wachstum hin. “Eine weitere Beschleunigung zeichnet sich für die kommenden Quartale jedoch nicht ab.”

Der Arbeitsmarkt erhole sich deutlich. Die Zahl der unselbstständig Beschäftigten sei nach ersten Schätzungen im April um 91.000 Personen oder 2,6 Prozent über dem Vorjahresniveau gelegen. Einen kräftigen Beschäftigungsanstieg habe es bis März vor allem in der Sachgütererzeugung gegeben. Auch am Bau und in mit der Sachgütererzeugung eng vernetzten Sektoren sei die Nachfrage nach Arbeitskräften hoch gewesen. Die saisonbereinigte Arbeitslosenquote nach nationaler Definition sei im April unverändert bei 7,8 Prozent gelegen.

Von: apa

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