Seit 1990 versiebenfachte sich die Zahl der Diesel-Fahrzeuge

Österreich hat dritthöchste Diesel-Pkw-Dichte in der EU

Mittwoch, 02. August 2017 | 13:04 Uhr

Österreich hat pro 1.000 Einwohner die dritthöchste Anzahl von Diesel-Pkw in der EU. Zudem versiebenfachte sich seit dem Jahr 1990 die Zahl der Dieselautos, rechnet der VCÖ vor. Nur in Luxemburg und Frankreich sei die Diesel-Dichte höher als in Österreich. Damit sei Österreich vom Abgasskandal besonders betroffen, teilte der Club mit.

Eine VCÖ-Analyse der Neuzulassungen seit dem Jahr 2015 zeige, dass 72 Prozent der SUV und Geländewagen mit Diesel fahren und sogar 91 Prozent der Pkw der Oberklasse, während nur 13 Prozent der Kleinwagen Diesel fahren würden. Dabei habe das Steuerprivileg bei Diesel Österreich “dem Klimaziel keinen Meter näher gebracht, aber viele Menschen krank gemacht hat”, kritisiert der Club.

Der VCÖ spricht sich für einen Ausstiegsplan aus. Dieser soll festlegen, ab wann keine Neuwagen mehr mit Diesel- und Benzinmotor mehr verkauft werden sollen. Realistisch sei dafür das Jahr 2030.

Verkehrsminister Jörg Leichtfried (SPÖ) sprach sich am Mittwoch für eine Bereinigung der durch den Abgasskandal entstandenen Schäden, aber gegen ein Verbot des Dieselantriebs ausgesprochen. Ähnlich sieht das die FPÖ, während die Grünen erneut ein Aus für Neuzulassungen von Verbrennungsmotoren ab 2030 verlangten.

Leichtfried verwies in einer schriftlichen Stellungnahme auf die Schäden für Klima und Umwelt durch die Abgasmanipulationen bei Diesel-PKW. Die Automobilkonzerne müssten dies bereinigen, und zwar kundenorientiert und nicht auf Kosten der Konsumenten. Wie im SPÖ-Wahlprogramm verankert, will Leichtfried künftig auch Gruppenklagen ermöglichen, damit Geschädigte ihre Rechte gegen multinationale Konzerne leichter durchsetzen können.

Neue Diesel-Pkw ab einem bestimmten Stichtag zu verbieten, lehnt der Verkehrsminister ab, wünscht sich aber, dass ab 2030 nur mehr abgasfreie Autos neu angemeldet werden. “Wir setzen auf Anreize, nicht Verbote”, betonte er. Letztere träfen meist die falschen, nämlich jene, die sich den Umstieg auf ein abgasfreies Auto noch nicht leisten könnten. Aus dem selben Grund stehe er einem Aus des steuerlichen Dieselprivilegs skeptisch gegenüber.

Auch der ÖAMTC meldete sich am Mittwoch zu Wort. Er verlangte Nachrüst-Maßnahmen nach deutschem Vorbild auch für österreichische Diesel-Besitzer, eine Ökoprämie-Neu für den Umstieg auf schadstoffärmere Fahrzeuge und die grüne Welle in Städten.

Unterdessen fordern Österreichs Autoimporteure von der Politik ein Gipfeltreffen nach deutschem Vorbild. Und sie wollen die Steuerzahler mit einer Verschrottungsprämie in die Pflicht nehmen. Ein Fahrverbot für ältere Dieselfahrzeuge lehnen sie ab, dies wäre eine “beinharte Enteignung”, so Günther Kerle, Sprecher der österreichischen Automobilimporteure. Zudem sei es aus heutiger Sicht noch völlig illusorisch, ein konkretes Ausstiegsdatum für Verbrennungsmotoren zu nennen, betonte Kerle am Mittwoch.

Sein Vorschlag: “Für Österreich wären Maßnahmen auf zwei Ebenen der effizienteste Weg. Einerseits halten wir Nachrüstungen, wie sie am Mittwoch voraussichtlich in Deutschland beschlossen werden, für eine gute Lösung. Andererseits müssen wir den Austausch von Altfahrzeugen gegen emissionsarme Neuwagen forcieren.”

Von: apa