Im Supermarkt funktioniert die Kennzeichnung

Österreicher wollen mehrheitlich heimische Zutaten im Essen

Mittwoch, 18. April 2018 | 10:50 Uhr

Ein Dauerbrenner in der Landwirtschaft ist die Frage, wie man mehr heimische Produkte absetzen kann. Das Thema ist am Mittwoch von der Landwirtschaftskammer breit diskutiert worden. Dabei wurde eine repräsentative GfK-Umfrage (“Herkunft muss erkennbar sein”) präsentiert. Demnach wollen gut zwei Drittel der Österreicher beim Auswärtsessen wissen, woher die Speisen bzw. deren Zutaten kommen.

“68 Prozent der befragten Österreicher erachten es als notwendig, dass es in Kantinen, Mensen und Gemeinschaftsküchen, aber auch in Restaurants und Gaststätten eine verpflichtende Kennzeichnung der Herkunft von Zutaten und Bestandteilen geben soll”, sagte Paul Unterhuber vom GfK-Austria Meinungsforschungsinstitut. Besonders ausgeprägt ist die Nachfrage nach einer Herkunftskennzeichnung in Südösterreich – Steiermark und Kärnten – mit 79 Prozent. Etwas weniger ausgeprägt ist sie in Wien mit 60 Prozent. Von der älteren Generation ist eine Kennzeichnung stärker gefordert als von der Jugend.

Der Catering-Unternehmer Josef Donhauser, der seit April auch wieder das Bordservice in den ÖBB-Fernzügen übernommen hat, wendet in seiner Firma DoN eine Kennzeichnung nach Schweizer Vorbild an. DoN unterstützt die “Gut-zu-wissen”-Initiative der Landwirtschaftskammer. Alleine bei der Bahn sind somit 1,3 Millionen Speisen pro Jahr mit einer Herkunftskennzeichnung versehen. Wie von der Kammer empfohlen, werden Fleisch und Eier aus Österreich auf freiwilliger Basis mit einer rot-weiß-roten Lupe gesondert gekennzeichnet. Wenn eine Barberie-Entenbrust aus Frankreich komme, dann soll das der Konsument wissen, sagte Donhauser. Wenn bei einem Hendl die Herkunft Ungarn stehe, würde er vielleicht stutzig werden.

In der Schweiz ist eine solche Kennzeichnung flächendeckend umgesetzt. In Österreich stehen sich Interessen der Landwirtschaftskammer und der Wirtschaftskammer entgegen. Kompromisslösung ist, dass die Landwirtschaftskammer auf Freiwilligkeit der Gastronomie setzt.

Der Einkauf im Supermarkt sei eine “tägliche Volksabstimmung, die echte direkte Demokratie”, sagte Landwirtschaftskammer-Präsident Hermann Schultes. Es werde aber mehr als die Hälfte auswärts gegessen, nicht mehr selbst gekocht. Und hier sei die Kennzeichnung bei weitem nicht so gut wie im Supermarkt bzw. gar nicht gegeben, kritisierte der ÖVP-Politiker. Die Gastronomie wäre aber mit der Schweizer Regelung nicht erfreut gewesen. Das wurde offensichtlich von den Agrariern akzeptiert.

Sehr wohl gefordert wird aber eine verpflichtende Herkunftskennzeichnung bei Verpflegungseinrichtungen, “die man sich nicht selbst aussuchen kann” – also Krankenhäuser, Schulen, Kantinen, Seniorenheimen. Ein Test laufe in Niederösterreich, funktionieren würde es aber noch nicht überall, da noch ein System der Freiwilligkeit herrsche, so Schultes. Das Regierungsprogramm sieht eine verpflichtende Kennzeichnung vor, die vorerst auf sich warten lässt. Vorbild könne Finnland sein, sagte Schultes.

Finnland hat ein befristetes Dekret zur Angabe des Ursprungslandes bestimmter Lebensmittel erlassen. Es gilt für die Angabe des Ursprungslandes von Fleisch als Zutat in Lebensmitteln sowie für Milch generell und Milch als Zutat für Lebensmittel, erläuterte Anni-Mari Syväniemi vom finnischen Bauern- und Forstverband. Das Dekret sei erfreulich und führe dazu, dass sich Verbraucher grundsätzlich stärker mit dem Thema Herkunft von Lebensmitten auseinandersetzten. Trotzdem könnte es umfangreicher sein und sollte vor allem auch für Produkte aus anderen EU-Staaten gelten.

Von: apa

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