Nationalbank geht der Jobabbau zu langsam

Österreichs Banken steigerten 2017 ihren Gewinn

Mittwoch, 04. April 2018 | 13:10 Uhr

Österreichs Banken haben 2017 gut verdient. Die heimischen Kreditinstitute haben zusammen 6,6 Mrd. Euro Gewinn ausgewiesen, um 1,6 Mrd. Euro (31,7 Prozent) mehr als im Jahr davor, teilte die Nationalbank am Mittwoch mit. Den Gewinnanstieg ausgelöst haben unter anderem geringere Risikokosten und der Wegfall von Einmalzahlungen für die Bankenabgabe, die 2016 angefallen waren.

Positiv wirkten sich 2017 für den Gewinn der Banken Beteiligungen an Tochter-, Gemeinschafts- und assoziierten Unternehmen aus. Die Risikovorsorgen gingen gegenüber 2016 um 11,8 Prozent zurück. Gesenkt wurde das Ergebnis durch aufgegebene Geschäftsbereiche – vor allem durch die Abspaltung des Osteuropageschäfts der Bank Austria – und höhere Ausschüttungen an Minderheiten.

Das konsolidierte Betriebsergebnis ohne Risikovorsorgen legte um 40,9 Prozent zu. Das sei vor allem auf Wertaufholungen bei den Anteilen an Tochter-, Gemeinschafts- und assoziierten Unternehmen zurückzuführen. Die Verwaltungsaufwendungen fielen um 4,1 Prozent, wobei sowohl die Personal- als auch Sachaufwendungen zurückgingen. Die Daten sind noch vorläufig und können sich noch geringfügig ändern, teilte die Nationalbank mit.

Der Jobabbau bei den Banken geht der Nationalbank allerdings viel zu langsam. In Österreich bauen die Banken zwar Arbeitsplätze ab, aber weniger stark als ihre europäische Konkurrenz und deutlich weniger als Wifo-Studien und Notenbankexperten es vorhergesagt haben. 2015 war erwartet worden, dass in Österreich binnen vier oder fünf Jahren ein Drittel aller Bankjobs, also rund 25.000, dem Rotstift zum Opfer fallen würden. Bisher traf es erst einen Bruchteil.

Unterm Strich sind, weil größeren Streichungen in einzelnen Häusern Personalaufbau in anderen Banken gegenüberstand, in den vergangenen zwei Jahren lediglich 1.300 Bankarbeitsplätze im Inland weggefallen, berichtete der Vizegouverneur der Oesterreichischen Nationalbank (OeNB), Andreas Ittner, im Klub der Wirtschaftspublizisten. Härtere Schnitte bleiben ihnen nicht erspart. “Es muss den Mitarbeiterabbau geben.” Der Strukturwandel gehe hierzulande erst sehr langsam. In Österreich seien die Kosten der Banken im Vergleich mit Banken in anderen Ländern nach wie vor zu hoch. Man müsse daher an dieser Schraube drehen.

In den heimischen Banken waren Ende des Vorjahres rund 73.700 Leute beschäftigt. In den zehn Jahren seit Ausbruch der Finanzkrise (2007) bis Ende 2016 haben die österreichischen Institute sechs Prozent der Jobs gestrichen, weniger als halb so viel wie im EU-Schnitt. Nur Frankreich habe unter den Euroländern noch weniger Stellen eingespart, sagte Ittner. Der Europa-Schnitt war allerdings auch von dramatischen Einschnitten in Griechenland, Spanien oder Irland geprägt, wo jeweils mehr als 30 Prozent der Bankangestellten ihre Arbeitsplätze verloren haben.

Ittner meint, dass die österreichischen Banken das momentan gute Konjunkturumfeld nützen müssten, ihre Geschäftsmodelle anzupassen, schneller zu agieren und veraltete IT-Strukturen zu erneuern. Die Institute bräuchten ein Fitnessprogramm und nachhaltige Ergebnisse. Digitalisierung und neue Konkurrenten brächten die größten Umwälzungen seit Jahrzehnten mit sich. Und die Kreditrisikokosten, die 2017 die Gewinne spürbar steigen ließ, würden nicht so niedrig bleiben. Im Aufschwung würden nämlich jene Risiken eingekauft, die in schlechten Zeiten wertzuberichtigen seien.

Von: apa