Preistreiber waren hohe Treibstoffpreise

Österreichs Inflationsrate kletterte auf 2,1 Prozent

Mittwoch, 17. Januar 2018 | 12:07 Uhr

Getrieben auch von höheren Treibstoffpreisen ist die Inflationsrate in Österreich 2017 im Gesamtjahr auf 2,1 Prozent gestiegen, nach jeweils 0,9 Prozent 2016 und 2015. Im Dezember lag das heimische Preisniveau um 2,2 Prozent höher als ein Jahr davor, im November hatte die Jahresrate 2,3 Prozent betragen. Die 2,1 Prozent sind die höchste Inflationsrate seit dem Jahr 2012.

Damals lag die Teuerungsrate bei 2,4 Prozent, blieb aber noch weit unter der höchsten Teuerung der letzten zehn Jahre mit 3,3 Prozent im Jahr 2011. Im Jahresverlauf 2017 selbst bewegte sich die Inflationsrate zwischen 1,9 und 2,4 Prozent. Den größten Preisauftrieb wiesen 2017 Bewirtungsdienstleistungen, Nahrungsmittel, Treibstoffe und Mieten auf, wie es am Mittwoch in einer Aussendung hieß.

Im Dezember wurde die Teuerung etwas abgebremst durch den etwas schwächeren Preisauftrieb bei Heizöl und Sprit. Die Ausgaben für Wohnung, Wasser, Energie waren bedeutendster Preistreiber, gefolgt von Nahrungsmitteln und alkoholfreien Getränken. Ohne Wohnung, Wasser, Energie und Nahrungsmittel hätte die Inflation im Dezember nur 1,5 Prozent betragen, so die Statistik Austria.

Der für Eurozonen-Vergleiche ermittelte Harmonisierte Verbraucherpreisindex (HVPI) Österreichs lag im Dezember um 2,3 Prozent höher als ein Jahr zuvor (November: +2,4 Prozent). Im Gesamtjahr 2017 legte das heimische Preisniveau laut HVPI um 2,2 Prozent zu, nach +1,0 Prozent im Jahr 2016.

Im Gesamtjahr 2017 gab es den stärksten Preisauftrieb bei den zuletzt sogar von der Nationalbank (OeNB) im Detail untersuchten Bewirtungsdienstleistungen sowie außerdem bei Nahrungsmitteln, Treibstoffen und Mieten.

So legten die Ausgaben für Verkehr um durchschnittlich 3,0 Prozent zu und hatten mit +0,39 Prozentpunkten den größten Einfluss auf die durchschnittliche Jahres-Inflationsrate von 2,1 Prozent. Den Ausschlag gaben dabei die um 7,1 Prozent höheren Spritpreise, nachdem Treibstoffe 2016 noch Hauptpreisdämpfer gewesen waren. Flugtickets ins Ausland verteuerten sich 2017 um 13,0 Prozent.

Die Preise für Wohnung, Wasser, Energie erhöhten sich 2017 im Schnitt um 1,8 Prozent (+0,34 Prozentpunkte Einfluss auf die Teuerungsrate). Dazu trugen nach Angaben der Statistik Austria von Mittwoch überwiegend die um 4,2 Prozent höheren Mieten bei. Instandhaltung von Wohnungen kostete 1,9 Prozent mehr, Haushaltsenergie verbilligte sich dagegen um 0,8 Prozent, Grund waren die um 5,4 Prozent niedrigeren Strompreise; Gas wurde um 1,6 Prozent günstiger, Fernwärme um 2,0 Prozent teurer.

Allein um 0,32 Prozentpunkte wurde die Teuerung 2017 durch die im Schnitt 2,9 Prozent höheren Preise bei Restaurants und Hotels angetrieben, dabei allein 0,28 Prozentpunkte durch die um 2,9 Prozent kostspieligeren Bewirtungsdienstleistungen. Beherbergungsdienstleistungen kosteten um 2,0 Prozent mehr. Eine OeNB-Analyse ergab kürzlich, dass für die in Österreich im Vergleich zu Eurozone und Deutschland höhere Teuerungsrate ausschließlich der heimische Dienstleistungssektor verantwortlich ist, namentlich die Bewirtungen. Die höhere Bedeutung im Warenkorb spiegle das bei uns “unterschiedliche Konsummuster bei Restaurant- und Lokalbesuchen” wider, so die OeNB.

Nahrungsmittel und alkoholfreie Getränke kosteten im Gesamtjahr im Schnitt 2,4 Prozent mehr (+0,28 Prozent VPI-Einfluss). Die Preise für Nahrungsmittel allein, die sich 2016 nur um 0,7 Prozent erhöht hatten, kletterten um 2,3 Prozent (+0,25 Prozentpunkte Beitrag). Dabei verteuerten sich Milch, Käse und Eier um 3,5 Prozent, Öle/Fette um 11,5 Prozent, darunter Butter um 25,6 Prozent.

Für Freizeit und Kultur stiegen die Preise 2017 im Schnitt um 2,4 Prozent, Nachrichtenübermittlung kostete dagegen durchschnittlich um 1,3 Prozent weniger, so die Statistik Austria.

Im Berichtsmonat Dezember (mit 2,2 Prozent Jahresrate, nach 2,3 Prozent im November) lagen die Preise für Wohnung, Wasser, Energie um 2,0 Prozent über dem Dezember 2016. Nahrungsmittel und alkoholfreie Getränke kamen um 3,2 Prozent teurer, dabei Nahrungsmittel um 3,0 Prozent (u.a. Fleisch +3,3 Prozent, Milch/Käse/Eier +4,7 Prozent, Öle/Fette +13,2 Prozent, dabei Butter +27,3 Prozent).

Restaurants und Hotels kamen im Dezember im Schnitt 2,9 Prozent teurer als ein Jahr davor (dabei Bewirtungsdienstleistungen +3,0 Prozent). Der Verkehrsbereich kostete im Schnitt 2,2 Prozent mehr: Dabei kam Sprit nur noch 5,1 Prozent teurer als zwölf Monate zuvor, im November waren das noch +6,3 Prozent gewesen. Für Flugtickets ins Ausland musste 7,3 Prozent mehr hingeblättert werden. Freizeit/Kultur verteuerte sich um 2,2 Prozent, Nachrichtenübermittlung wurde 3,2 Prozent günstiger.

Von November auf Dezember stieg das heimische Preisniveau um 0,4 Prozent. Als Hauptpreistreiber erwiesen sich Freizeit/Kultur mit +1,6 Prozent binnen Monatsfrist (hauptsächlich wegen der saisonal um 8,4 Prozent teureren Pauschalreisen). Hauptpreisdämpfer gegenüber dem Vormonat war die Ausgabengruppe Bekleidung und Schuhe mit im Schnitt -1,4 Prozent. Erste Winterschlussverkäufe ließen die Bekleidungsartikel um 1,3 Prozent und Schuhe um 1,7 Prozent billiger werden, so die Statistik Austria.

Das Preisniveau des Mikrowarenkorbs, der überwiegend Nahrungsmittel, aber auch Tageszeitungen oder den Kaffee im Kaffeehaus enthält und den täglichen Einkauf repräsentiert, lag im Dezember im Jahresabstand um 5,7 Prozent höher (November +5,8 Prozent). Der Miniwarenkorb für den wöchentlichen Einkauf, der neben Nahrungsmitteln und Dienstleistungen auch Sprit umfasst, verteuerte sich binnen Jahresfrist um 4,1 Prozent.

Laut Eurostat-Daten betrug die Teuerungsrate in Österreich im Dezember 2,3 Prozent. Spitzenreiter in der EU waren gemeinsam Estland und Litauen mit je 3,8 Prozent. Einziges Land mit sinkenden Preisen war Zypern (-0,4 Prozent Inflationsrate). Der EU-Durchschnitt ging gegenüber November von 1,8 auf 1,7 Prozent zurück. In der Eurozone wurde ein Absinken von 1,5 auf 1,4 Prozent registriert.

Ein wesentlicher Grund dafür, dass in Österreich die Preise deutlicher stiegen als im Euroraum, ist, das die höheren Preise bei Restaurants und Hotels hierzulande sowie Freizeit und Kultur viel mehr ins Gewicht fallen als in anderen Ländern.

Von: apa