Die OMV könnte den "Eisbrecher" spielen

Offenbar neue Finanzierungsart für Nord-Stream-2-Pipeline

Sonntag, 09. Oktober 2016 | 12:35 Uhr

Die vom russischen Gazprom-Konzern geplante Gaspipeline Nord Stream 2 könnte auf neuem Wege und der weiteren Teilnahme der OMV finanziert werden. Der “Kurier”schreibt, dass die Pipeline über eine Wandelanleihe, begeben von der Gazprom, finanziert werden könnte. Anleihezeichner würden dann irgendwann Aktien erhalten. Grund sei, dass sich die Gazprom schwer über westliche Banken finanzieren kann.

Im Fall einer Wandelanleihe wären westliche Partner praktisch Kreditgeber. Der “Kurier” schreibt, aus dem Konsortium sei zu hören, dass die OMV dabei den Eisbrecher spielen solle und ein Anleihevolumen von rund einer Milliarde Dollar übernehmen könnte. Wann eine Umwandlung in Aktien erfolge, müsste der teilstaatliche heimische Konzern offenlassen. Ein OMV-Sprecher bestätigte gegenüber der Zeitung lediglich, dass man nach Lösungen suche, um das Projekt weiter zu unterstützen.

Nord Stream 2 soll auf circa 1.200 Kilometern Länge von der Region Sankt Petersburg in Russland durch die Ostsee bis zur deutschen Küste führen – mit zwei parallelen Leitungen auf dem Meeresboden mit jeweils 27 Mrd. m3 Jahreskapazität, in Summe also rund 55 Mrd. m3. Die beiden Leitungen sollten 2018/19 gebaut werden und bis Ende 2019 in Betrieb gehen. Als vorläufiger Investitionsaufwand waren circa 8 Mrd. Euro veranschlagt, vollständig privat finanziert.

Gazprom hätte an der Nord-Stream-2-Gesellschaft 50 Prozent halten sollen, die fünf Partner – ENGIE (früher GDF Suez), OMV, Shell, Uniper und Wintershall – jeweils 10 Prozent, sah der Gesellschaftervertrag vor. Der wird jedoch nicht umgesetzt, Gazprom bleibt 100-Prozent-Eigentümer der Nord Stream 2 AG. Denn erst Mitte August hatten die sechs Unternehmen ihre fusionskontrollrechtliche Anmeldung bei der polnischen Wettbewerbsbehörde zurückgezogen. Nun wird nach neuen Lösungen gesucht. Kommende Woche ist Gazprom-Chef Alexi Miller bei Bundeskanzler Christian Kern (SPÖ) in Wien als Gast angesagt.

Von: apa