Koffer und Longboard auf Trabant Kombi 601s im ostdeutschen Bautzen

Oldtimerstatus für DDR-Kultautos Wartburg und Trabi

Sonntag, 11. April 2021 | 11:09 Uhr

Und sie fahren immer noch: 30 Jahre nach der Einstellung der Produktion sind von den DDR-Klassikern Wartburg und Trabant noch einige Zehntausend vor allem auf deutschen Straßen unterwegs. Mehr noch: Die Zahl der betagten Gefährte, die als “Plastebomber” (Trabant) oder “Rostlaube” (Wartburg) geschmäht wurden, steigt seit 2015 wieder, besagen Zulassungszahlen des Kraftfahrt-Bundesamtes in Flensburg.

Die historischen Autos, von denen die letzten im April 1991 im thüringischen Eisenach und im sächsischen Zwickau gebaut wurden, würden jetzt wieder aus Scheunen, Schuppen oder Garagen geholt, fahrtüchtig gemacht und zugelassen, sagen Fachleute zu den steigenden Zahlen. “Wartburg und Trabi haben nicht nur Kult- sondern jetzt auch Oldtimerstatus erlangt”, so der Geschäftsführer der Kölner BBE Automotive GmbH, Gerd Heinemann. Ein Teil von ihnen trage auch das H-Kennzeichen für Oldtimer – bei den noch zugelassenen Wartburg sind es nach seinen Angaben fast 4.000 und damit knapp die Hälfte des aktuellen Bestandes.

Heinemanns Beratungsunternehmen legt jährlich unter anderem eine Studie zum Youngtimer- und Oldtimer-Markt für den Verband der Automobilindustrie (VDA) und andere Organisationen vor. “Der Trabant steigt definitiv im Wert. Und die ganz alten Wartburg sind richtige Schätzchen”, findet der Autoexperte.

Nach seiner Einschätzung wird der Markt für die beiden DDR-Oldies noch wachsen. “Weil es sich lohnt, sie fahrtüchtig zu machen. Das ist eine Art Rückbesinnung und fast schon ein kleiner Boom.” Für einen Trabant in Topzustand würden durchaus 10.000 Euro gezahlt. Ein historischer Wartburg 311er Coupe kann als restaurierter Oldtimer auf Internetportalen schon mal mit Preisangaben zwischen 26.000 und 50.000 Euro versehen sein.

Für einen Wartburg 1.3 – dem letzten Modell vor dem Produktionsende am 10. April 1991 – sind es immer noch einige Tausend Euro. Erinnert wurde an den Stopp vor 30 Jahren am Samstag von der rührigen Fangemeinde in Eisenach coronabedingt nur virtuell – mit Fotos von individuellen Ausfahrten im kantigen Wartburg. “Die Wartburg-DNA ist in Eisenach immer noch vorhanden”, sagt Oberbürgermeisterin Katja Wolf. Und sie verweist auf mehr als 120 Jahre Automobilbautradition in der Thüringer Stadt, die mit einem Opel-Werk und Zulieferern weitergehe und an die auch ein Museum erinnere.

Den drastische Schwund der DDR-Gefährte und ihre kleine Renaissance dokumentiert das Kraftfahrt-Bundesamt. Für Wartburg und Trabant wurden die Daten seit 1993 gesondert zusammengefasst – sogar nach den Beständen in den einzelnen Bundesländern, berichtet Sprecherin Diana Christin Thomsen.

Danach waren im vergangenen Jahr bundesweit 8.361 Fahrzeuge aus dem Automobilwerk Eisenach (AWE) zugelassen – 2015 waren es erst 7.244. Vom Trabi, dessen Aus am 30. April 1991 in Zwickau besiegelt wurde, sind demnach derzeit noch 38.137 Exemplare fahrbereit – 2015 waren es noch 32.832. Der überwiegende Teil ist in Ostdeutschland unterwegs.

Zehn Jahre nach dem Ende der Produktion in Eisenach und bei Sachsenring in Zwickau waren immerhin noch rund 52.000 Wartburg und 160.000 Trabis zugelassen. Neben schlichten Alltagsgefährten, die noch wie zu DDR-Zeit beige oder graublau daher kommen, haben sich viele zu Hingucker-Autos gemausert – mal goldfarben lackiert, mal mit auffälligem Leoprint. Viele Trabi- und Wartburgvereine pflegen die alten Autos, deren Bilder nach dem Mauerfall um die Welt gingen.

Insgesamt wächst der Markt für historische Autos in Deutschland, geht aus Zahlen des VDA hervor. Bundesweit gab es danach 2020 erstmals insgesamt mehr als eine halbe Million Pkw mit H-Kennzeichen. Mehr als 3.500 Werkstätten und Autohäuser mit über 9.000 Beschäftigten engagierten sich in diesem Markt. Auch für die DDR-Gefährte gebe es noch ausreichend Ersatzteile, sagt Heinemann. “Viel wurde da in der DDR gehortet.”

Die einst volkseigenen Autowerke in Thüringen und Sachsen waren nach der Wiedervereinigung von der Treuhandanstalt abgewickelt worden. Eisenach und Zwickau bleiben aber Autostädte. Opel, VW, BMW sowie aktuell Tesla sind in Ostdeutschland aktiv. VDA-Sprecher Peter Schubert beziffert die Produktionszahl im vergangenen Jahr in Ostdeutschland auf 480.000 Autos. “Das war nahezu jeder siebte in Deutschland gefertigte Pkw.” Wegen der Corona-Pandemie seien das etwa 20 Prozent weniger gewesen als 2019. “Bundesweit hat der Rückgang aber 25 Prozent betragen.”

Von: APA/dpa

Kommentare

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14 Kommentare auf "Oldtimerstatus für DDR-Kultautos Wartburg und Trabi"


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Universalgelehrter
27 Tage 17 h

Das ist mal eine Super Idee 💡, den “Plastebomber” 601 zum Oldtimer mit H-Kennzeichen hochzujubeln. Damit dürfen diese Zweitakt-Knatterer 🤮 stinkend und lärmend ungehindert durch alle Innenstädte fahren, ganz in Gegensatz zu modernen Euro 5 !! Fahrzeugen. Und noch eins für Diejenigen, die nicht wissen, wieso der Trabi 601 hieß. Ganz logisch, weil ihn 600 wollten, aber nur Eine/r hat Einen bekommen 😉.

Pacha
Pacha
Superredner
27 Tage 16 h

Zumindest produzieren sie keinen Feinstaub, die Schadstoffe sind alle mit Öl gebunden. 😆

Doolin
Doolin
Superredner
27 Tage 16 h

…und wenn ein Trabi auf einen Kaugummi fuhr, blieb er picken und kam nicht weiter…
🤪

quilombo
quilombo
Tratscher
27 Tage 15 h

dann dürfte deiner Meinung nach niemand mit einem Oldtimer herumfahren. Oder glaubst du ein Plymouth, VW Käfer, Ford Anglia, oder ein Mercedes SRL sind besser. Die müßten dann auch alle 6001 heißen, denn von 6000 die so ein Auto wollten, nur einer konnte es sich leisten.

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Universalgelehrter
27 Tage 14 h

@Pacha..du bist ja ein richtiger Technik Fachmann 🙈🙈. Auch Zweitaktmotoren benötigen Öl und das auch noch zusätzlich in der Mischung. Und Feinstaub entsteht auch durch Abrieb der Reifen, was, glaube ich zumindest 😉, auch ein Trabi hat.

Hustinettenbaer
Hustinettenbaer
Universalgelehrter
27 Tage 13 h

Oh je, das erinnert mich daran: der Käfer muss wieder aus dem Winterschlaf geweckt werden 🔧☁☁☁☁🌪.

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Universalgelehrter
27 Tage 13 h

@quilombo..🤣 Zunächst sollte zwischen Young- und echten Oldtimern unterschieden werden. Mein NSU TT Baujahr 1968 hat ein H Kennzeichen und mit dem fahre ich zu NSU Treffen oder ganz selten über Land. Aber niemals in die Innenstadt. Und dann reden wir bei deinen Beispielen auch noch von echten alten !! Autos und nicht von “mittelalten” (ausdrücklich nicht MITTELALTERLICHEN !!) Hartplastikbehältern auf Rädern. Ich bin gegen ein Oldtimer-Posing in den Innenstädten, vollkommen unnötig. Ausnahmen können für Oldtimer Rallies und/oder Sternfahrten gemacht werden. Aber Ausnahmegenehmigungen für die Innenstädte halte ich für falsch.

allesnurzumschein
allesnurzumschein
Superredner
27 Tage 16 h

Erinnert sich noch jemand an die 90er, wo viele ex-Ostdeutsche mit ihren Trabis in Südtirol, Gardasee und an der Adria einfielen, nachdem die Berliner Mauer gefallen war? 😎

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Universalgelehrter
27 Tage 13 h

👍👍🙈🙈 Leider hast du vor !! den Trabis die Worte “stinkend und lärmend” vergessen.

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Universalgelehrter
27 Tage 12 h

👍 Ich erinnere mich auch daran, dass bundesweit bei den allermeisten, selbst den windigsten, Gebrauchtwagenhändlern riesige Autotransporter vorfuhren, den gesamten (Schrott) Fuhrpark aufluden und in Richtung neue Bundesländer kutschierten.

Missx
Missx
Kinig
27 Tage 11 h

Ich hole meinen 65er Schelby GT nur zu besonderen Anlässen aus der Garage und das auch nur im Sommer. In Italien sind die Regeln sehr streng und auf Marke und Alter bezogen.

Andreas1234567
Andreas1234567
Universalgelehrter
27 Tage 11 h

Hallo zum Sonntagabend,

nutzloses Südtirolwissen:

Den Höhenrekord für automobile Fortbewegung in Südtirol hält in Südtirol ein Trabant 601 der auf der Hüttenterrasse der Zwickauer Hütte (2975 m) einige Meter mit eigener Motorkraft gefahren ist.
Die Automobile stammten aus dem Werk “VEB Sachsenring Automobilwerke Zwickau”, das ist der historische Witz daran.
Gut, der Heli hat ihn 1350 Höhenmeter raufgekarrt.

Eine Wahnsinnsaktion und wer sich mit der Zwickauer auskennt weiss 
dieser Wahnsinn ist dort Alltag

Gruss nach Südtirol und auf Wiedersehen auf der Zwickauer

Andreas1234567
Andreas1234567
Universalgelehrter
27 Tage 11 h
Guennl
Guennl
Tratscher
27 Tage 6 h

Sachsen ist leider ins Rechte abgedriftet. KAnn ich nicht ernst nehmenm.

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