Das Eigenkapital wuchs gegenüber Ende 2016 um 4 Prozent

OMV-Ergebnis sprang dank höherer Ölpreise nach oben

Donnerstag, 11. Mai 2017 | 13:25 Uhr

Der Öl- und Gaskonzern OMV hat heuer im ersten Quartal deutlich mehr verdient als ein Jahr davor. Vor Sondereffekten kletterte das operative Ergebnis von 262 auf 805 Mio. Euro und der Periodenüberschuss von 174 auf 502 Mio. Euro, wie die OMV am Donnerstag mitteilte. Geholfen hat vor allem der höhere Ölpreis, zudem wurde im Upstream die höchste Quartalsproduktion seit zehn Jahren erreicht.

Der freie Cashflow nach Dividenden erreichte ein Rekordhoch von 1,3 Mrd. Euro, die Produktionskosten sanken unter 9 Dollar je Barrel. Die Raffinerie-Auslastung erreichte einen Höchststand von 96 Prozent, die Raffineriemarge sei weiter stark geblieben. Der OMV-Umsatz kletterte um 38 Prozent von 3,99 auf 5,52 Mrd. Euro. Die Mitarbeiterzahl lag mit 22.210 um 6 Prozent tiefer als ein Jahr zuvor.

Die Produktion erreichte mit 335.000 Barrel Öl-Äquivalent pro Tag den höchsten Quartalswert der letzten zehn Jahre – und um 7 Prozent mehr als vor einem Jahr (312.000 boe/d). Zu verdanken war der Anstieg der Produktion in Libyen und einer höheren Förderung in Norwegen. Bei der Petrom sank die Produktion dagegen durch den natürlichen Förderrückgang um drei Prozent auf 170.000 (175.000) boe/d im Jahresabstand.

Fürs Gesamtjahr 2017 erwartet die OMV eine Gesamtproduktion von im Schnitt 320.000 boe/d, wie es am Donnerstag hieß. Dazu werde die Produktion in Libyen durchschnittlich 10.000 Fass pro Tag beitragen. Wegen Wartungsarbeiten werde die Produktion in den Folgequartalen unter dem hohen Erstquartalswert liegen. Die Gesamtverkaufsmenge lag im 1. Quartal mit 28,5 Mio. boe um 8 Prozent höher als ein Jahr davor (26,3 Mio. boe) – dank der Steigerungen in Libyen und Norwegen.

Im Upstream-Bereich will die OMV heuer 1,3 Mrd. Euro investieren, inklusive aktivierte Vermögenswerte aus Exploration und Evaluierung – und noch ohne Akquisitionen, wie es heißt. Die Ausgaben für Exploration und Evaluierung werden für heuer in Höhe von 300 Mio. Euro erwartet. Insgesamt werde der Konzern heuer (noch ohne Akquisitionen) voraussichtlich 1,9 Mrd. Euro investieren. Das Kostenreduzierungsziel für 2017 habe man – verglichen mit dem vorvergangenen Jahr 2015 – auf mehr als 250 Mio. Euro gesetzt.

Der Brent-Preis wird für 2017 im Schnitt bei 55 Dollar pro Barrel erwartet – zuletzt, im ersten Quartal, lag er im Schnitt bei 53,7 Dollar/Fass, ein Jahr davor bei 33,9 Dollar/Barrel, seither also ein Plus von 58 Prozent.

Die Öl-Raffineriemargen würden 2017 voraussichtlich ähnlich hoch wie 2016 liegen. Nach der starken Performance in Q1 erwarte man im weiteren Jahresverlauf ein Sinken der Raffineriemargen “aufgrund des anhaltenden Überangebots am Markt”, erklärt der Konzern im Ausblick.

Die Petrochemiemargen werden 2017 höher als 2016 erwartet, die Commercial- und Retail-Margen in den OMV-Märkten (mit Ausnahme der Türkei) ähnlich hoch wie 2016. Die rund sechswöchigen, Mitte April gestarteten Wartungsarbeiten in der Raffinerie Schwechat würden 110 Mio. respektive 23 Mio. Euro kosten, was Investitionen und Generalüberholung betreffe, erinnert die OMV. Trotz der planmäßigen Wartung werde die Kapazitätsauslastung für 2017 mehr als 90 Prozent betragen.

Die Schwechat-Generalüberholung sowie geplante Wartungsarbeiten im Bereich Upstream würden das CCS Operative Ergebnis vor Sondereffekten im 2. Quartal gegenüber dem 1. Quartal mit ungefähr 80 Mio. Euro negativ beeinflussen, so die OMV.

Im Downstream lag die OMV-Referenz-Raffineriemarge heuer mit 5,42 Dollar/bbl um 7 Prozent über dem Niveau von Anfang 2016, die Gesamtverkaufsmenge an Raffinerieprodukten sank um vier Prozent auf 6,54 Mio. t. Die Erdgas-Verkaufsmengen blieben mit 32,3 (32,5) TWh ungefähr gleich.

Die durchschnittlich realisierten Gaspreise lagen heuer im ersten Quartal in Dollar lediglich fünf Prozent höher, in Euro waren es acht Prozent. Der Gasmarkt in Europa ist laut OMV “weiterhin von einem Überangebot geprägt”. Die Gaspreise auf den europäischen Spotmärkten würden 2017, verglichen mit 2016, jedoch im Schnitt steigen, wegen des kalten Winters im heurigen 1. Quartal. Ihre Erdgas-Verkaufsmengen erwartet die OMV 2017 leicht über jenen von 2016, die Verkaufsmargen würden wegen des Überangebots am europäischen Gasmarkt voraussichtlich niedriger als 2016 sein. Zudem werde der Beitrag des Erdgastransport-Geschäfts in Österreich (Gas Connect Austria) heuer gegenüber dem Vorjahr deutlich zurückgehen.

Das Investitionsvolumen machte im 1. Quartal 302 (467) Mio. Euro aus, ein Rückgang um rund ein Drittel. Der Verschuldungsgrad verringerte sich im Jahresabstand von 29 auf 12 Prozent, absolut sank binnen zwölf Monaten die Nettoverschuldung um 60 Prozent auf 1,67 (4,18) Mrd. Euro. Das Eigenkapital wuchs gegenüber Ende 2016 um 4 Prozent (auf 14,44 Mrd. Euro), die Eigenkapitalquote erhöhte sich von 43 auf 46 Prozent.

Für eine nähere Einschätzung des heurigen dritten und vierten Quartals will OMV-Chef Rainer Seele zunächst das für 25. Mai in Wien geplante Treffen der OPEC-Ölminister abwarten, um zu sehen, wie die Ölpreise reagieren. Sollten sich die Preise wie von der OMV erwartet entwickeln, sollten drittes und viertes Quartal keine Enttäuschung für die OMV sein, sagte Seele am Donnerstag.

Von: apa