Die OMV steht weiterhin zu ihren Plänen

OMV verteidigt von USA kritisierte Nord-Stream-2-Gaspipeline

Dienstag, 15. Januar 2019 | 10:32 Uhr

OMV-Vorstand Manfred Leitner verteidigt die von den USA kritisierte, in Bau befindliche Nord-Stream-2-Gaspipeline, bei der der österreichische Öl- und Gaskonzern als ein Finanzierungspartner agiert. Er sei dankbar, dass die Regierungen in Wien und Berlin klare Positionen dazu hätten. Die OMV hat übrigens keinen Anti-Nord-Stream-Brief des US-Botschafters in Deutschland, Richard Grenell, erhalten.

Nord Stream 2 sei für die Versorgungssicherheit Europas “extrem wichtig”, da sie zusätzliches Erdgas bringe, betont Downstream-Vorstand Leitner im “Standard” (Dienstag-Ausgabe). Dieses Gas stehe in Konkurrenz zu anderen Importströmen, die im Wesentlichen Flüssiggasströme seien, also LNG. “Da kommen jetzt die Amerikaner ins Spiel”, so Leitner, denn die produzierten mittels Fracking günstig und ohne Umweltauflagen inzwischen mehr Gas als sie selbst verbrauchen könnten: “Jetzt suchen die Amerikaner Märkte, um das überschüssige Gas in Form von LNG vermarkten zu können.”

Hinter der kritischen Haltung der USA gegenüber der Nord Stream 2 stünden “wahrscheinlich wirtschaftliche Interessen”, vermutet der OMV-Vorstandsdirektor, daneben gebe es auch Machtinteressen, das sei aber nicht sein Gebiet. Gerne wissen würde Leitner jedoch, was die US-Regierung wohl sagen würde, wenn die EU erklärte, sie sollte die XL-Pipeline von Kanada in die USA nicht bauen, weil diese Leitung allen Vorstellungen der EU widerspreche.

Die USA hatten zuletzt in bisher nicht gekannter Schärfe Kritik an der Nord Stream 2 geübt. Wie am Wochenende bekannt geworden ist, hat der US-Botschafter in Deutschland, Richard Grenell, in einem Brief an der Pipeline beteiligten Konzernen damit gedroht, sie würden sich einem “erheblichen Sanktionsrisiko” aussetzen. Die OMV hat laut “Presse” (Dienstag) kein solches Schreiben erhalten.

Am Dienstag verteidigte der US-Botschafter seine Drohungen gegen deutsche Firmen: “Die zentrale Verantwortung eines Diplomaten besteht darin, die Bürger seines Heimatlandes zu schützen und die Interessen dieses Heimatlandes zu verteidigen”, sagte Grenell der “Rheinischen Post”. Laut der US-Botschaft waren die Briefe mit mehreren US-Regierungsbehörden abgestimmt. Sie sollten demnach nicht als Drohung, sondern als “klare Botschaft der US-Politik” verstanden werden. Deutsche Politiker reagierten verstimmt.

Der “Rheinischen Post” sagte Grenell nun, seine Aufgabe als Botschafter sei es, “gegenüber der deutschen Regierung, von Wirtschaftsführern, der Zivilbevölkerung, den Medien und der Öffentlichkeit die Politik meiner Regierung zu repräsentieren”. Bei Nord Stream 2 handle es sich gar nicht um ein Wirtschaftsprojekt, monierte er. “Es wurde nur aus einem Grund entwickelt: Um für den Transport von russischem Gas auf dem Weg nach Europa eine alternative Route zu schaffen, die nicht durch die Ukraine führt.” Es stelle sich die Frage, ob Europa abhängiger von einem Land werden wolle, “das in einen souveränen Staat einmarschiert ist und ein Gebiet illegal annektiert hat”, sagte Grenell mit Blick auf die russische Annexion der ukrainischen Halbinsel Krim.

Wie der erste Nord-Stream-Strang, der seit 2011 in Betrieb ist, soll auch der zweite – geplante Betriebsbereitschaft Ende 2019 – eine Jahreskapazität von 55 Mrd. m3 aufweisen. Auch die Nord Stream 2 soll Gas direkt von Russland über die Ostsee nach Mitteleuropa transportieren, ohne den Weg über die Ukraine zu nehmen.

Von: apa

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