"Möglichkeit, das eigene Kaufverhalten zu hinterfragen"

Online-Kauf: Gratis-Retouren bald passé?

Mittwoch, 21. September 2022 | 07:10 Uhr

Bozen – Die kostenlose Rücksendung beim Online-Kauf könnte bald abgeschafft werden. Davon geht das das Europäische Verbraucherzentrum aus. Viele internationale Firmen, vor allem im Bekleidungssektor, haben nämlich bereits damit begonnen, für die Rücksendungen eine Gebühr zu verlangen, weil die Bearbeitung kostspielig ist. Hier setzen die Firmen jetzt den Sparstift an, erklären die Konsumentenschützer. Dieser Schritt könnte dazu beitragen, auch im Internet bewusster einzukaufen und das eigene Kaufverhalten zu überdenken, der Brieftasche und der Umwelt zuliebe. Diese Rücksendungen verursachen auch eine hohe Umweltbelastung.

Eine Möglichkeit, das eigene Kaufverhalten zu hinterfragen

“Mit dem stetigen Wachstum der Onlinekäufe ist auch die Zahl der Retouren gestiegen. Einzelne große Unternehmen, insbesondere im Bekleidungssektor, haben nun in einigen Ländern damit begonnen, für die Rücksendung der Ware, die für die Verbraucher bis dahin kostenlos war, eine Gebühr zu verlangen. Haben damit die kostenlosen Rücksendungen bald ein Ende?
Die Gründe für diesen Sinneswandel vonseiten der Unternehmen sind hauptsächlich ökonomischer Natur. Die Bearbeitung von Rücksendungen ist für Unternehmen zeit- und personalintensiv und sie verursacht Kosten. Aufgrund der seit dem Kriegsbeginn in der Ukraine massiv angestiegenen Energiekosten müssen auch die Unternehmen den Sparstift ansetzen. Zudem wird es für Unternehmen immer schwieriger, Mitarbeiter:innen zu finden. Es ist davon auszugehen, dass weitere Unternehmen dem Beispiel folgen und auf kostenlose Rücksendungen verzichten werden. Die Ära der kostenlosen Rücksendungen steuert möglicherweise auf ihr Ende zu”, so die Verbraucherschützer.

Dieser Strategiewechsel im elektronischen Handel stelle für die Verbraucher, vor allem für die jüngeren, die es vielleicht gewohnt sind, auch die eigene Kleidung ganz selbstverständlich online einzukaufen und dabei die Möglichkeit der kostenlosen Rücksendung zu nutzen, sicherlich einen wirtschaftlichen Nachteil dar. Er könne aber auch eine gute Gelegenheit sein, das eigene Kaufverhalten im Internet zu überdenken und bewusster zu kaufen – der Brieftasche und der Umwelt zuliebe.

Was bedeutet „bewusster“ kaufen?

“Bewusster kaufen bedeutet, sich zunächst zu überlegen, ob man das Produkt überhaupt braucht. Man sollte sich nicht aus einem Impuls heraus zu Spontankäufen hinreißen lassen. Da bei einem Onlinekauf anders als im Geschäft keine persönliche Beratung erfolgt, ist es wichtig, die Produktbeschreibung vor der Bestellung genau durchzulesen und bei Unklarheiten nachzufragen.
Nach einem Onlinekauf bietet das Gesetz den Verbrauchern die Möglichkeit, vom Kauf innerhalb von 14 Tagen nach dem Erhalt der Ware ohne Angabe von Gründen zurückzutreten. Die Unternehmen können jedoch in den Geschäftsbedingungen vorsehen, dass die Kosten der Rücksendung von den Verbrauchern zu tragen sind. Verantwortungsbewusste Verbraucher sollten daher die Geschäftsbedingungen vor dem Kauf stets sorgfältig prüfen”, so das EVZ.

Es dürfe nicht unerwähnt bleiben, dass die Rücksendungen in Ausübung des Rücktrittsrechts nicht nur Kosten verursachen, sondern auch eine erhebliche Umweltbelastung darstellen. “Wenn euch das Thema Nachhaltigkeit am Herzen liegt, solltet ihr bedenken, dass Gewohnheiten wie der Kauf desselben Kleidungsstücks oder eines Paars Schuhe in verschiedenen Größen, um anschließend lediglich die richtige Größe zu behalten, oder die Bestellung eines Kleides, nur um ein Bild in den sozialen Medien zu posten und es dann zurückzuschicken, große negative Auswirkungen auf die Umwelt haben. Zum einen durch die Transportwege der Kuriere, zum anderen werden die retournierten Waren (insbesondere Kleidung) oft – trotz einwandfreier Qualität – nicht wiederverkauft, sondern vernichtet. Die Umweltauswirkungen in der gesamten Produktions-, Vertriebs- und Entsorgungskette, die durch den so genannten “Fast Fashion”-Trend hervorgerufen werden, sind in der Tat gravierend”, heißt es weiter.

“Die derzeitige Situation ist für die Verbraucher sicherlich schwierig”, schließt Stefano Albertini, Koordinator des Bozner Büros des Europäischen Verbraucherzentrums ab, „aber die neuen Markttrends sollten auch als Chance genutzt werden, um zu umsichtigeren und nachhaltigeren Konsumentscheidungen zu gelangen.“

Von: luk

Bezirk: Bozen

Kommentare

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16 Kommentare auf "Online-Kauf: Gratis-Retouren bald passé?"


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Orch-idee
Orch-idee
Superredner
13 Tage 3 h

Ich kaufe nichts mehr online…

N. G.
N. G.
Kinig
12 Tage 23 h

Midern warst du noch nie!

Neumi
Neumi
Kinig
12 Tage 22 h

Muss man ja auch nicht. Man kann sich ja auch die Sachen, die sie hier nicht vorrätig haben, in ein Geschäft schicken lassen ^^

Orch-idee
Orch-idee
Superredner
12 Tage 22 h

@N.G… Ich weiß du bist ein “online-prediger”…
Aber ich bevorzuge mein Land wirtschaftlich zu unterstützen und kaufe lieber lokal ein..

Orch-idee
Orch-idee
Superredner
12 Tage 18 h

Genau👍bravo @Neumi😉

Neumi
Neumi
Kinig
13 Tage 4 h

Früher musste man auch für Rücksendungen bezahlen. Trotzdem wurde fleißig aus den Katalogen bestellt.
Kleidung kommt für mich aber so oder so nicht in Frage (Ausnahme: bedruckte T-Shirts) und beim Rest weiß ich im Normalfall sehr genau, was ich will.
Eine Retour wegen “nicht gefallen” gab’s noch nie.

6079_Smith_W
6079_Smith_W
Universalgelehrter
13 Tage 1 h

Bedankt Euch bei denen die zum Spass Sachen bestellen und dann wieder zurückschicken.

Aber die Werbung von Amazon erzählt uns ja dass zurückschicken ja kein Problem sei.

klablueter
klablueter
Grünschnabel
13 Tage 4 h

Ob das wirklich zu einem bewussteren Kaufverhalten führt, mag ich zu bezweifeln. Ersten ließt kaum jemand die Return Policy bevor sie etwas kaufen. Zweitens sind die zehn Euro Sendegebühr für viele immer noch ein verschmerzbarer Betrag solange sie den Artikel so schnell wie möglich los werden.

Rosenrot
Rosenrot
Superredner
13 Tage 11 Min

Sehr gute Idee, dann wird beim Bestellen besser überlegt. Ich bestelle nicht mehr im Internet, denn für mein Geld will ich sehen und anfassen können, was ich kaufe. 

N. G.
N. G.
Kinig
12 Tage 23 h

Handy, PC und TV auch?

primetime
primetime
Kinig
12 Tage 22 h

@Rosenrot alles kannst du nicht lokal kaufen und bist gezwungen online zu bestellen. Und da lass ich mir auch nicht eine “Alternative” von einem Verkäufer aufschwatzen. Wenn ich Produkt A will dann hat das wohl seinen Grund

Sag mal
Sag mal
Kinig
12 Tage 23 h

und das weil Manche nichts Besseres zu tun haben…

So ist das
13 Tage 40 Sek

Gratis oder nicht, dadurch werden die Käufe im Internet nicht weniger 🤔

primetime
primetime
Kinig
12 Tage 22 h

Es geht nicht darum dass die Anzahl der Käufe weniger werden sondern bewusster. Es sind so einige die bei Amazon etwas kaufen, meistens Computerteile, um zu testen was zu Hause kaputt ist und dann das nicht benötigte wieder zurückschicken.
Ist in gewissen Fällen ohne Versuche, trotz Fehlereingrenzung, auch nicht möglich.
Auch bei Kleidung geht das nicht immer denn Maße sind von Hersteller zu Hersteller verschieden. Da werden so einige Käufer halt in den sauren Apfel beißen

ieztuets
ieztuets
Superredner
12 Tage 20 h

Es gibt halt nicht alles im nahen Geschäft plus hat man dazu noch eine große Auswahl, aber Schuhe oder Kleidung, d.h. wo man nicht genau weiß ob es “passt” habe ich nur einmal bestellt, weil man 50% wieder zurückschickt und das ist wirklich ein “no go” diese ganze Retourensch… wenn finde ich es richtig dass man etwas bezahlen müsste!

Zeckiblaeckie
Zeckiblaeckie
Grünschnabel
12 Tage 14 h

Finde ich auch richtig, kleidung kann man auch vor Ort kaufen und andere Waren sollte man meiner meinung nach vorher wissen ob man sie braucht oder nicht, es sei denn die Ware kommt beschädigt an oder es wird die Falsche Ware geschickt, dann sollten die Kosten der Rücksendung vom Verkäufer getragen werden müssen

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