Seit 8.00 Uhr werden die Mitarbeiter in der Messe Ried informiert

OÖ. Luftfahrtzulieferer FACC baut 650 Stellen ab

Freitag, 18. September 2020 | 21:48 Uhr

Der Luftfahrtzulieferer FACC reduziert seine Belegschaft in Österreich drastisch. Den anfangs mitgeteilten Stellenabbau von 700 korrigierte das Unternehmen Freitagmittag auf 650 von einer Kündigung betroffene Mitarbeiter. CEO Robert Machtlinger hat in Betriebsversammlungen die Mitarbeiter informiert. Der Abbau betrifft alle Bereiche des Unternehmens mit Ausnahme der Forschung und der Lehrlinge.

Mit den vom Jobabbau Betroffenen wolle man so rasch wie möglich persönliche Gespräche führen, so der FACC-Chef. Im November, wenn die Kurzarbeit beendet wird, werde man dann mit dem neuen Personalstand weitermachen und “in Richtung Zukunft” gehen.

Mit den Gewerkschaften GPA-djp und GBH wurde ein Sozialplan ausverhandelt. “Der erarbeitete Sozialplan hat das Ziel, die negativen Folgen abzufedern und bestmöglich Unterstützung zu geben”, meinten die Vertreter der Gewerkschaften Christian Burger (GBH) und Wolfgang Gerstmayer (GPA-djp) in der Betriebsversammlung.

Machtlinger geht zwar davon aus, dass die Talsohle mittlerweile durchschritten ist, mit Umsatz und Beschäftigtenstand werde man aber erst in vier bis fünf Jahren wieder auf dem Vorkrisenniveau sei – “vorausgesetzt wir kaufen nicht etwas oder machen eine Projektübernahme”. Konkret geplant sei zwar nichts, “aber wir haben unsere Fühler ausgestreckt”, so der CEO. Jede Krise berge auch Chancen.

Die durch die Pandemie in der Luftfahrtbranche ausgelöste Krise habe FACC stark unter Druck gesetzt. So hat der Flugzeugzulieferer das erste Halbjahr mit einem Umsatzeinbruch um mehr als ein Viertel und einem Verlust von 41 Mio. Euro abgeschlossen. Seit Ende März herrscht Kurzarbeit, die Ende September ausläuft.

Das FACC Management geht davon aus, dass mit 2.700 Mitarbeitern und einer soliden Eigenkapitalquote von rund 40 Prozent das Unternehmen in Ried für die Zukunft “sehr gut aufgestellt” sei.

Als “schweren Schlag” für Mitarbeiter und das Innviertel haben oö. LH Thomas Stelzer und Wirtschaftslandesrat Markus Achleitner (beide ÖVP) die Kündigung. Zugleich setzen sie “Hoffnung auf die Aufnahmefähigkeit des Arbeitsmarktes”. So hatte erst am Donnerstag der KTM-Motorradhersteller in Mattighofen mitgeteilt, 200 Mitarbeitern zu suchen.

Insgesamt gebe es im Innviertel aktuell fast 3.000 offene Stellen, teilten Stelzer und Achleitner in einer gemeinsamen Presseaussendung Freitagmittag mit. Darüber hinaus stehe das Land OÖ aber auch zur Hilfe für die betroffenen FACC-Beschäftigten bereit. Eine Möglichkeit, um die gekündigten Mitarbeiter zu unterstützen, wäre eine Stiftungslösung, so der Wirtschaftslandesrat. Mit dem ‘Oberösterreich-Paket’ zur Bewältigung der Corona-Krise habe das Land OÖ die finanziellen Voraussetzungen dafür geschaffen, um in Fällen wie diesen rasch helfen zu können”, meinten Landeshauptmann und Landesrat.

Landeshauptmann-Stellvertreter Manfred Haimbuchner (FPÖ) erklärte, dass “der von uns Freiheitlichen bereits im Frühsommer prognostizierte Dominoeffekt bei Kündigungswellen und Insolvenzen jetzt mit voller Wucht eingetreten” sei. Das “Oberösterreich-Paket” könne nur einen gewissen Teil auffangen. Von der Regierung forderte er “langfristige und nachhaltige Konzepte”. Als Ursache für die “vielerorts auftretenden Probleme von Unternehmen” nannte er in einer Aussendung eine “industriefeindliche Politik, sowohl auf Bundes- als auch auf EU-Ebene”.

Von: apa