2017 setzte Ottakringer 218 Mio. Euro um

Ottakringer bleibt ein Familienkonzern

Freitag, 04. Mai 2018 | 18:05 Uhr

Über den Rückkauf von 190.000 Stammaktien will sich der Wiener Getränkekonzern Ottakringer bis Juli mit schnell verfügbaren Papieren eindecken – für den Fall, dass sich Gelegenheit zur Expansion ergibt. Aus dem Grund will die Nummer drei am heimischen Biermarkt auch an der Wiener Börse notiert bleiben. Das Unternehmen will sich dennoch weiter als Familienbetrieb mit den Getränkemultis messen.

Mit rund 870 Beschäftigten hat der Ottakringer-Konzern (Bier, Mineralwasser, Getränkehandel) 2017 rund 218 Mio. Euro umgesetzt, der Vorstand spricht von einem Superjahr. “Wir haben eine schöne Größe. Unsere Stärke sind unsere Marken und die Eigentümerstruktur eines Familienunternehmens, das sich nicht in der Anonymität von Großunternehmen fremdbestimmen lassen muss”, sagt Konzernchef Sigi Menz. Menz gibt Anfang Juli den Vorstandsvorsitz ab. Ihm folgt der bisherige Chef von Vöslauer, Alfred Hudler, als Sprecher, der dann gemeinsam mit Doris Krejcarek den Konzernvorstand bildet.

Seine Anteile am Unternehmen “versilbern” will Menz (65) keinesfalls. Er bleibt mit seiner Familie weiter Kernaktionär, mit durchgerechnet 15 Prozent. Der Exil-Vorarlberger Sigi Menz hat seine Karriere nach seinem Betriebswirtschaftsstudium in Wien bei der Erste Bank begonnen. 1984 ging er als Controller zur Ottakringer Brauerei, die er 1986 an die Börse geführt hat. Seit dem Jahr 2000 ist er Vorstandsvorsitzender des Getränkekonzerns. Den hat der gebürtige Dornbirner vom reinen Braubetrieb zu einer heute mehr als dreimal so großen Bier-, Wasser- und Dienstleistungsgruppe geführt. “Drei starke und gesunde Pfeiler”, sagt Menz.

Verlustquellen früherer Jahrzehnte sind längst weg. Voriges Jahr wurde auch die ungarische Brauerei Pecs verkauft. Eine enttäuschende Auslands-Erfahrung würde den Konzern jetzt zwar nicht wirklich abschrecken, wieder Schritte über die Grenzen zu tun. Es steht da aber nichts an. Verträge mit Lizenzbrauereien im Osten und Südosten – die in Ungarn, der Slowakei oder Polen für die Wiener Bier abfüllten – hat Ottakringer heute nicht. “Die wurden in der Regel von Weltkonzernen aufgekauft”, sagte Menz im APA-Gespräch. Zum guten Teil auch von Heineken. Stattdessen exportiert Ottakringer lieber wieder selber sein Bier aus Wien, bis nach China, Südkorea oder Kanada. Die größeren Exporte gehen nach Ungarn und Italien.

Zwischen den beiden Riesen im Land, Heineken (Brau Union) auf der einen und Coca Cola (Römerquelle) auf der anderen, fühlt sich der in Wien und Bad Vöslau ansässige Getränkekonzern als private österreichische Getränkegruppe ganz gut aufgestellt. Der Biermarkt im Land ist laut Menz im Großen und Ganzen konsolidiert. In Österreich kommt Ottakringer bei den Bierverkaufsumsätzen auf 6 Prozent Marktanteil. In Wien sind es mit 14 Prozent mehr als doppelt so viel. Vöslauer hat sich österreichweit mit 40 Prozent als stärkste Mineralwassermarke positioniert.

Auch im Zusammenhang mit möglichen neuen Expansionsphasen ist eine Kapitalpartnerschaft, also eine Verflechtung mit einem anderen Branchenunternehmen, kein Thema. “Es ist nicht geplant, jemand hereinzunehmen.” Im Biergeschäft zähle die persönliche Nähe; “den Kunden in die Augen schauen”, sagt Menz.

Einen unfreiwilligen Flirt mit einem Multi hatten die Ottakringer, als nach einem familieninternen Streit der frühere Aktionär Gustav Harmer im Jahr 1998 gegen den Willen der anderen Familienaktionäre den Erzrivalen Brau Union als Aktionär hereinnahm. Der Ottakringer-Vorstand sprach damals von “Krieg”. Als der holländische Bierriese Heineken bei der Brau Union das Ruder übernahm, wurde das Rückkaufsbegehr lauter. Zumal Heineken immer wieder Gelüste auf mehr Ottakringer signalisierte.

Als das Aktienpaket (13,4 Prozent) dann Ende 2009 von den Ottakringer-Mehrheitseignerfamilien Wenckheim und Menz aufgegriffen wurde, war die alte Fehde intern und extern beendet. In Ottakring wurde der Freikauf mit Freibier für die Anrainer gefeiert. Im selben Jahr wurde die 1991 erworbene Mineralwasserfirma Vöslauer mit Ottakringer in einer neuen Ottakringer-Börseholding zusammengelegt.

Standortfragen wie bei anderen Industriebetrieben stellen sich den Ottakringern nicht. Der drittgrößte Brauer im Land hat seinen Firmensitz mitten in Wien-Ottakring, wo der alte Braubrunnen steht. Vöslauer sitzt an der eigenen tiefen Wasserquelle in Vöslau. Den 12-Stunden-Tag bei Bedarf hat die Firma bereits in ihren eigenen Betriebsvereinbarungen.

Mit den Erleichterungen für kleine und mittlere Unternehmen im neuen Kapitalmarktrecht erhofft sich Menz für viele Familienbetriebe, die noch nicht an der Börse sind, künftig einen leichteren Zugang zu Anlegergeld. Mit dem Thema will er sich nach seinem operativen Rückzug als Konzernvorstand mit dem Wechsel in den Aufsichtsrat über die Firma hinaus näher befassen. Wahnsinnig hohe Dividenden hat Ottakringer selber nie bezahlt. Nach dem vorjährigen 180-Jahr-Jubiläum der Braufirma gibt es für die Aktionäre aber außertourlich mehr: Zu den in den letzten Jahren unveränderten 2 Euro je Aktie kommt für 2017 eine Jubiläumsausschüttung von 2 Euro dazu. Ansonsten solle Geld lieber in der Firma bleiben.

Von: apa