Bei Swarovski sollen 1.000 Stellen abgebaut werden

Platter lädt Swarovski-Konzernspitze am Freitag zu Gespräch

Donnerstag, 23. Juli 2020 | 14:59 Uhr

Der massive Stellenabbau beim Kristallkonzern Swarovski mit weiteren 1.000 Stellen weniger im heurigen Herbst ruft nun auch die Tiroler Landesregierung auf den Plan. Landeshauptmann Günther Platter (ÖVP) lud die Konzernspitze für Freitag zu einem Gespräch über die weitere Vorgangsweise ins Innsbrucker Landhaus, wie er dem ORF Tirol sagte.

“Ich möchte wissen, was geplant ist seitens der Unternehmensführung”, so Platter. Jetzt sei das Unternehmen am Zug, jetzt brauche es einen Sozialplan, “damit die Menschen wissen, wie es weitergeht”, erneuerte der Landeshauptmann seine Forderung. “Und wir werden mit den Sozialpartnern, mit dem AMS beraten, wie wir Unterstützung geben können”, kündigte Platter an. Man müsse sich etwa anschauen, ob es Umschulungsmöglichkeiten im Rahmen einer Arbeitsstiftung gebe. Man habe vor, “maximale Unterstützung” zu geben”, versicherte der Landeschef.

Der Präsident der Wirtschaftskammer Tirol, Christoph Walser, rückte indes zur teilweisen Verteidigung des Konzerns aus. Am Donnerstag forderte er eine “differenzierte Kritik” bzw. Betrachtung der Causa ein. “Betriebswirtschaftlich notwendige Entscheidungen sind das eine, die gewählte Vorgehensweise das andere”, meinte der schwarze Wirtschaftskämmerer.

Natürlich sei “jede einzelne Kündigung bedauernswert”, so Walser. Aber kein Beobachter sei in der Lage, die “dahinterstehenden betriebswirtschaftlichen Überlegungen” zu bewerten oder die Notwendigkeit anzuzweifeln, wandte sich Walser gegen “Zurufer von außen”. “Swarovski steht zweifellos unter hartem internationalem Konkurrenzdruck und muss sich zu Maßnahmen durchringen, die den Bestand des Standortes sichern.”

Ganz ungeschoren kommt der Konzern allerdings auch bei Walser nicht davon. Denn die öffentliche Kritik an der Vorgehensweise bei den Kündigungen kann er nachvollziehen: “Zum Kündigungsgespräch per E-Mail eingeladen zu werden, ist keine Art, die einem Arbeitgeber wie Swarovski ansteht”. Auch ortete der Wirtschaftskammerchef eine Unsicherheit unter der Belegschaft wegen der sich ständig ändernden Zahlen über die betroffenen Stellen. Hier sei Swarovski gefordert, klare Angaben zu machen.

Der Tiroler Arbeiterkammerpräsident Erwin Zangerl (ÖVP) forderte Klarheit von Swarovski. “Bevor wir nicht wissen, wohin die 1.600 Stellen verlagert werden, machen Sozialplan-Gespräche keinen Sinn”, betonte er.

Der Konzern müsse Farbe bekennen, verlangte Zangerl. Die harte Gangart der Konzernführung – wonach 1.800 Stellen am Stammsitz in Wattens bis 2021/22 gekündigt werden sollen – sorge für “tiefe Betroffenheit”. “Diese Kündigungen sind unverzüglich zu stoppen”, sagte Zangerl hinsichtlich des Abbaus der ersten 200 Mitarbeiter. Deren Aufgaben würden “künftig von Männedorf in der Schweiz aus erfüllt”, meinte er.

Von: apa