Platter mit den Problemen des Wirtschaftswachstums konfrontiert

Platter sieht “dramatische” Transit-Situation in Tirol

Freitag, 10. Mai 2019 | 12:10 Uhr

Tirols Landeshauptmann Günther Platter (ÖVP) hat in Sachen überbordender Transitverkehr im Bundesland einmal mehr eine Lösung der Problematik eingefordert. “Wir haben eine dramatische Situation”, sagte Platter am Freitag bei einer gemeinsamen Sitzung der Verkehrsausschüsse von Nationalrat und Landtag im Innsbrucker Landhaus.

“Tirol steht im Stau. Es ist untragbar”, meinte der Landeshauptmann und appellierte gleichzeitig an die Parlamentarier, an einem Strang zu ziehen. 2,5 Millionen Lkw würden jährlich über den Brenner donnern, in den vergangenen zwei Jahren habe man eine Steigerung von 20 Prozent verzeichnet, zählte Platter die bekannten Transit-Indikatoren auf. Der Transitverkehr stieg überdies laut den Experten des Landes im Vergleich zum innerösterreichischen Lkw-Verkehr überproportional an.

Und der Landeshauptmann wies vor allem darauf hin, dass 40 Prozent des Aufkommens der Umwegtransit ausmache – ganz einfach, weil die Route über den Brenner im Vergleich zu jener über die Schweiz zu billig sei. Hier brauche es endlich eine Korridormaut von München bis Verona.

Verärgert zeigte sich Platter hinsichtlich des Fortschrittes bei den Zulaufstrecken für den Brennerbasistunnel – vor allem in Bezug auf jene in Bayern bzw. Deutschland. “X Absichtserklärungen” habe er in seiner Amtszeit bereits erlebt, bis es ihm im vergangenen Jahr beim Transit-Gipfel in Bozen gereicht habe und er “aufgestanden” sei. Mittlerweile gebe es zwar Fortschritte auf deutscher Seite, aber: “Alles viel zu spät.” In dieser Frage müssten Bund und Land gemeinsam den Druck aufrechterhalten.

Tirol werde jedenfalls die eingeschlagene Anti-Transit-Politik fortsetzen – auch mit der Fortführung der Lkw-Blockabfertigungen. Bis 2030 soll der Lkw-Transit über den Brenner um 30 Prozent, bis 2050 um 50 Prozent verringert werden.

Es gehe darum, einen “Umgang” mit der Transit-Problematik zu finden, appellierte auch die für Verkehr zuständige Landeshauptmannstellvertreterin Ingrid Felipe (Grüne) an die Parlamentarier. Sie wies auf die bereits präsentierten Verschärfungen der Fahrverbote hin. Zudem gebe es auch mit der EU “gute Gespräche” im Hinblick auf die beabsichtigte Verschärfung des Sektoralen Lkw-Fahrverbots. Auch die verstärkten Schwerverkehrskontrollen, etwa am Fernpass, gehörten zu den vielen Maßnahmen. Hier brauche es aber auch personelle Unterstützung seitens des Bundes, den Felipe gleichzeitig zu einer möglichst raschen Ratifizierung der neuen Wegekostenrichtlinie aufforderte.

Ex-SPÖ-Verkehrsminister Alois Stöger, seines Zeichens nunmehr Nationalrat und Verkehrsausschuss-Vorsitzender, versicherte Tirol die Solidarität des Gremiums. Mit dem Brennerbasistunnel werde man zudem über eine Infrastruktur verfügen, die “die Menschen nicht belastet”. Unterstützung gab es von Stöger auch für die neue Wegekostenrichtlinie, die bereits das EU-Parlament passiert hat. Es müsse “erlaubt sein”, die Frage von Lebensqualität und Klimaschutz darin einzurechnen.

Von: apa

Bezirk: Bozen, Wipptal