Gründung des geplanten 50/50-Joint-Ventures abgesagt

Post-Partnersuche geht weiter – Kommende Monate entscheidend

Dienstag, 27. November 2018 | 12:39 Uhr

Nach dem unerwarteten Aus für das geplante Joint-Venture mit der deuschen FinTech-Gruppe, muss die Österreichische Post AG auf der Suche nach einem neuen Kooperationspartner für die ausfallende Bawag praktisch wieder bei Null beginnen. “Wie es weiter geht, wird sich in den nächsten Monaten entscheiden”, sagte ein Sprecher der Post AG auf APA-Anfrage.

Post-Generaldirektor Georg Pölzl schloss ein Scheitern der Kooperation mit FinTech bis vor kurzen noch aus. “Für mich ist Scheitern keine Option”, sagte Pölzl erst Mitte November. Man strebe an, Mitte nächsten Jahres mit einer Bank in den Markt zu gehen.

Gekommen ist es jetzt anders: “Die Suche geht weiter, wir wollen weiter Finanzdienstleistungen über das Filialnetz anbieten”, betonte der Post-Sprecher heute. “Dieser Entschluss ist nach wie vor aufrecht.”

Über die genauen Gründe will die Post nicht sprechen und keine über die karge Aussendung hinausgehende Angaben machen: “Wir wollen nicht sagen, bei wem es gehapert hat, oder wem was nicht gepasst hat”, so der Sprecher. Jedenfalls sei man mit dem Zeitplan des nun abgesagten Joint Venture, der sehr ambitioniert gewesen sei, nicht auf einen gemeinsamen Nenner gekommen. “Wir haben gesagt, nein, das wollen wir nicht mehr weiter verfolgen. Dann gehen sich nicht mehr als diese zwei, drei Sätze aus.”

Public gemacht wurde das Joint Venture am 10. September. Gemeinsam mit der deutschen FinTech Group werde künftig ein umfassendes Finanzdienstleistungsangebot im Filialnetz geschaffen werden, teilten die beiden Unternehmen damals mit. FinTech sollte dabei für den bisherigen Post-Finanzpartner Bawag einspringen, der den Vertrag per Ende 2019 auslaufen lässt.

Die teilstaatliche Post und die FinTech Group wollten ein 50/50-Joint-Venture gründen. Die FinTech Group wollte ihre Niederlassung in Österreich inklusive der rund 30.000 Kunden in das Joint Venture einbringen, das eine österreichische Banklizenz beantragen und mit 200 Mio. Euro Eigenkapital ausgestattet werden sollte. Der Kooperationsvertrag umfasste auch IT-Dienstleistungen der FinTech an die JV-Gesellschaft. Die Post wollte sich gleichzeitig mit sieben Prozent an der FinTech Group AG beteiligen.

Eine Analyse des geplanten JVs durch das Augsburger Investmenthauses GBC AG kam in der Folge zum Ergebnis, dass die Finanzierung des geplanten JVs für die FinTech-Gruppe auf Sicht von fünf Jahren bereits heute größtenteils gesichert sei. Die Durchführungsrisiken wurden als “außerordentlich niedrig” eingestuft, da die bestehende Infrastruktur der Post nach Aufwand oder kostenlos genutzt werden könne. Im Vergleich dazu wäre der Aufbau einer vergleichbaren Infrastruktur mit immensen Kosten verbunden. FinTech habe damit einen der wichtigsten Meilensteine in ihrer jüngsten Unternehmensgeschichte erreicht.

Die deutsche FinTech-Gruppe hat bei der österreichischen Finanzmarktaufsicht (FMA) “nie einen Antrag auf Konzessionserweiterung gestellt. Es hat sehr viele Gespräche gegeben, die von der FinTech-Gruppe zu keinem Antrag geführt haben”, stellte der Sprecher der FMA am Dienstag gegenüber der APA klar.

Auch stimmten die Behauptungen nicht, dass ein Konzessionsverfahren bei der FMA so lange gedauert hätte, dass es quasi vor dem Jahresbeginn 2020 zu keiner Genehmigung gekommen wäre. Weiters hält er fest, dass die FinTech-Gruppe grundsätzlich auch mit ihrer deutschen Bankkonzession in Österreich tätig werden könne.

Auf den Aktienkurs der beiden börsennotierten Unternehmen wirkte sich die Absage heute bisher sehr negativ aus. FinTech verloren bis gegen 10:30 Uhr rund 9 Prozent, die Österreichische Post AG lag 2,2 Prozent im Minus.

Von: apa

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