Preis für Stickstoffdünger hat sich verdreifacht

Preise für Stickstoffdünger gehen durch die Decke

Montag, 10. Januar 2022 | 12:15 Uhr

Die Preise für Stickstoffdünger haben sich infolge der hohen Erdgaspreise im vergangenen halben Jahr verdreifacht. Der Preis für eine Tonne Kalkammonsalpeter, dem wichtigsten stickstoffhaltigen Dünger, stiegen zu Jahresende an den deutschen Häfen auf über 600 Euro. In den vergangenen fünf Jahren war der Preis nie über 250 Euro gelegen. Die Preise in Österreich sind vergleichbar, da es sich um einen weltweiten Rohstoff handelt, wie Branchenexperten am Montag zur APA sagten.

Auch bei Ammoniumnitrat-Harnstoff-Lösung (AHL) und Diammoniumphosphat sind die Preisentwicklungen ähnlich. Ausschlaggebend sind die ab dem Herbst massiv angestiegenen Preis für Erdgas. Den Bauern bleibe nichts anderen übrig, als mit den Preisen zu leben oder weniger davon einzusetzen, wie ein Düngemittelhändler zur APA sagte, etwa in dem sie weniger stickstoff-intensive Pflanzen anbauen.

Laut Landwirtschaftskammer-Generalsekretär Ferdinand Lembacher haben die Landwirte in Österreich erst rund die Hälfte des für 2022 benötigten Kunstdüngers eingekauft. Die Preisexplosion sei genau in die Zeit gefallen, wo viele Bauern ihre Vorbestellungen für die nächste Saison machen. Lembacher rät aber davon ab, auf sinkende Preise zu warten. Denn aufgrund der hohen Gaspreise hätten viele Stickstoffproduzenten ihre Werke zurückgefahren und gänzlich stillgelegt. Auch die Borealis in Linz hat ihre Ammoniak-Produktion gedrosselt.

“Wir machen die Landwirte darauf aufmerksam, dass wenn erst später bestellt werde, es nicht klar ist, ob der Dünger überhaupt verfügbar ist”, schließt Lembacher Engpässe gegenüber der APA nicht aus. Zumindest jene Menge, die man im März und April ausbringen will, sollte man besorgen.

Die Landwirtschaftskammer geht davon aus, dass die Düngemittelpreise die nächsten Monate hoch bleiben werden. Lembacher rät dazu, dies auch bei den Verkaufspreisen vertraglich zu berücksichtigen und sich hier abzusichern. Wenn die Preise für Weizen, Mais und Raps hoch bleiben, könne die Landwirtschaft die höheren Düngemittelpreise betriebswirtschaftlich gut darstellen. Der Dünger sei jedenfalls bei den variablen Produktionskosten der mit Abstand teuerste Faktor.

Stickstoffdünger wird durch das Haber-Bosch-Verfahren gewonnen. Der Stickstoff wird dabei unter hohem Energieeinsatz der Luft entzogen. Methangas dient dabei sowohl als Rohstoff als auch als Energiequelle. Mit einem Anteil von ein bis drei Prozent am weltweiten Energiebedarf ist die Ammonikasynthese einer der größten industriellen Verbraucher fossiler Energie. Pro Tonne Ammoniak werden zwei Tonnen klimaschädliches Kohlendioxid freigesetzt.

Vor der industriellen Dünger-Produktion reicherten Landwirte ihre Böden durch die Dreifelderwirtschaft mit Stickstoff an, um ihre Erträge zu steigern. Vor allem Bohnen, Erbsen und andere Hülsenfrüchte binden Stickstoff auf natürliche Art. Diese Fruchtfolge und brachliegende Ackerflächen wurden durch den Einsatz von künstlichem Dünger obsolet.

Von: apa

Kommentare

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2 Kommentare auf "Preise für Stickstoffdünger gehen durch die Decke"


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vitus
vitus
Superredner
8 Tage 20 h

Egal wer, wo oder was, alles wir teurer und der Normalverdiener bleibt auf der Strecke, weil Gehaltsanpassung an die Inflation bleibt Wunschdenken!

Faktenchecker
8 Tage 17 h

Und der Dünger, was ist mit dem?

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