Österreicher nutzen leichtere Entschuldung des neuen Insolvenzrechts

Privatinsolvenzen in Österreich stark angestiegen

Dienstag, 31. Juli 2018 | 10:45 Uhr

Rechnungen türmen sich, Überweisungen können nicht mehr durchgeführt werden, der Schuldenberg wächst: Laut dem Gläubigerschutzverband Creditreform stieg die Zahl der Insolvenzen von Privatpersonen im ersten Halbjahr 2018 stark an. Das ist vor allem auch einer Rechtsänderung aus 2017 geschuldet: “Unsere Vorjahresprognosen wurden mehr als übertroffen”, so Creditreform-Chef Gerhard Weinhofer.

“Immer mehr Österreicher nutzen nun die schnellere und ‘billigere’ Entschuldung des neuen Privatinsolvenzrechts”, so der Gläubigerschützer. “Dadurch können Altlasten abgebaut und der Weg zurück in ein normales Konsumentenleben rascher gefunden werden.” Das sei des einen Freud` und des anderen Leid: Unternehmen sei zur Vorsicht zu raten, mit wem sie Geschäfte machen und ihre Leistungen besser abzusichern, so Weinhofer.

Die Zahl der eröffneten Schuldenregulierungsverfahren ist laut Gläubigerschütze in Österreich um 81,5 Prozent auf rund 5.500 Verfahren gestiegen. Das ist der höchste Stand seit Einführung der Privatinsolvenz 1995, hieß es in einer Aussendung am Dienstag. Abgewiesen wurden 620 Privatpleiten (plus 8 Prozent). Insgesamt gingen also mehr als 6.100 Menschen pleite.

“Da mehr ehemalige Selbstständige den Weg der erleichterten Entschuldung gehen, hat sich die Durchschnittsverschuldung ebenfalls stark erhöht und beträgt nun über 100.000 Euro”, so Weinhofer. “Hauptgläubiger sind Banken, Versicherungen, Mobilfunkbetreiber und Leasingunternehmen.”

Die Firmeninsolvenzen blieben im Vergleich zur Vorjahresperiode praktisch stabil: Insgesamt gingen 2.685 Firmen Pleite (minus 1 Prozent). Eröffnet wurden 1.578 Insolvenzverfahren (minus 2,4 Prozent) und mangels Masse abgewiesen wurden 1.107 Firmenpleiten (plus 1 Prozent).

Von: apa