Putin bei der Vertragsanpassung 2006 mit den Chefs von Mitsui (l.) und Shell (m.)

Putin drängt Ausland aus großem Öl- und Gasförderkonsortium

Freitag, 01. Juli 2022 | 14:35 Uhr

Kremlchef Wladimir Putin hat die Umregistrierung des milliardenschweren Öl- und Gasförderkonsortiums Sakhalin Energy angeordnet. Damit droht den ausländischen Aktionären Shell, Mitsui und Mitsubishi der Verlust ihrer Anteile. “Die russische Regierung erschafft eine russische GmbH, auf die (…) alle Rechte und Pflichten der Sakhalin Energy Investment Gesellschaft übergehen”, heißt es in dem Präsidentenerlass, der am Donnerstagabend veröffentlicht wurde.

Alle Eigentumsrechte des Joint Ventures werden damit an Russland übergeben. Die Altaktionäre – Gazprom (50 Prozent plus eine Aktie), Shell (27,5 Prozent minus eine Aktie), Mitsui (12,5 Prozent) und Mitsubishi (10 Prozent) – dürften sich an der noch zu bildenden Betreibergesellschaft beteiligen. Die Tageszeitung “Kommersant” nannte dies in ihrer Freitagsausgabe einen “Loyalitätstest”. Die Änderungen in der Eigentümerstruktur begründete Putin mit den westlichen Sanktionen, die eine Gefahr für das Weiterbestehen der Produktion darstellten.

Sollten sich die ausländischen Unternehmen weigern, sich an dem neuen Schema zu beteiligen, will die russische Regierung deren Anteile innerhalb von vier Monaten verkaufen, den Erlös aber auf ein Sperrkonto überweisen, an das die Unternehmen nicht herankommen.

Zudem soll die russische Regierung in dem Fall eine Prüfung der ausländischen Unternehmen durchführen, um wegen möglicher Umweltschäden in Russland Kompensationsforderungen zu erheben. Mit diesem Druckmittel hat Moskau schon 2006 die Aufnahme von Gazprom in das zuvor rein ausländische Konsortium durchgesetzt. Die Aktien der japanischen Konzerne Mitsui und Mitsubishi gaben am Freitag im frühen Handel wegen der Nachricht stark nach.

Kremlsprecher Dmitri Peskow widersprach am Freitag der These, dass es sich um einen Präzedenzfall für die Enteignung anderer ausländischer Unternehmen zugunsten des Staates handle.

Japan, das derzeit rund 9 Prozent seiner Gasimporte aus Russland bezieht, reagierte zunächst verhalten. “Wir müssen mit dem Betreiber kommunizieren und überlegen, wie wir reagieren”, sagte Regierungschef Fumio Kishida. Von Mitsui und Mitsubishi hieß es lediglich, man prüfe die Fakten. Shell teilte mit, man habe als Anteilseigner stets im besten Interesse von Sakhalin-2 gehandelt und in Übereinstimmung mit allen rechtlichen Vorschriften. Man sei sich der Verfügung bewusst und prüfe die Auswirkungen, so die Mitteilung weiter.

Sakhalin Energy fördert Öl und Gas vor der russischen Fernostinsel Sachalin. Zudem gehört dem Konsortium eine Gasverflüssigungsanlage (LNG). Nach eigenen Angaben hat das Unternehmen 2020 37,9 Millionen Barrel Öl und 11,6 Millionen Tonnen Flüssiggas verschifft.

Von: APA/dpa

Kommentare

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10 Kommentare auf "Putin drängt Ausland aus großem Öl- und Gasförderkonsortium"


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Grünschnabel
1 Monat 8 Tage

Habt ihr vor ein paar Tagen nicht noch alle ha hi ha ha gemacht wegen des ‘Staatsbankrotts Russlands? Warum lacht ihr jetzt nicht?
Und der Vorwurf der mangelnden Rechtssicherheit ist der Witz des Jahrhunderts, wo die USA rechts und links sanktionieren wie es ihnen passt, und das seit Jahren und ohne internationale Rechtsgrundlage!

Spiegel
Spiegel
Universalgelehrter
1 Monat 8 Tage

@botchan ja du hast Recht. Die Sanktionen werden Europa zerstören.

Einheimischer
Einheimischer
Superredner
1 Monat 8 Tage

Die Russen sollen den Mond besiedeln…

Doolin
Doolin
Kinig
1 Monat 8 Tage

…zuerst müssen sie ihn entnazifizieren…
😆

Look_at_Yourself
Look_at_Yourself
Universalgelehrter
1 Monat 8 Tage

Jeder ausländische Konzern soll es sich dreimal überlegen, ob er noch einmal in Russland investiert, da er wegen mangelnder Rechtssicherheit jederzeit sein Geld, sein Know How und seine Investitionsgüter verlieren kann.
Gerade bei Energie und Bergbau ist Russland auf “westliche” Technik angewiesen.

falschauer
1 Monat 8 Tage

putin spinnt definitiv, bricht vereinbarungen und gesetze und zahlt die anteile nicht einmal aus. sondern deponiert sie auf ein konto auf dem niemand zugriff hat 🙈

N. G.
N. G.
Kinig
1 Monat 8 Tage

Warum sollte das den Westen überraschen? Entweder hat man nicht daran gedacht oder man erntet jetzt was man gesät hat.

Spiegel
Spiegel
Universalgelehrter
1 Monat 8 Tage

@NG diesmal gebe ich dir Recht.

Offline1
Offline1
Kinig
1 Monat 8 Tage

…alle Rechte und PFLICHTEN !!!!!

Unioner
Unioner
Tratscher
1 Monat 8 Tage

War doch klar das Putin sein Tafelsilber behalten will und die Bodenschätze teuer verkaufen will. Zurück zum Sowjetischen System.

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