Südtirol Wirtschaftring diskutiert bevorstehende Energiewende

Qualität, Authentizität und gute Ausbildung

Samstag, 21. Mai 2022 | 10:58 Uhr

Bozen – Der Südtiroler Wirtschaftsring – Economics South Tyrol hat gestern seine Generalversammlung abgehalten. Hauptthema waren erneuerbaren Energien, ein Thema, das angesichts der steigenden Energiepreise und des seit Februar andauernden Krieges in der Ukraine aktueller ist denn je. Federico Giudiceandrea, der seit knapp einem Jahr Präsident des Südtiroler Wirtschaftsrings ist, sagte in seiner Rede: “Wir müssen uns bemühen, die Produktion von erneuerbaren Energien zu steigern, indem wir die Eigenschaften unseres Territoriums voll ausnutzen und die Fläche von Fotovoltaik-Paneelen vergrößern, ihre Installation fördern und die Bürokratie abbauen.” In diesem Zusammenhang wies er auch auf die Notwendigkeit hin, Energiegemeinschaften zu fördern. Damit würde der Austausch von Energie ohne Netzkosten zwischen Unternehmen ermöglicht. Auch das Restpotenzial der Wasserkraft wurde diskutiert. Federico Giudiceandrea betonte die Notwendigkeit, die Wasserkraftressourcen durch die Vergabe neuer Konzessionen und die Nutzung von Stauseen für die Bewässerung und Beschneiung zur Energieerzeugung in Zeiten hoher Nachfrage optimal zu nutzen.
Dr. David Moser, Koordinator der Forschungseinheit für Photovoltaiksystemen am Institut für Erneuerbare Energien von Eurac Research, ging in seinem Impulsreferat mit dem Titel “The Energy Transition: Turning Costs into Opportunities” auf die Wichtigkeit der Energiewende ein und erläuterte das große ungenutzte Potenzial von Photovoltaikanlagen in Südtirol und dem Rest von Italien. “Der Weg des IPCC-Szenarios, der Anstrengungen und Veränderungen erfordert, bietet jedoch die Möglichkeit, in Südtirol einen erheblichen Mehrwert zu schaffen, die Energieabhängigkeit Südtirols zu verringern und zu einer deutlichen Reduzierung der Emissionen und der Ausgaben für fossile Brennstoffe zu führen”, so der Experte für Photovoltaikanlagen von Eurac Research.

Dr. Ing. Walter Gostner sprach über das Restpotenzial der Wasserkraft durch Modernisierung und Sanierung bestehender Anlagen, die Mehrfachnutzung von Trinkwasser-, Bewässerungs-, Beschneiungs- und Abwasseranlagen und den Einsatz innovativer Technologien wie kinetische Turbinen oder Wasserräder. “Durch die Nutzung des Restpotenzials der Wasserkraft kann in Europa ein Zuwachs von 60-100 TWh angestrebt werden. Das sind im circa zwei Prozent der gesamten Stromproduktion und das zehnfache der Südtiroler Stromproduktion”, so Walter Gostner.
Der Präsident des Südtiroler Wirtschaftsrings, Federico Giudiceandrea, ging in seiner Rede auch auf die Nachhaltigkeitsstrategie des Landes “Everyday for Future” ein. “Das Dokument war ein lobenswerter erster Schritt, um Punkte für künftige Maßnahmen in allen Bereichen der Gesellschaft festzulegen”, sagte der Präsident. Der Präsident wies auch darauf hin, dass einige Maßnahmen bereits für Ende 2021 geplant und größtenteils umgesetzt worden seien, dass aber die schwierigen und herausfordernden Teile, wie die Reduzierung der CO2-Emissionen um fünf Tonnen pro Kopf bis 2030, gerade erst begonnen hätten. Das Thema ist komplex, das wurde in mehreren Gesprächen mit Klaus Egger, dem Nachhaltigkeitsbeauftragten, festgestellt. Als Unternehmer weiß ich, dass ich, um Fortschritte zu erzielen, in der Lage sein muss, mein Unternehmen zu messen, es mit Benchmarks zu vergleichen und messbare Indikatoren festzulegen, um eine Bestandsaufnahme zu machen”, so Federico Giudiceandrea, selbst Leiter eines internationalen Unternehmens. Es ist daher notwendig, die Zusammenarbeit zwischen den Wirtschaftssektoren und der öffentlichen Verwaltung zu intensivieren, damit die angewandten Methoden praktisch durchführbar und vergleichbar sind.

Ein weiteres wichtiges Thema, das der Präsident in seiner Rede ansprach, war die Überprüfung der Ausgaben im Zusammenhang mit dem Staatshaushalt, über die schon seit einiger Zeit diskutiert wurde und die ein für alle Mal geklärt werden musste. Leider sei in der Öffentlichkeit inzwischen der Eindruck entstanden, die Wirtschaft wolle den sozial schwachen Schichten etwas wegnehmen, betonte der Präsident in seiner Rede. “Nichts könnte falscher sein. Wir sind uns absolut bewusst, dass die öffentlichen Ausgaben unter anderem die sozial schwächeren Schichten unterstützen müssen, aber von den mehr als 600 Dienstleistungen, die die Provinz anbietet, geht ein Teil auch an diejenigen, die sie nicht brauchen, und wir sind überzeugt, dass viele dieser Dienstleistungen abgeschafft und/oder in Instrumente umgewandelt werden können, die dort ankommen, wo wirklich Bedarf besteht”, betont Federico Giudiceandrea.
“Um die oben genannten Ziele zu erreichen, ist eine gute Zusammenarbeit auf allen Ebenen und in allen Bereichen erforderlich. Wir als SWREA werden unser Bestes tun, um dieses Ziel im Namen aller Arbeitgeberorganisationen zu erreichen”, sagte Federico Giudiceandrea.

Landeshauptmann Arno Kompatscher, Landesrat Arnold Schuler und Landesrat Philipp Achammer, der krankheitsbedingt eine Videobotschaft übermittelte, betonten in ihren Grußworten die hohe Qualität und den Innovationsgeist vieler Südtiroler Unternehmen sowie deren große unternehmerische Leistungen in den letzten Jahren und insbesondere während der Pandemie. “Die bevorstehende Energiewende birgt neben vielen Herausforderungen auch große Chancen. Der Weitblick, die hohe Qualität und der Innovationsgeist vieler Südtiroler Unternehmen stimmen zuversichtlich. Das Land Südtirol unterstützt auch die kleinen und mittelständischen Unternehmen bei der Umstellung auf energiesparende Prozesse, um die Abhängigkeit von fossilen Brennstoffen signifikant zu verringern und die Wettbewerbsfähigkeit des gesamten Wirtschaftsstandorts Südtirol weiter zu verbessern.” meinte Landeshauptmann Arno Kompatscher.
Landesrat Philipp Achammer hob die “große unternehmerische Leistung” der Unternehmer*innen Südtirols in den vergangenen Jahren hervor und wies auf die aktuellen Herausforderungen hin. “Wir setzen auch zukünftig auf Qualität, Authentizität und auf gute Ausbildung. Das alles verschafft uns einen Vorsprung, den wir gerade jetzt brauchen”, betonte Landesrat Achammer. Zum Abschluss meint Achhammer: “Wir werden aktiv und verstärkt in Fachkräfte investieren. Hier braucht es eine gemeinsame Kraftanstrengung, wenn es mittel- und langfristig nicht zu einem Produktionsabbau kommen soll und wir zu einem Ort werden wollen, der qualifizierte Fachkräfte hält und anzieht, wo man gerne arbeiten und leben will.”

Von: sis

Bezirk: Bozen

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