„Wer über bezahlbaren Strom spricht, darf zu den Alternativen nicht schweigen“

Robin: Kosten für Politikversagen zahlen Verbraucher und Betriebe

Mittwoch, 05. Oktober 2022 | 11:41 Uhr

Margreid – Der Südtiroler Verbraucherschutzverein nimmt erneut zu den gesteigenen Stromkosten Stellung. „Entweder man hat hierzulande überhaupt nicht verstanden, in welche Falle man sich durch die Liberalisierung des Strom-Marktes gebracht hat, oder man hat dies sehr wohl verstanden, freut sich über den Selbstbedienungsladen und zeigt mit dem Finger auf andere, weit weg. Auf Seiten der Anhänger freier Märkte und der neoliberalen Schule herrscht ebenfalls nur ein sehr begrenztes Interesse, das Übel an der Wurzel zu packen. Nicht in Brüssel oder Rom und auch nicht in Bozen. Warum werden mit Energie Milliarden verdient? Warum werden Strom und Gas an Börsen gehandelt? Warum landet ein großer Teil unserer Strom- und Gasrechnungrechnungen in den Kassen renditeorientierter Unternehmen?“, fragt der Verbraucherschutzverein.

Energie sei die Blutbahn der Wirtschaft und der Haushalte und sollte der Spekulation, da zur Grundversorgung zählend, entzogen sein, fordern die Konsumentenschützer. Diese Fragen wolle man in der Öffentlichkeit lieber nicht stellen und die bestehenden marktkonformen Strukturen, kurzfristig, über Instrumente wie öffentliche Maßnahmen, sprich Geld der Steuerzahler retten. Statt die Spekulation mit einem Gemeingut zu bekämpfen, würden weitere Geldquellen gesucht, diese noch zu fördern. „Gewinne werden privatisiert, Verluste sozialisiert. Man kennt das ja“, so die Verbraucherschützer.

Inzwischen würden Verbraucher und Betriebe mit existenzbedrohlichen Herausforderungen kämpfen. Das Beispiel der 82-Jährigen die im Supermarkt stehlen muss, um über die Runden zu kommen, sei erst der Anfang. „Leider werden es viel mehr werden, daher ist ein Umdenken notwendig“, so der Verbraucherschutzverein.

Die Energieautonomie mittels einer eigenen Regulierungsbehörde sei sicherlich erstrebenswert, führe aber nicht automatisch zu günstigeren Preisen – vor allem nicht mit den derzeitigen Beteiligten. Günstigere Strompreise sind heute ohne jegliche Gesetzesänderung schon möglich. Auch in Südtirol seien dutzende Verbraucher und Betriebe, die Strom zu 7,7 Cent/kWh Energiekosten (gegenüber den aktuellen 53,4 Cent/kWh im Grundversorgungsdienst, Gesamtkosten 66 Cent/kWh) von einer wirklich „nachhaltigen“ Stromgenossenschaft beziehen, die keineswegs eine sogenannte „historische Genossenschaft“ ist, sondern eine ziemlich neue mit wenigen Jahren, und ihren die ihren Sitz nicht in Südtirol hat.

Doch im Hauptabendprogramm der Rai behauptet eine ganze Runde von gutbezahlten Politikern, Experten und Journalisten es braucht eine Loskoppelung vom Gasspreis und vom nationalen Stromsystem, um an günstigeren Strom zu kommen.

Dazu meint der Geschäftsführer des Verbraucherschutzvereins Robin, Walther Andreaus: „Das wirkliche Problem beim Südtiroler Strom besteht darin, dass sich eine ganze Garde an ‚Blutsaugern‘ am System laben. Das Gemeingut Wasser wird direkt oder indirekt für private Zwecke genutzt. Das müsste nicht sein. Man könnte heute schon, auch letzten Frühjahr als die Preise stark angezogen haben, mit den Mitteln die die Südtiroler Politik zur Verfügung hat, eine Genossenschaft gründen und mit entsprechenden Anpassungen an die derzeitigen Regeln günstigen Strom an die Mitglieder verteilen. Es fehlt einzig und allein der politische Wille, warum auch immer. Inzwischen versucht man den edlen ‚Blutspender‘ Südtiroler Stromsystem über die Runden zu retten. Denn für viele Verantwortliche halten sich die Belastungen in Grenzen, die Kosten für das Politikversagen zahlen VerbraucherInnen und Betriebe durch soziale Härten, unbezahlbare Rechnungen, Zerrüttung der finanziellen Haushalte, Produktionsausfällen, Schließungen. Und die SteuerzahlerInnen, jetzt und in Zukunft.“

Thomas A. Edison, Erfinder der Glühbirne, prophezeite im Jahr 1880, dass „Elektrizität bald so billig sein wird, dass sich nur noch die Reichen Kerzen leisten werden können“. Für das Südtiroler Stromsystem sei die Prophezeihung nicht eingetroffen. Hier sei das Gemeingut Strom zu einem Luxusgut verkommen. In Innsbruck zahle man 20,7 Cent/kWh, erklärt Andreaus.

Von: mk

Bezirk: Überetsch/Unterland

Kommentare

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25 Kommentare auf "Robin: Kosten für Politikversagen zahlen Verbraucher und Betriebe"


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Oracle
Oracle
Universalgelehrter
1 Monat 27 Tage

Naja, zum Teil purer Populismus,… im Nachhein sehr einfach zu kritisieren, …. Coronapandemie und der Ukrainekrieg waren nicht vorauszusehen, diese haben die heutige Situation verursacht.. zum Heimholen des Strom sollte man bedenken, dass die Übernahme der Kraftwerke durch Alperia nicht gratis war, sondern 100te Mio € gekostet hat, diese müssen langfristig auch bezahlt werden! Die ganzen Marktschreier der STF, der Freiheitlichen, dieses Vereines blenden dies einfach aus….

Sun
Sun
Universalgelehrter
1 Monat 27 Tage

@oracle Dieses Schreiben ist vom Verbraucherschutz und vertritt keine politische Interessen.
Andreaus hat vollkommen recht, die Bevölkerung soll sich diese Abzocke nicht gefallen lassen.

primetime
primetime
Kinig
1 Monat 27 Tage

Die Steigerung der Energiepreise wurden bereits Sommer 2020 angekündigt und Oktober/November ist das eingetroffen. Da hat noch niemand was vom Krieg gewusst.
Das ist alles hausgemacht wegen Spekulationen an der Börse und weil man Verluste während der Pandemie ammortisieren möchte mit den aktuellen Mehreinnahmen

Tina1
Tina1
Superredner
1 Monat 27 Tage

Oracle was hat die Ukraine mit unsrem Strom zu tum? Italien bezieht nur 40% Gas aus Russland. Und mit den Preisen hat Alperia diese 100 Mio schon längst eingsackelt

alles wird gut
1 Monat 27 Tage

Arbeiten Sie für Alperia?

traktor
traktor
Kinig
1 Monat 27 Tage

oracel#
alperia darf nur einen kleinen teil des strompreises behalten um damit umweltgelder, gehälter und investitionen zu bezahlen! den grossen kuchen schöpft der staat einfach ab! legaler diebstahl! das produzieren unserer elektrischer energie kostet gleich viel wie vir krieg und pandemie! jetzt finde den fehler

Superredner
1 Monat 27 Tage

@Oracle bist du zufälligerweise Aktionär bei der Brenner Autobahn oder der Alperia, man hört von dir immer nur Einwürfe, als wärst du der Nutznießer einer bestimmten Partei und deren Aktionen. Die Übernahme war nicht gratis? Der Staat hat es doch verkauft, weil man die Infrastrukturkosten, für so eine wenig urbanisierte Gegend, wenn möglich nicht übernehmen wollte. Jetzt muss das Land zahlen, um die staatlichen Auflagen zu erfüllen. Speziell in den Seitentäler hätte Italien bzw. die Enel 100 Mio. in die Infrastruktur investieren müssen, jetzt muss es direkt der südtiroler Steuerzahler.

alles wird gut
1 Monat 27 Tage

@traktor sollte dies stimmen dass der staat so viel abschöpft, wäre die theorie so einfach…. strom billiger machen=weniger gewinne=weniger dem Staat geben=gewinner der verbraucher=imagegewinn für Alperia….. einfach oder???

traktor
traktor
Kinig
1 Monat 27 Tage

@alles wird gut
klingt gut, das problem ist das der staat die hand aufhaltet- er verzichtet aktuell an der schweinerei

OH
OH
Superredner
1 Monat 26 Tage

Wo haben denn Krieg in der Ukraine ( weit weg) und die C-Pandemie etwas beeinflusst ????
Während der Pandemie liefen die Kraftwerke nicht anders als vorher, UND die ersten verdoppelten Rechnungen kamen Ende Dezember/ Anfang Januar !!! Da gab es auch keinen Krieg in der Ukraine !!!!! Bist Du auch schon auf die mediale Gehirnwäsche reingefallen ???

OH
OH
Superredner
1 Monat 26 Tage

@primetime Ist zum Teil richtig ! , aber während der Pandemie liefen die Kraftwerke nicht anders als vorher !!!;

OH
OH
Superredner
1 Monat 26 Tage

@Tina1 Alperia ist zwar ein Südtiroler Unternehmen aber ist nicht ausschließlich für die Südtiroler da. Für denen ist es egal wohin der Strom geht oder fließt, Hauptsache es klingelt heftigem Geldbeutel !!

Eros_R
Eros_R
Neuling
1 Monat 27 Tage

Kann das mal jemand dem Kompatscher erklären, weil der hat sich in der Sendung “Am runden Tisch” um Kopf und Kragen geredet. Das sei alles nicht so einfach, hieß es. Mir hingegen kommt auch vor, es scheitert nur am (politischen} Willen.

Neumi
Neumi
Kinig
1 Monat 27 Tage

… und das zumindest europaweit! Niemand, wirklich kein einziger regierender Politiker, hat ein Interesse daran, den Schlamassel zu richten.

So sig holt is
So sig holt is
Universalgelehrter
1 Monat 27 Tage

do hoben sie glott Recht! “Gewinne werden privatisiert, Verluste sozialisiert”… so schaugs aus do konn sich es lond jeds mol fein es beste aussuchen wos grod besser geat und zohlen tuat sowieso olm dor kluane… des isch kuane freie Marktwirtschaft, des isch a riesen Schweinerei!!!

gutergeist
gutergeist
Tratscher
1 Monat 27 Tage

Da sagt doch mal einer was beim Strom abläuft. Bei allem was den Bürgern zugute kommen sollte, verhindern Land und Lobby’s mit gewissen Vorschriften alles mögliche, nur um ihre Taschen zu füllen. Dasselbe bei den Photovoltaikanlagen. Unsere Politik schaut schon lange nicht mehr auf die Bevölkerung.

wellen
wellen
Universalgelehrter
1 Monat 27 Tage

Danke Herr Andreaus, endlich eine Erklärung, was da schiefläuft. Danke. Konsequenz: SVP abwählen, die sind in Partikularinteressrn verwickelt und tun nix.

Rudolfo
Rudolfo
Universalgelehrter
1 Monat 27 Tage

@wellen….das mit dem “SVP Abwählen” hat ja schon Ende September “bestens”🙈 geklappt…

Rudolfo
Rudolfo
Universalgelehrter
1 Monat 27 Tage

Die SVP geführten Landesregierungen versagen seit Jahrzehnten in Sachen Energieversorgung für Südtirol. Dass sich Südtirol komplett mit dem im eigenen Landl produzierten Strom versorgen könnte, ist hinlänglich bekannt. Dass aber Südtirol zu Italien gehört, auch. Wenn schon Südtiroler Strom aus Solidarität in andere Landesteile Italiens, die keinen eigenen Strom produzieren (können) geliefert werden muss, dann doch nur in einem Umfang, der der Erzeugerprovinz keine explodierenden Preise beschert….

Zugspitze947
1 Monat 26 Tage

Rudolf: das wäre im Mafiösen Italia zu einfach ! Der Fleissige muss da immer für den Faulen bezahlen 🙁 Bis 2011 bekam Südtirol keinen CENT für den vielen Strom der im Land gefördert wurde und auch seither nur 40 % 🙁

OrB
OrB
Kinig
1 Monat 27 Tage

Blutsauger isch genau der richtige Ausdruck!

Plodra
Plodra
Grünschnabel
1 Monat 27 Tage

Mal schauen, ob sich wer zuständig ist auch rührt…sonst wird das ein harter Winter!

So ist das
1 Monat 27 Tage

…Inzwischen würden Verbraucher und Betriebe mit existenzbedrohlichen Herausforderungen kämpfen…

Als würde das die Politiker interessieren, bis jetzt jedenfalls sehr wenig.
Wenn sich was tut, dann wohl wegen den anstehenden Wahlen im nächsten Jahr 🤔

Pasta Madre
Pasta Madre
Grünschnabel
1 Monat 27 Tage

Warum werden mit Energie Milliarden verdient? Warum werden Strom und Gas an Börsen gehandelt? Warum landet ein großer Teil unserer Strom- und Gasrechnungrechnungen in den Kassen renditeorientierter Unternehmen?“, fragt der Verbraucherschutzverein.
Das ist das grösste Übel. Die Börse.
Totales Politiker versagen.

ieztuets
ieztuets
Superredner
1 Monat 26 Tage

Und wieso kostet der Strom in insren Mutterlond lei a Drittel plus hobn dert die Hausholte no an Bonus von 500€! gekrieg… bodenlose Sauerei!

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