"Stabile Regierung ist nötig"

Robustes Wachstum in Spanien trotz Politik-Patt

Donnerstag, 01. September 2016 | 16:05 Uhr

Trotz politischer Turbulenzen rechnet Wirtschaftsminister Luis de Guindos heuer mit einer robusten Konjunktur in Spanien. Das 2015 erzielte Wachstum dürfte in etwa wieder erreicht werden, sagte de Guindos am Donnerstag. Die Regierung rechnet bisher noch mit einem Anstieg des Bruttoinlandsproduktes von 2,9 Prozent, nach 3,2 Prozent 2015.

Allerdings sei eine stabile Regierung nötig, um die Haushaltsziele im kommenden Jahr zu erreichen. Der amtierende Ministerpräsident Mariano Rajoy hat am Mittwoch wie erwartet eine Vertrauensabstimmung im Parlament verloren. Dem Konservativen fehlten sechs Stimmen. Ihm war es nicht gelungen, genügend Unterstützer in den Reihen der Opposition zu gewinnen. Angesichts der unklaren Machtverhältnisse könnte das Land auf die dritte Wahl binnen eines Jahres zusteuern.

Die politische Unsicherheit schlägt sich auch auf dem Finanzmarkt nieder. So stiegen die Zinsen für eine zehnjährige Staatsanleihe vorübergehend auf 1,05 Prozent und damit auf den höchsten Stand seit rund einem Monat. Später ging es etwas bergab, als die spanische Regierung bei einer Emission erfolgreich Bonds im Volumen von 4,5 Mrd. Euro verkaufte.

Die Finanzmärkte beobachten aber gespannt die weitere politische Entwicklung. Der Ausgang des Votums vom Mittwoch sei zwar nicht überraschend gewesen, sagte Commerzbank-Zinsstratege David Schnautz. “Aber es gibt trotzdem das Gefühl von zerschlagener Hoffnung, dass man keine Einigung geschafft hat.” Analyst Ciaran O’Hagan von der Societe Generale geht von einem Last-Minute-Deal aus, da dies für alle Parteien sinnvoll sei. “Es ist riskant für sie, die Wähler nochmals an die Urne zu lassen.”

Wegen unklarer Machtverhältnisse in Spanien haben sich Anleger am Donnerstag von Anleihen des Landes getrennt. Dies trieb die Rendite der zehnjährigen Titel zeitweise auf ein Vier-Wochen-Hoch von 1,048 Prozent. Ende vergangener Woche hatten sie noch bei 0,916 Prozent rentiert.

Von: APA/Reuters

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