Russische Wirtschaft von Sanktionen schwer getroffen

Russland für Fitch “unmittelbar vor Zahlungsausfall”

Mittwoch, 09. März 2022 | 08:51 Uhr

Die Ratingagentur Fitch hat Russlands Bonitätsnote erneut gesenkt. Das Unternehmen stufte die Kreditwürdigkeit am Dienstag von “B” auf “C” noch tiefer in den sogenannten Ramschbereich ab, der hochriskante Anlagen kennzeichnen soll. Die Ratingnote bedeute nun, dass ein Zahlungsausfall unmittelbar bevorstehen dürfte, teilte Fitch mit. Die Bonitätswächter begründeten die Einschätzung mit gestiegenen Zweifeln an Russlands Zahlungsbereitschaft.

Durch die Sanktionen wegen Russlands Angriffskriegs gegen die Ukraine seien die Möglichkeiten, Schulden bei internationalen Gläubigern zu bezahlen, ohnehin eingeschränkt. Auch die zwei anderen großen Ratingagenturen S&P und Moody’s hatten Russlands Bonität zuletzt noch tiefer in den Ramschbereich gesenkt. Eigentlich ist Russlands Staatskasse gut gefüllt. Als kritisch gilt jedoch besonders der durch die Sanktionen stark begrenzte Zugriff auf Währungsreserven. Sollte die Warnung der Ratingagentur Realität werden, wäre es der erste Zahlungsausfall Russlands seit 1998.

Die großen Ratingagenturen hatten Russlands Bonität bereits Anfang März auf Ramschniveau abgesenkt. Je niedriger das Rating, desto weniger vertrauen die Kreditgeber dem Land und desto weniger kann es sich Geld zu günstigen Zinssätzen leihen.

Fitch begründete seine Entscheidung mit einem am vergangenen Wochenende unterzeichneten Präsidialerlass, der es Russland erlauben könnte, Gläubiger bestimmter Länder in Rubel statt in Fremdwährung zu bezahlen. Die Liste der Länder umfasst unter anderem die Länder der Europäischen Union, Australien, Großbritannien, Kanada, Südkorea, die Schweiz, Japan und die USA. Die Agentur erwähnte auch eine Entscheidung der russischen Zentralbank, die Übertragung bestimmter Anleihen an nicht in Russland Ansässige zu beschränken.

“Allgemeiner betrachtet erhöhen die Verschärfung der Sanktionen und Vorschläge, die den Energiehandel einschränken könnten, die Wahrscheinlichkeit einer politischen Reaktion Russlands, die zumindest eine selektive Nichtbezahlung seiner Staatsanleihen beinhaltet”, erklärte Fitch.

Damit verwies die Ratingagentur auf das am Dienstag verkündete Importverbot der USA für Erdöl und Gas aus Russland. Auch Großbritannien hatte angekündigt, Energieimporte aus Russland auslaufen zu lassen. Russland hatte gewarnt, dass die Ausweitung der Sanktionen auf den Energiesektor “katastrophale Konsequenzen” haben würden.

Der Westen hatte Russland wegen dessen Angriffskriegs in der Ukraine bereits mit harten Finanzsanktionen belegt und der russischen Zentralbank den Zugriff auf den größten Teil seiner riesigen Devisenreserven im Ausland blockiert. Russland wurde auch vom Swift-Zahlungssystem ausgeschlossen, was Geldtransfers schwieriger macht.

Am Dienstagabend hatte die russische Zentralbank den Devisenhandel in Russland bis 9. September ausgesetzt, um die extreme Abwertung des Rubel und die Kapitalflucht aus dem Land zu bremsen. Außerdem wurden Abhebungen von Bargeld aus Fremdwährungskonten bei russischen Banken auf 10.000 Dollar (9.171 Euro) beschränkt. Ausländische Währungen können jedoch weiterhin in Rubel umgetauscht werden.

Der Rubel hatte am Montag ein neues Allzeittief gegenüber westlichen Währungen erreicht. Die russische Währung hat seit Jahresbeginn mehr als 45 Prozent an Wert verloren.

Von: APA/dpa/AFP

Kommentare
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Tigre.di.montana
Tigre.di.montana
Superredner
2 Monate 19 Tage

Wer als Sparer also russische Staatsanleihen in Euro hatte, soll jetzt in Rubel ausgezahlt werden? Eine vertrauensbildende Massnahme. Dies würde als vollständiger Zahlungsausfall gewertet.

Scarface
Scarface
Grünschnabel
2 Monate 18 Tage

Russlands Schulden betragen lächerliche16% des BIP. Nur in 2021 hat der Staat 120 Mrd Dollar aus Steuern auf Gasexporte eingenommen (BIP = 1500 Mrd). Die Dollar Reserven betragen 500 Mrd, jene in Gold 123 Mrd.. Wir werden sehen, wer wann zahlungsunfähig wird.

Doolin
Doolin
Kinig
2 Monate 18 Tage

…musst nur hoffen, nichts dorthin geliefert zu haben, sonst kannst dein Guthaben abschreiben…

ischJOwurscht
ischJOwurscht
Universalgelehrter
2 Monate 18 Tage

Scarface@

Es tut mir leid für dich aber das sind nun mal die Fakten!

Bei den Amerikanern und deren Freunden zählen nur die alternativen Fakten.

Ich kann mich noch vor ein paar Jahren errinern, da war Griechenland Pleite obwohl Griechenland weniger Schulden immer im Vergleich zu den Amerikanern hatte.
Die Amerikaner hatten aber noch immer ein Top Rating von AA oder AAA.
Vielleicht kann das jemand den Griechen erklären?
Ach ja, wenn jemand etwas gegen Amerika sagt, da könnten gleich Bomben regnen.

Faktenchecker
2 Monate 19 Tage

Die Oligarchen werden not amused sein und Putin nach Sibirien schicken.

ischJOwurscht
ischJOwurscht
Universalgelehrter
2 Monate 19 Tage

Ich halte diese amerikanischen Rating Agenturen sowieso für Ramsch.

Kann sich noch irgendjemand an Calisto Tanti errinern, nein? Das ist der von Parmalat, der hatte sehr gut Ratings, am Tag darauf war der Konzern faktisch Zahlungsunfähig bzw. Pleite!

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