Das Russland-Engagement der Bank dürfte schuld sein

Russland-Sanktionen treffen Finanzmärkte in Moskau und Wien

Montag, 09. April 2018 | 20:52 Uhr

Die Verschärfung der US-Sanktionen gegen Russland hat Investoren an den Finanzmärkten in Moskau verschreckt. Die neuen Strafen setzten auch die Wiener Börse sowie vereinzelt auch Papiere in der Schweiz und Deutschland massiv unter Druck.

Die USA hatten am Freitagnachmittag Strafmaßnahmen gegen sieben Russen und zwölf ihrer Firmen wegen Einmischung in den US-Präsidentschaftswahlkampf 2016 verhängt. Die Nachricht schlug aber erst zum Wochenauftakt mit voller Wucht auf die Finanzmärkte durch.

Anleger in Moskau flohen in Scharen aus russischen Aktien und dem Rubel. Der Index für die in Dollar gelisteten Standardwerte stürzte zum Wochenauftakt um mehr als elf Prozent ab. Der Rubel wertete um knapp vier Prozent zum Dollar ab. Ein Dollar kostete mit rund 60 Rubel so viel wie seit Jänner 2015 nicht mehr.

Zu den Betroffenen zählen der Industriemagnat Oleg Deripaska, zu dem der Aluminiumkonzern Rusal gehört und der beim österreichischen Baukonzern Strabag eine Sperrminorität hält, sowie der Abgeordnete Suleiman Kerimow, dessen Familie den größten russischen Gold-Produzenten Polyus kontrolliert. Polyus verloren gut 17 Prozent ab, Rusal stürzten zeitweise um knapp die Hälfte ihres Wertes ab.

Die russische Regierung teilte daraufhin mit, Unternehmen vor den Folgen der neuen US-Sanktionen schützen zu wollen. Ministerpräsident Dmitri Medwedew wies sein Kabinett an, Maßnahmen dazu vorzubereiten. Kreml-Sprecher Dmitri Peskow sagte, man brauche Zeit, um die Folgen der Strafmaßnahmen zu analysieren. Die Regierung beobachte die Entwicklung an den Märkten sehr aufmerksam.

An der Wiener Börse fiel der Leitindex ATX um 2,4 Prozent auf 3.368,93 Zähler und damit deutlich stärker als die meisten anderen europäischen Indizes. Hauptgrund für den Einbruch ist der Absturz der Aktien der Raiffeisenbank International (RBI) um 11,7 Prozent. Damit notiert die Aktie derzeit auf dem tiefsten Stand seit August des vergangenen Jahres.

In der Schweiz gingen die Aktien des Industriekonzerns Sulzer und weiterer Unternehmen, an denen der russische Oligarch Viktor Vekselberg namhaft beteiligt ist, auf Talfahrt. Im Visier der Amerikaner stehen auch Gesellschaften, an denen die Oligarchen die Mehrheit halten. Dazu gehört Sulzer. Der Winterthurer Konzern vereinbarte deshalb über das Wochenende, eigene Aktien von Vekselbergs Renova zu kaufen, sodass der Anteil der Beteiligungsgesellschaft an Sulzer unter 50 Prozent fällt. Dennoch brachen die Sulzer-Aktien 16 Prozent ein.

“Viele Marktteilnehmer haben Angst, dass die drohenden Sanktionen das Geschäft der Vekselberg-Firmen negativ beeinflussen werden”, sagte ein Händler. Im Zuge der Sanktionen werden die Vermögenswerte der Wirtschaftsmagnate und 17 weiterer hochrangiger Regierungsvertreter in den USA eingefroren. Gleichzeitig untersagt die Regierung Amerikanern allgemein, Geschäft mit ihnen zu machen. Einem Rechtsexperten zufolge dürften etwa die meisten westlichen Banken davor zurückscheuen, den betroffenen Firmen bei der Kapitalaufnahme zu helfen. Händler erklärten, es sei unklar, wie sich Banken und Kunden auch bei den nicht direkt mit den Sanktionen belegten Firmen verhalten würden.

In Frankfurt gerieten die Anteilsscheine von Metro unter die Räder. Die im MDax gelisteten Papiere verloren 2,2 Prozent. Der Handelsriese hat seit langem mit einem schwächelnden Russland-Geschäft zu kämpfen.

Von: apa