Urteil möglicherweise bis Jänner 2018

Samsung-Erbe legte Berufung gegen Korruptionsurteil ein

Montag, 28. August 2017 | 13:50 Uhr

Nach seiner Verurteilung zu einer fünfjährigen Haftstrafe hat der Erbe des südkoreanischen Samsung-Imperiums, Lee Jae Yong, Berufung eingelegt. Sein Anwalt legte am Montag Widerspruch ein, wie das zentrale Bezirksgericht in Seoul auf seiner Website mitteilte. Auch die Staatsanwaltschaft hatte angekündigt, in Berufung zu gehen. Sie hatte zwölf Jahre Haft für den Großunternehmer gefordert.

Nach koreanischem Recht kann ein Angeklagter vier Monate in Haft bleiben, während der Antrag geprüft wird. Das Berufungsgericht dürfte daher bis Jänner 2018 ein Urteil fällen.

Der 49-jährige Lee war am Freitag unter anderem wegen Bestechung, Unterschlagung von Gesellschaftsvermögen und Meineids schuldig gesprochen worden. Das Verfahren gegen Lee steht in Zusammenhang mit der Korruptionsaffäre um Südkoreas frühere Präsidentin Park Geun Hye.

Lee wurde wegen Korruption zu einer Haftstrafe von fünf Jahren verurteilt. Nach Ansicht des Gerichts hat der Enkel des Firmengründers versucht, sich mit Schmiergeldzahlungen die politische Unterstützung der früheren Präsidentin Park Geun Hye zu sichern. Lee bestritt vor Gericht jegliches Fehlverhalten. Das Urteil könnte die Rolle der großen Unternehmer-Dynastien in Südkoreas Gesellschaft neu bestimmen.

Das Gericht stellte fest, dass Lee Schmiergeld in Millionenhöhe gezahlt habe, um die Zustimmung der Regierung zu einer wichtigen Fusion innerhalb der Samsung-Gruppe zu bekommen. Damit sollte die Kontrolle der Familie über den Mischkonzern gesichert werden. Außerdem wurde Lee wegen Veruntreuung, Meineids und wegen Versteckens von Vermögen im Ausland verurteilt. Die Staatsanwaltschaft hatte zwölf Jahre Haft gefordert.

Lee Jae Yong ist der einzige Sohn von Samsung-Chef Lee Kun Hee. Seit dessen Herzinfarkt 2014 nahm Lee Jae Yong die wichtigsten Führungsaufgaben im Unternehmen wahr. Der Mischkonzern Samsung Electronics, unter anderem größter Smartphone-Hersteller der Welt, ist für ein Fünftel der südkoreanischen Wirtschaftsleistung verantwortlich.

An der Börse mussten Samsung-Aktien am Montag die Folgen des Urteils verdauen. Zudem warnten die Ratingagenturen Fitch und S&P, dass bei einem länger dauernden Führungsvakuum strategische Entscheidungen auf die lange Bank geschoben werden könnten und damit das Unternehmen an Wettbewerbsfähigkeit verliere. Aktien von Samsung Electronics schlossen zwei Prozent niedriger. Der Leitindex Kospi gab 0,35 Prozent nach. Die Anteile der de facto Samsung-Holding Samsung C&T fielen um 3,4 Prozent. Samsung Life Insurance gaben 2,9 Prozent nach. Zu Samsung gehören neben dem Kernunternehmen Samsung Electronics unter anderem auch Versicherer, Werften, Bauunternehmen, eine Modefirma und Hotels.

Von: APA/ag.