Der russische Milliardär Oled Deripaska

Sanktionen gegen Deripaska dürften weltweit Wellen schlagen

Samstag, 07. April 2018 | 07:33 Uhr

Die Entscheidung der US-Regierung, den russischen Oligarchen Oleg Deripaska auf die Sanktionenliste zu setzen, dürfte weltweit Wellen schlagen. Denn Deripaskas Wirtschaftsimperium hat globale Verzweigungen und zählt wichtige Großfirmen zu seinen Partnern. Unter anderem hält Deripaska eine Sperrminorität am österreichischen Baukonzern Strabag.

Washington hat sieben russische Oligarchen, zwölf ihrer Firmen und 17 hochrangige Funktionäre der russischen Regierung mit Sanktionen belegt und ihnen vorgeworfen, von “bösen Aktivitäten” des russischen Staates weltweit zu profitieren.

Deripaska, dessen Vermögen von Forbes auf 6,7 Mrd. Dollar (5,5 Mrd. Euro) geschätzt wird, ist Haupteigentümer des Konzerns EN+, der Anteile an zwei der weltweit größten Metallproduzenten, Rusal und Nornickel hält. Die in Hongkong börsennotierte Rusal ist einer der größten Aluminiumhersteller der Welt. Zehn Prozent der Produktion werden in die USA ausgeführt. Investitionen gibt es in Italien, Irland, Schweden, Nigeria, Guyana und Guinea. Außerdem hält Rusal eine Beteiligung an dem australischen Aluminiumverarbeiter QAL.

Nornickel wiederum hat Investitionen in Finnland, Australien und Südafrika, wo es 50 Prozent an der Nickelkonzentrat-Produktion Norilsk Nickel Nkomati hält.

Aber Probleme könnte es auch für Partnerfirmen wie VW oder Glencore geben. Das US-Finanzministerium gab bekannt, US-Firmen würde “generell verboten, Geschäfte mit” Personen und Firmen auf der Sanktionenliste zu machen. Auch Firmen außerhalb der USA könnten mit Sanktionen belegt werden, wenn sie wissentlich signifikante Transaktionen für oder im Namen von sanktionierten Einheiten ermöglichen.

VW hat eine gemeinsame Fabrik mit dem russischen Autohersteller GAZ, der eine Tochter der Deripaska-Firma Basic Element ist, die am Freitag ebenfalls mit Sanktionen belegt wurde. Bis 2025 ist dort die Produktion von Fahrzeugen der VW-Gruppe vereinbart. Zuletzt hatte es geheißen, VW überlege, sich an GAZ zu beteiligen.

Der in der Schweiz beheimatete Rohstoffhändler Glencore wiederum hält Anteile an Rusal und soll überlegen, seine Anteile auf die neue Deripaska-Holding EN+ zu übertragen. Glencore, aber auch Toyota und Rio Tinto Alcan gehören zu den größten Kunden von Rusal.

Deripaska hat im Laufe seiner Karriere zahlreiche Vernetzungen zum Kreml und den russischen Behörden aufgebaut. Er trifft sich regelmäßig mit dem russischen Präsidenten Wladimir Putin, er hat groß in die Infrastruktur für die Winterspiele in Sotchi investiert und hat selber gesagt, seine Interessen seien nicht von den staatlichen Interessen zu trennen.

Die Mutter von Deripaskas Kindern, Polina, ist die Tochter von Walentin Yumaschew, der Stabschef des früheren russischen Präsidenten Boris Jelzin war. Yumaschew heiratete später Jeltsins Tochter, Tatjana Borissowna Yumaschewa – die laut Medienberichten die österreichische Staatsbürgerschaft erhielt. Jelzin wiederum ebnete Putin den Weg zur Macht.

Deripaska selber bezeichnete die Entscheidung der USA “bedauerlich, aber nicht unerwartet”. Sanktionen gegen ihn zu verhängen sei “unbegründet, lächerlich und absurd”.

Von: APA/ag.