Kritik an Blockabfertigung beim "Brenner-Gipfel"

Schiene soll deutsch-österreichischen Brenner-Streit lösen

Dienstag, 06. Februar 2018 | 06:45 Uhr

“Wir halten die Blockabfertigung nicht für Rechtens”, sagte Bayerns Innen- und Verkehrsminister Joachim Herrmann (CSU). Tirols Landeshauptmann Günther Platter (ÖVP) kündigte dennoch weitere Maßnahmen dieser Art an, die man rechtzeitig vorher ankündigen werde. Durch die Blockabfertigungen habe Tirol “Bewegung in die Transitdebatte” gebracht, betonte der Landeshauptmann.

Auch ohne den Brenner-Basistunnel, dessen Fertigstellung 2027 geplant ist, gebe es auf der Brenner-Bahn noch erhebliche Kapazitäten, sagte Österreichs Verkehrsminister Norbert Hofer (FPÖ) nach dem “Brenner-Gipfel” in München. Man habe darauf verzichtet, rechtspolitische Standpunkte auszutauschen, sondern wolle die Blockabfertigungen “überflüssig” machen, sagte der deutsche geschäftsführende Verkehrsminister Christian Schmidt (CSU). Es sei “eigenartig”, dass die bestehenden Gütertransportkapazitäten auf der Bahn nicht genutzt würden. Die “Rollende Landstraße” ab Regensburg über den Brenner sei sogar eingestellt worden.

Schon jetzt könne die Brenner-Zulaufstrecke auf bayerischer Seite doppelt so viele Güterzüge pro Tag aufnehmen als die etwa 100 derzeit, sagte Bayerns Verkehrsminister Herrmann. Nur die bisher zu hohen Kosten des Schienentransports verhinderten eine stärkere Nutzung der Bahn. Die Bundesregierung ist nach den Worten Schmidts bereit, im Rahmen ihrer Möglichkeiten “finanzielle Beiträge” zu leisten, um den Güterverkehrs auf der Schiene über den Brenner attraktiver zu machen.

Daran wollen die Teilnehmer des “Brenner-Gipfel” bis zur nächsten Zusammenkunft im Mai in Innsbruck vor allem arbeiten. Dort sollen dann konkrete Maßnahmen, die in der Zwischenzeit von länderübergreifenden Arbeitsgruppen entworfen werden, beschlossen werden. Auf jeden Fall könne man nicht warten, bis der Brenner-Basis-Tunnel fertig ist, sagte Italiens Verkehrsminister Graziano Delrio. Künftig solle es mindestens einmal pro Jahr einen “Brenner-Gipfel” geben, kündigte EU-Verkehrskommissar Pat Cox an, der die Veranstaltung moderierte.

Während in allen drei beteiligten Ländern staatliche Zuschüsse zur Förderung des Schienentransports erwogen oder schon beschlossen wurden, gab es in der Frage einer höheren Brenner-Straßenmaut für Lkw keine Einigung. Der Lkw-Transit durch die Schweiz koste 225 Euro, der über den Brenner nur 100 Euro, rechnete Österreichs Verkehrsminister Hofer vor. Doch eine gemeinsame höhere Brenner-Maut von München bis Verona stößt in Deutschland auf Skepsis. Man habe vom Bodensee bis Rügen einheitliche Lkw-Mautsysteme, sagte Bayerns Verkehrsminister Herrmann am Rande der Konferenz. Es sei wenig wahrscheinlich, dass man nur für die Inntal-Autobahn einen Sondertarif einführe.

LPA/Dominik Holzer

Angesichts der mehr als 11 Millionen Fahrzeuge und der über 2,3 Millionen LKW, die im vergangenen Jahr über den Brenner gefahren sind, und der zunehmenden Verkehrsbelasstung, der Bevölkerung und Umwelt ausgesetzt sind, hatten die Länder der Europaregion Tirol-Südtirol- Trentino im Vorfeld des Gipfels einen Schulterschluss vollzogen: In einem gemeinsamen Strategiepapier hatten sie ein nachhaltiges Verkehrsmanagement auf der Brennerachse gefordert, mit weniger Umwegverkehr, mehr Verkehrssicherheit und der Verlagerung des Schwerverkehrs auf die Schiene. Zudem hatten die Länder ihre jeweiligen Positionen in einem Dokument zusammengefasst und der EU-Kommission übermittelt.

“Die Belastungsgrenze ist erreicht. Zum Schutz von Gesundheit und Umwelt sind wirksam abgestimmte Maßnahmen unerlässlich, auch um die Sicherheit auf der Straße zu garantieren”, betonte Südtriols Landeshauptmann und Präsident der Europregion, Arno Kompatscher. “Der BBT soll zwar längerfristig eine Entlastung und eine Verlagerung auf die Schiene bringen, aber wir benötigen neben dieser langfristigen Maßnahme, kurz- und mittelfristige, um das Verkehrsaufkommen zu verringern, den Transit-Umwegverkehr zu vermeiden und den Güterverkehr so weit als möglich auf die Schiene zu verlagern”, umriss Landeshauptmann Kompatscher heute die gemeinsame Position der Europaregion. Umweltlandesrat Richard Theiner, der heute in München ebenfalls mit dabei war, erklärte, es sei alles eine Frage der Kosten, dabei spielten auch die Treibstoffpreise eine Rolle.

“Als Europaregion möchten wir den Modal Split, also das Verhältnis zwischen Güterverkehr auf der Straße und Güterverkehr auf der Schiene, von derzeit 71 zu 29 Prozent bis 2027 auf ein ausgeglichenes Verhältnis und bis 2035 mit dem BBT in ein umgekehrtes Verhältnis zur Ausgangslage zu bringen”, so Euregio-Präsident Kompatscher. Dazu müsste an der Mautschraube gedreht werden. Filter- und Dosiersysteme seien vorzusehen, Obergrenzen festzulegen. In der Frage der Dosierung oder Blockabfertigung konnte noch keine Annäherung erreicht werden.  Bayern sieht diese Maßnahme nach wie vor kritisch. Durch bessere Abstimmung und Kommunikation baue man aber darauf, der Problematik einiges an Konfliktpotenzial zu nehmen.

Von: apa

Kommentare

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7 Kommentare auf "Schiene soll deutsch-österreichischen Brenner-Streit lösen"


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Bazi
Bazi
Neuling
16 Tage 10 h

Die Wirtschaft verlangt mobilität undFlexibilität- des konn die Schiene niemols bieten weil zu schwerfällig und zu umständlich, daran werd a der Tunnel nix ändern! des konn höchstens a alternative sein.
Mehr Entlastung fürs Eisacktal und der gesamten Brennerachse würde eine Aufteilung des Transitverkehrs bringen!
( Alemagna und Mailand- Ulm)!

Hetziger-Vogel
16 Tage 10 h

Europa = gemeinsam wachsen

Staenkerer
16 Tage 9 h

jo, jo, wos tat östereich und italien mitn brenner, wenn ihnen de deutschn nit sogatn wos long zu gien hot 😉…

Neumi
Neumi
Universalgelehrter
16 Tage 8 h

Dei bestehende Verbindung war viel zu umständlich. Hab mit einer Frächterin aus München gesprochen. Die Linie fuhr nur einmal pro Tag zu einer unmöglichen Zeit.

Von der Straße auf die Schiene … da bin ich voll dafür, aber die Kapazität vor allem zwischen Innsbruck und Bozen ist einfach nicht ausreichend. Es ist ja schon kaum möglich, halbstündige Verbindung für Personsnzüge einzurichten. Zusätzliche Güterzüge belasten das System noch mehr. Ohne den Tunnel mit seinen zusätzlichen Schienen wird das Vorhaben schwierig.

Savonarola
Savonarola
Universalgelehrter
16 Tage 7 h

zwei Verkehrsgipfel, davon einer abgesagt und der andere ohne irgendwelche konkrete Resultate. Toll!

Kallo
Kallo
Neuling
16 Tage 5 h

Olls für die Kotz !!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!

Dagobert
Dagobert
Superredner
16 Tage 6 h

Wenn in Tirol die Wahlen geschlagen sind, wird sich der ganze “Staub” schon wieder legen.

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