Am Hafen in Ningbo stauen sich die Containerschiffe

Schiffsstau vor Chinas Häfen schürt Sorgen um Lieferketten

Dienstag, 17. August 2021 | 13:59 Uhr

Mehreren chinesischen Häfen droht eine Überlastung. Grund ist der Stau vor dem zweitgrößtem Hafen Ningbo, wo am Dienstag nach Angaben des Datenanbieters Refinitiv mehr als 50 Containerschiffe auf ihre Abfertigung warteten. Dort war am 10. August der Coronafall eines Hafenmitarbeiters bekanntgeworden, woraufhin der Betrieb zeitweise eingestellt wurde. Führende internationale Reedereien warnen ihre Kunden vor Verspätungen und Routenanpassungen.

Mindestens 14 vom französischen Schifffahrts- und Logistikunternehmen CMA CGM betriebene Schiffe, fünf von Maersk und vier Hapag-Lloyd-Schiffe wollen Ningbo vorerst nicht mehr anlaufen. Dutzende weitere Schiffe änderten ihre Fahrpläne, wie die Reedereien mitteilten.

Da die Warteschlangen vor den großen chinesischen Häfen immer größer werden, wächst weltweit die Angst vor zunehmenden Lieferengpässen. Das chinesische Verkehrsministerium hat für alle Häfen angeordnet, spezielle Teams für ausländische Schiffe einzusetzen. Von deren Besatzungen wird verlangt, dass sie Gesundheitszeugnisse oder negative Tests vorlegen, bevor die Fracht gelöscht oder die Schiffe beladen werden können.

“Chinas Null-Toleranz-Politik ist gut gegen die Pandemie, aber schlecht für die Lieferketten”, sagte Dawn Tiura, Chef der Sourcing Industry Group, einem in den USA ansässigen Verband für die Beschaffungsindustrie. “Dieses Timing ist sehr schwierig, wenn man bedenkt, dass neben der bevorstehenden Weihnachtseinkaufssaison auch die Einkäufe zu Schulbeginn zunehmen.”

Der Hafenanbieter Ningbo Zhoushan erklärte, dass das tägliche Umschlagvolumen inzwischen wieder etwa 90 Prozent seines durchschnittlichen Juli-Wertes erreiche. Schiffe, die das Terminal anlaufen sollen, werden dennoch zu nahegelegenen Häfen umgeleitet. Shanghai Port etwa zählte dadurch 34 wartende Schiffe, vor dem Hafen Xiamen warten 18 weitere. “China ist ein wichtiger Bestandteil der globalen Lieferketten”, sagte Richard Lebovitz, Chef des US-Beratungsunternehmens von LeanDNA. “Jegliche Stilllegungen oder Verzögerungen aus China haben das Potenzial, Fertigwaren um zwei oder drei Ebenen hinauszuzögern.”

Die coronabedingte zeitweise Schließung des chinesischen Handelshafens Yantian im Mai und Juni hat der deutschen Wirtschaft zufolge gravierendere Folgen für globalen Lieferketten und Warenströme als zuvor die Schiffshavarie im Suezkanal. Vor allem für die Technik- und Elektronikbranche stellten die zwischenzeitlich bei der Container-Verladung eingetreten Verzögerungen ein Problem dar, wie der deutsche Bundesverband Materialwirtschaft, Einkauf und Logistik (BME) in einer Mitgliederbefragung herausfand. Die Störung der Lieferketten ist ein ernstes Problem für die Handelsnation Deutschland. Fast 64 Prozent der Industriebetriebe klagten in der Juli-Umfrage des Ifo-Instituts über Engpässe bei Vorprodukten wie Chips.

Von: APA/Reuters

Kommentare

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12 Kommentare auf "Schiffsstau vor Chinas Häfen schürt Sorgen um Lieferketten"


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halihalo
halihalo
Universalgelehrter
30 Tage 12 h

das kommt davon wenn immer alles von China kommen muß und man sich immer mehr abhängig macht und dort produzieren lässt weils ein wenig billiger ist …Zeit umzudenken !

primetime
primetime
Kinig
30 Tage 11 h

Und du glaubst dass Produkte welche in Europa hergestellt werden den gleichen Verkaufspreis haben werden? Da wird ein Mittelklasseprodukt schnell mal zum Luxusgut und keiner kann es sich mehr leisten.
Ergo technischer Stillstand und man landet wieder in der Steinzeit

halihalo
halihalo
Universalgelehrter
30 Tage 10 h

@primetime
nein so schlimm sehe ich das nicht , natürlich geht das nicht von Heute auf Morgen aber da wäre die Politik gefordert etwas zu tun , wenn es Lieferprobleme gibt oder Lieferketten gestört werden steigen zwangsläufig auch die Preise .

primetime
primetime
Kinig
30 Tage 6 h

Ja die künstliche Preissteigerung durch “Katastrophen” kennt man ja bereits im IT Bereich.
Aber es ist.nuj Mal so. Billigere Einkaufspreise ermöglichen auch billigere Verkaufspreise.
Auch die Firmen müssen überleben und ein Produkt das samt R&D, Materialien, Fertigung, Werbung usw 300€ kostet wird im Verkauf mindestens um Faktor 2,5 verkauft.
So billig geht es leider nur in östlichen Ländern

schreibt...
schreibt...
Superredner
29 Tage 22 h

@halilallo Die Zeit, umzudenken ist längst schon abgelaufen! China hat uns schon unterwandert und bestimmt somit das Weltgeschehen!

Look_at_Yourself
Look_at_Yourself
Superredner
29 Tage 20 h

@primetime
Das stimmt so nicht.
Deutschland galt früher als die Apotheke der Welt. Damals waren Medikamente auch nicht teurer als heute.
In Deutschland (Pirmasens) wurden massenhaft Schuhe 👞 produziert. Trotzdem ist niemand im Winter barfuß gelaufen.
Spielzeug, Elektrotechnik, Mopeds (Nürnberg), die Liste von ehemaligen Produkten aus Deutschland ist schier endlos lang.
Immer das selbe, Qualität wurde durch billigen Müll aus Asien ersetzt.
Alles wurde durch die Geiz ist Geil Mentalität vernichtet.
Wenn das Nachhaltig sein soll, dann Gute Nacht Marie!

falschauer
29 Tage 20 h

@primetime

wenn es dir nur um den preis geht wäre das sehr kurzsichtig, denn das könnte mittel- und langfristig in vielerlei hinsicht sehr teuer werden

primetime
primetime
Kinig
29 Tage 12 h

@falschauer Willst du damit etwa sagen dass die Qualität von asiatischen Produkten schlechter ist?
Das stimmt keines falls – aber einem Betrieb geht es nun mal um den Preis. Ich glaub hier haben viel zu wenige wirkliche Einsicht in den Wirtschaftskreislauf und wie auch die “Politik” bzw wir darin hängen

Frank
Frank
Superredner
30 Tage 12 h

Das passiert, wenn sich große Teile der Weltwirtschaft aus Gründen der Gewinnmaximierung von einem einzelnen Land abhängig machen. Hakt es dort, steht Alles.

nuisnix
nuisnix
Universalgelehrter
29 Tage 20 h

Vielleicht müssen wir nur endlich lernen, für gewisse Produkte wieder ehrliche Preise zu bezahlen und uns auch manchmal die Grage stellen, brauchen wir das wirklich alles?

falschauer
29 Tage 20 h

hans-peter martin hat das buch “die globalisierungsfalle” bereits 1996 geschrieben und deren auswirkungen werden immer evidenter, das nimmt kein gutes ende wenn die politik und der mensch nicht umdenkt

Stefa
Stefa
Tratscher
30 Tage 4 h

Es gäbe sicher Alternativen zu China als billige Produktionsländer im Ausland…..

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