Finanzvorstände erwarten konjunkturelle Wolkenfront

Schlechtere Stimmung unter Österreichs Finanzchefs

Mittwoch, 16. November 2022 | 06:19 Uhr

Die Zukunftsaussichten der österreichischen Finanzvorstände sind weiterhin getrübt. Die pessimistische Einschätzung heuer im Frühjahr hat sich durch die aktuelle Analyse bestätigt, geht aus der CFO Survey 2022 von Deloitte hervor.

Der anhaltende Arbeitskräftemangel beschäftigt die Unternehmen ebenso wie die ungewisse Entwicklung der Weltwirtschaft und die steigende Inflation. Dieses Stimmungsbarometer gilt nicht nur für die 60 befragten Finanzvorstände aus Österreich, sondern auch für das Gros der insgesamt 1.200 europäischen CFOs, die im Auftrag des Wirtschaftsprüfers und Beratungsunternehmens befragt wurden.

Mit 56 Prozent ist die Mehrheit der österreichischen Finanzchefinnen und Finanzchefs hinsichtlich der finanziellen Erfolgsaussichten pessimistischer geworden. Damit sind sie nur minimal positiver eingestellt als der Europaschnitt mit 60 Prozent.

“In ganz Europa lässt sich ein merklicher Stimmungsabfall beobachten. Laut unserer Studie hat die Unsicherheit unter den europäischen Finanzvorständen ein Rekordhoch erreicht”, erklärte Gerhard Marterbauer, Partner bei Deloitte Österreich, in einer Aussendung.

Wobei Österreich im Vergleich zu Nachbarstaaten besser abschneidet. Das Unsicherheitsniveau ist hierzulande mit 63 Prozent im europäischen Mittelfeld. In Deutschland liegt es bei 85 Prozent und in der Schweiz sogar bei 90 Prozent.

Das drängendste Problem stellt in Österreich der Fachkräftemangel (72 Prozent) dar, gefolgt von unklaren Konjunkturaussichten (69 Prozent), stark gestiegenen Energiepreisen (59 Prozent) und geopolitischen Risiken (56 Prozent).

Die Auswirkungen des Ukraine-Krieges sind ein wesentlicher Grund für den Pessimismus der Finanzvorstände. Da sie nicht mit einem raschen Ende des Krieges rechnen, erwarten die österreichischen Finanzvorstände für das kommende Jahr eine Inflationsrate von 8 Prozent. In der Eurozone werden 6 Prozent Inflation prognostiziert. Wobei die meisten Unternehmen die gestiegenen Kosten an die Endverbraucher weiterreichen wollen. Dafür rechnet fast ein Fünftel der österreichischen Finanzvorstände mit einem deutlichen Umsatzplus, 41 Prozent erwarten ein leichtes Plus. Allerdings erwartet ein Drittel der Unternehmen einen Umsatzrückgang.

Um die Folgen der hohen Inflation abzumildern, planen die Unternehmen zusätzlich, den Energiebedarf zu reduzieren. Weitere Strategien sind, sich auf Märkte, Produkte oder Dienstleistungen mit höheren Margen zu fokussieren. “Trotz aller Bemühungen können die Unternehmen die finanzielle Mehrfachbelastung auf Dauer nicht alleine schultern. Was es jetzt braucht, sind EU-weite wirtschaftspolitische Interventionen, um die derzeit vorherrschende fragile Situation abzumildern”, ergänzte Marterbauer.

Der Pessimismus der Finanzvorstände wirkt sich auch negativ auf Investitionen aus. So rechnen 86 Prozent mit einer Verschlechterung des Investitionsklimas. Nur 14 Prozent glauben, dass sich an der aktuellen Situation nichts ändert. Im Frühjahr waren es noch 25 Prozent. Daher plant auch nur jedes 4. Unternehmen, seine Investitionen zu erhöhen. Wobei Digitalisierung (92 Prozent), Wachstum in neuen Märkten (85 Prozent) und die Akquisition neuer Talente (83 Prozent) strategische Priorität haben. Für 79 Prozent ist aber auch das Thema Nachhaltigkeit ein wesentlicher Punkt.

Von: apa

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