Schramböck (Archivbild) will "Technologiebrücke über den Atlantik stärken"

Schramböck will wirtschaftlich enger mit den USA kooperieren

Dienstag, 12. April 2022 | 17:03 Uhr

Derzeit ist eine Austro-Wirtschaftsdelegation in den USA. Angeführt von Wirtschaftsministerin Margarete Schramböck (ÖVP) geht es darum, “die Technologiebrücke über den Atlantik zu stärken”, sagte sie Dienstagvormittag (Ortszeit) in Washington. Am selben Tag waren Treffen mit US-Handelsministerin Gina Raimondo und der Handelsbeauftragten Katherine Tai geplant. Diese sollen durch die Reise von Kanzler Karl Nehammer zu Russlands Präsidenten Wladimir Putin nicht getrübt werden.

Die Reise dreht sich auch um Kooperationen im Pharmabereich und im Bereich der Lehre, dazu ist die Unterzeichnung eines Memorandum of Understanding (MoU) geplant, das laut Arbeitsminister Martin Kocher (ÖVP) der Startschuss für einen intensiveren Austausch sein soll. Schließlich brauchen auch österreichische Firmen in den USA massig Fachkräfte. Firmen wie Rosenbauer, Miba, Andritz, Palfinger, Blum, Alpla, Egger, Red Bull oder KTM beschäftigen an die 50.000 Menschen in den USA – und wollen oft an Ort und Stelle Lehrlinge ausbilden. Die Unterschriften unters MoU sind am Mittwochnachmittag (Ortszeit) in einem Egger-Werk in North Carolina geplant. Für Kocher unterschreibt die Generalsekretärin des Arbeitsministeriums, von der er sich wegen eines Coronafalles im nahen Umfeld vertreten lässt. Beim Pressegespräch war Kocher per Video zugeschaltet.

Heimische Firmen sollen sich auch ein möglichst großes Stück vom Kuchen vom 1,2 Billionen Dollar schweren US-Infrastrukturpaket holen, sagte Schramböck. Um Lifescience- und Biotech-Kontakte zu knüpfen und zu vertiefen, war die Delegation vorm Washington-Besuch in Boston unter anderem beim MIT.

Wesentlich sei etwa, dass die USA und Europa im Technologie-Bereich Standards setzten. “Denn wer die Standards setzt, beherrscht die Märkte”, sagte Schramböck vor Journalistinnen und Journalisten. Und aus transatlantischer Sicht soll das freilich nicht China sein, dass offen die weltweite Technologieführerschaft übernehmen will. “Es wäre ein Fehler das China zu überlassen und sich nicht mit USA zusammenzutun.”

Der US-Pharma-Markt biete ein enormes Potenzial für Firmen aus Österreich. Die USA sind der weltweit größte Pharmamarkt, produzieren laut Schramböck aber weniger Wirkstoffe als benötigt werden. “Das wollen wir nutzen – etwa mit innovativen Produkten wie aus Kundl”, so die Politikerin. In Kundl gibt es einen Sandoz-Standort. Umgekehrt werde in Europa mehr produziert, als gebraucht werde. Grundsätzlich müsse man danach trachten, dass Europa sich künftig selbst mit Medikamenten versorgen könne.

Schramböck betonte mehrmals, wie wichtig eine Allianz zwischen den USA und Europa gerade in der jetzigen Lage der Welt sei. Darauf angesprochen, ob die Treffen mit US-Politikern nun womöglich durch den Besuch von Bundeskanzler Karl Nehammer (ÖVP) beim russischen Präsidenten Wladimir Putin negativ beeinflusst werden könnten, verteidigte Schramböck die international und national zum Teil kritisch beäugte Reise: “Man muss alles versuchen, was möglich ist, das ist passiert. Man muss sprechen.” Nehammer habe versucht, etwas “beizutragen”, damit die “tragische Situation” möglichst gelindert werde. “Wenn das von US-Vertreterinnen und -Vertretern angesprochen ist, dann werde ich das genau so erläutern.”

Zur hohen Abhängigkeit Österreichs vom russischen Gas sagte Schramböck, dass die “kurzfristige Beweglichkeit eingeschränkt” ist. Ursprünglich seien heimische Firmen Vorreiter dabei gewesen, Öl mit Gas zu substituieren, bis man ganz auf grüne Energie setzen könne. Nun sei ein “Plan nötig, den die Energieministerin (Leonore Gewessler, Grüne, Anm.) aufstellt”. Es gehe darum, wie und in welchem Zeitraum man den Energieeinsatz differenzieren könne. Aus Schramböcks Sicht braucht es eine “Biogas-Quote bis möglicherweise 20 Prozent”. Für den Erneuerbaren-Ausbau sollen Umweltverträglichkeitsprüfungen (UVP) “wesentlich beschleunigt werden”.

Besondere Bedeutung im Verhältnis zwischen den USA und der EU misst die Politikerin auch dem neuen Format des “Trade-Technology-Council” (TTC) bei. Auch hier geht es ums gemeinsame Setzen von Standards und Normen. Dieses Gesprächsformat soll zudem helfen, aus der Trump-Zeit schwelende Konflikte abzuschaffen, bei gewissen Zöllen ist das bereits geschehen.

Die USA gehören zu Österreichs Top-3-Handelspartnern. Waren sie zuletzt zweiter, wurden sie nunmehr wieder von Italien überholt und sind dritter. Als Überseemarkt sind die USA aber mit Abstand die Nummer 1 für Österreich. Exportiert wurden zuletzt im Jahr Güter und Dienstleistungen im Wert von rund 12 Mrd. Euro. Der Wert ist höher als vor der Corona-Krise. Die Handelsbilanz ist für Österreich deutlich positiv.

Von: apa

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1 Kommentar auf "Schramböck will wirtschaftlich enger mit den USA kooperieren"


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Tratscher
1 Monat 11 Tage

Wir müssen aufpassen! Nicht nur Russland, sondern auch China ist wirtschaftlich immens gewachsen. Dieser Reichtum wird leider nicht der Bevölkerung zu Teil, sondern man kauf damit Waffen und rüstet sich heimlich zur Weltmacht.
Ich denke China hat da richtig große Pläne für die Zukunft. Da ist Russland nichts dagegen. Achtung von China !

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