„Ein ehrlicher Handwerksbetrieb schafft Arbeitsplätze“

Schwarzarbeit: “Schadet der gesamten Wirtschaft”

Dienstag, 08. September 2015 | 12:51 Uhr

Bozen – Sich durch nicht gemeldete Tätigkeit etwas dazuzuverdienen gehört auch in Südtirol zur Realität: Schwarzarbeit ist nicht nur im Bereich der Schönheitspflege und bei den Friseuren, sondern mittlerweile in allen Berufssparten anzutreffen. „Schwarzarbeit zerstört aber nicht nur die Vertrauensbasis zwischen Handwerkern und Kunden, sondern ist rechtlich strafbar und schadet dem gesamten Wirtschaftskreislauf“, warnt lvh-Präsident Gert Lanz.
 
„Ein ehrlicher Handwerksbetrieb schafft Arbeitsplätze und Lehrstellen, er kurbelt die Wirtschaft an und stärkt das nötige Vertrauen zwischen Unternehmen und Kunden“, betont Gert Lanz, Präsident im Wirtschaftsverband für Handwerk und Dienstleister lvh. Nicht jeder Betrieb in Südtirol scheint sich dieser Tatsache allerdings bewusst zu sein: „Leider gibt es auch bei uns Schwarzarbeit, die oft verharmlost wird und als Kavaliersdelikt gilt. Manche zeigen sogar Verständnis für diejenigen, die ihr Einkommen durch einen nicht gemeldeten Nebenerwerb aufbessern. Sie bedenken aber nicht, dass sie dadurch der gesamten Wirtschaft schaden.“ Nach wie vor ist insbesondere der Bereich der Schönheitspflege und der Friseurbetriebe von diesem Phänomen betroffen. „Mittlerweile ist Schwarzarbeit aber in allen Berufssparten ein Thema“, bedauert Lanz.

Da der Schwarzarbeiter seine Dienstleistung zum Nettopreis anbietet, entrichtet er keine Steuern und stellt sich in unlautere Konkurrenz zu einem angemeldeten Gewerbe, das Mehrwertsteuer und andere Abgaben leisten muss.

Nicht nur moralisch, sondern auch rechtlich ist Schwarzarbeit belangbar: Laut Südtiroler Handwerksordnung droht demjenigen, der ein Handwerk ausübt, ohne im Handelsregister eingetragen zu sein, eine verwaltungsrechtliche Geldbuße zwischen 2.500 und 15.000 Euro. Wenn der Schwarzarbeiter bei den zuständigen Behörden angibt, kein Einkommen zu beziehen und daraufhin eine soziale Unterstützung erhält, kann aufgrund des nicht deklarierten Einkommens aus der illegalen Tätigkeit auch ein Leistungsbetrug vorliegen, der ebenfalls sanktioniert werden kann.

Die Tätigkeiten des Handwerkers und Dienstleisters müssen laut Handwerksordnung am Betriebssitz der Person ausgeübt werden, die im Besitz der beruflichen Voraussetzungen ist. Nur bei Krankheit, körperlicher oder geistiger Behinderung, Gebrechlichkeit oder ähnlichen Zwangssituationen dürfen die Tätigkeiten am Wohnort oder an dem vom Auftraggeber bestimmten Ort ausgeübt werden. „Sogenannte Hausbesuche von Friseuren, Schönheitspflegern und Kosmetikern sind also – wenn kein vom Gesetz vorgesehener Ausnahmefall vorliegt – verboten“, betont Lanz. Er und Maria Stella Falcomatà, Obfrau der Berufsgruppe Körperpflege und Dienstleistungen im lvh, mahnen zur Vorsicht: „Wichtig ist für die Verbraucher zu wissen, dass solche Hausbesuche auch keiner Hygienekontrolle unterliegen und keine hygienischen Standards garantiert werden können. Deshalb sollten Südtirols Kunden sich an einen Betrieb oder einen Unternehmer wenden, der sein Gewerbe rechtmäßig angemeldet hat und es in der von der Handwerksordnung vorgesehenen Art und Weise ausübt.“

Bis vor Kurzem machte sich nicht nur der Betrieb, sondern auch der Kunde, der sich keine Quittung ausstellen ließ, strafbar. Seit einiger Zeit ist der Kunde allerdings nicht mehr rechtlich belangbar. Eine Tatsache, die lvh-Präsident Lanz nicht nachvollziehen kann: „Zu einem Geschäft gehören zwei Seiten, weshalb man nicht nur an das Verantwortungsbewusstsein der Handwerker und Unternehmer, sondern auch an jenes der Kunden appellieren muss.“

Von: ©lvh

Bezirk: Bozen