Exporte nach Russland in die Höhe geschnellt

Schweizer Pharmaindustrie mit Rekordumsatz in Russland

Mittwoch, 27. Juli 2022 | 14:30 Uhr

Seit Beginn des Ukraine-Krieges sind die Schweizer Medikamenten-Exporte nach Russland in die Höhe geschnellt. Allein im Juni 2022 nahm die inländische Pharmabranche über 330 Millionen Franken (338 Mio. Euro) durch Arzneimittel-Verkäufe ins Putin-Reich ein – so viel wie seit mindestens 30 Jahren nicht mehr.

Geschäfte mit Russland sind seit dem Einmarsch in die Ukraine Ende Februar für viele Unternehmen ein rotes Tuch. Ein komplett anderes Bild zeigt sich jedoch bei der Schweizer Pharmaindustrie.

Von März bis Juni 2022 haben Roche, Novartis und Co durch den Export von Arzneimittel nach Russland bereits über 720 Mio. Franken eingenommen. Dies zeigt eine Analyse der Nachrichtenagentur AWP basierend auf den frei verfügbaren Außenhandelsdaten vom Bundesamt für Zoll und Grenzsicherheit (BAZG).

Der Juni 2022 war dabei der ertragreichste Monat seit mindestens 30 Jahren. Russland kaufte Schweizer Medikamente für über 330 Mio. Franken. Damit hat das ehemalige Zarenreich zweieinhalb Mal mehr ausgegeben als noch im Vorjahresmonat. In der Datenbank Swiss-Impex vom BAZG sind Außenhandelsdaten zu pharmazeutischen Produkten, Vitaminen und Diagnostika seit Jänner 1992 verfügbar.

Der bisherige Rekordumsatz stammt aus dem November 2021, als der Medikamenten-Export nach Russland dem Schweizer Handelsplatz 237 Mio. Franken einbrachte. Im Juni 2022 wurde dieser Rekord mit rund 93 Mio. Franken zusätzlichen Einnahmen regelrecht pulverisiert.

Dank des Schweizer Medikamenten-Booms in Russland erreichte auch der Gesamtexport nach Russland im Juni 2022 ein neues Rekordhoch. Insgesamt hat die Schweiz Waren für rund 430 Mio. Franken nach Russland verkauft, so viel wie noch nie seit 1992. Exporte aus der Pharmabranche machen dabei über 80 Prozent des Gesamtumsatzes aus.

Aufgrund des Angriffskriegs auf die Ukraine wurde Russland mit zahlreichen Sanktionen belegt und der Handel ist stark eingeschränkt. Medikamente stehen allerdings aus humanitären Gründen nicht auf der Sanktionsliste des Westens und dürfen weiterhin exportiert werden.

Von dieser Regelung profitiert vor allem die Schweiz, da die Pharmaindustrie der mit Abstand wichtigste Exporttreiber ist. 2022 stammt bisher rund die Hälfte der Exportumsätze von Produkten der Chemisch-Pharmazeutischen Industrie. Wichtigste Handelspartner in der Sparte sind die USA und Deutschland. Russland folgt an 15. Stelle mit einem Anteil von 1,6 Prozent.

Was auffällt: Obwohl der Exportumsatz von Medikamenten nach Russland im ersten Halbjahr 2022 im Vergleich zum Vorjahr um rund 59 Prozent gestiegen ist, wurden nur rund 18 Prozent mehr Medikamente exportiert. Das heißt, Russland hat wesentlich mehr für die Schweizer Medikamente bezahlt als bisher üblich.

“Die Pharmaexporte nach Russland waren in den letzten Jahren Schwankungen ausgesetzt”, sagt Daniela Dürr vom Verband Interpharma. Sie betont, dass im 2. Halbjahr 2019 sogar mehr Medikamente nach Russland exportiert wurden als im ersten Halbjahr 2022.

Im Gegensatz zu Russland sind die Medikamentenexporte in die Ukraine rückläufig. Im ersten Halbjahr 2022 wurden über 40 Prozent weniger Medikamente in das Kriegsgebiet exportiert im Vergleich zum Vorjahr. Mit rund 91 Millionen Franken war auch der Exportumsatz über 20 Prozent tiefer.

Von: APA/awp/sda

Kommentare

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7 Kommentare auf "Schweizer Pharmaindustrie mit Rekordumsatz in Russland"


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Kinig
14 Tage 17 h

Wenn die „Schweizer“ Geld riechen , dann machen SIE alles

raunzer
raunzer
Superredner
14 Tage 16 h

Ziemlich “nuttig” deine Analyse.

Superredner
14 Tage 14 h

@Storch24 also würdest du kranken Menschen die medizinische Hilfe verweigern?

Marco schwarz
Marco schwarz
Superredner
14 Tage 13 h

@raunzer : die Schweiz war, ist und wird immer “nuttig” bleiben. So sind sie eben. Verstecken sich hinter dem Deckmantel der Neutralität, aber haben im 2.Weltkrieg gerne das Gold der Nazis, oder das der Siegermächte genommen, heisst mit beiden verdient. Bis heute ist das nicht aufgearbeitet. Der Deckmantel der Neutralität lässt zu, dass sich Diktatoren stets auf kosten derer Völker bereichern können, die Schweizer gerne mit denen Geschäfte machen (da ja nur einer regiert), somit indirekt Kriege beeinflusst. Aber ja, alles neutral

Offline1
Offline1
Kinig
14 Tage 5 h

@Storch24…die Dividenden auf die Aktien Schweizer Pharmakonzerne sind dafür entsprechend hoch und nicht zu verachten😉…

Zugspitze947
13 Tage 3 h

Storch24: sogar Putins Geliebte ist mit ihren 2 Kindern in der Schweiz untergebracht ! Die Schweiz hat auch HITLER mit reichlich Munition versorgt 🙁

NurMalSo
NurMalSo
Grünschnabel
14 Tage 20 h

Die Schweiz mischt immer da mit wo es was zu holen gibt. Zb Goldhandel, Großbanken, die BIZ ist auch zufällig in der Schweiz.. kein Winder, dass sie neutral sein wollen. Geld stinkt eben nicht…

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