WIFO-Wirtschaftsbarometer Sommer 2022

Schwierigkeiten im Obst- und Milchsektor, gute Stimmung in der Weinwirtschaft

Dienstag, 19. Juli 2022 | 09:43 Uhr

Bozen – Die Sommerausgabe des Wirtschaftsbarometers vom WIFO – Institut für Wirtschaftsforschung der Handelskammer Bozen zeigt eine Verschlechterung des Geschäftsklimas bei den Südtiroler Obstgenossenschaften aufgrund der sinkenden Apfelpreise auf den internationalen Märkten. Große Sorge herrscht auch bei den Molkereien und Sennereien, da die Produktionskosten nach dem Ausbruch des Krieges zwischen Russland und der Ukraine weiter gestiegen sind. Bei den Kellereien sind die Ertragserwartungen für das laufende Jahr hingegen deutlich positiv, auch dank der Nachfragesteigerung im Zusammenhang mit der Erholung des Tourismus.

Hier geht es zum PDF! (Ertragslage in der Landwirtschaft – Rückblick 2012 2021 und Erwartungen für 2022)

Die Erwartungen des Südtiroler Obstsektors für das laufende Jahr haben sich im Vergleich zur letzten Umfrage im Februar verschlechtert: Derzeit rechnet fast ein Drittel der Genossenschaften mit einer unbefriedigenden Ertragslage, die sich zum Teil auch in den Auszahlungspreisen an die Landwirt/innen widerspiegeln wird. Dies ist auf die zunehmenden Schwierigkeiten bei der Apfelvermarktung zurückzuführen, wobei die regionalen Lagerbestände im Juni um 7,0 Prozent höher waren als im Vorjahr. Die ungünstige Preisdynamik auf den internationalen Märkten, die durch den russisch-ukrainischen Krieg noch verschärft wurde sowie der allgemeine Anstieg der Energie- und Verpackungskosten und die logistischen Schwierigkeiten im Seeverkehr drücken auf die Gewinnspannen des Sektors. Auch die Investitionen der Genossenschaften nehmen ab.

Das Geschäftsklima im Weinsektor bleibt hingegen weiterhin positiv: Alle befragten Kellereien erwarten 2022 eine mindestens zufriedenstellende, in etwa der Hälfte der Fälle eine gute Ertragslage. Die Umsätze werden voraussichtlich in allen Absatzmärkten steigen, auch dank der Erholung der Nachfrage im Bereich HO.RE.CA. (Hotels, Restaurants und Cafés). Infolgedessen werden auch die Auszahlungspreise an die Weinbauern und -bäuerinnen zufriedenstellend sein. Eine gewisse Schwäche zeigt sich nur bei den Investitionen, bei denen noch keine Erholung erwartet wird.

Die Lage für die Sennereien und Molkereien ist nach wie vor eindeutig negativ. Der Milchpreis auf den europäischen Märkten ist heuer zwar gestiegen, was zu wachsenden Umsätzen geführt hat, allerdings hat der erneute Anstieg der Energie- und Futtermittelkosten aufgrund des Krieges den Milchsektor in ernste Schwierigkeiten gebracht. Deshalb gehen alle Molkereien und Sennereien davon aus, dass die Ertragslage im Jahr 2022 unbefriedigend sein wird, ebenso wie die Auszahlungspreise an die Landwirte. Die Molkereien und Sennereien planen jedoch eine Erhöhung der Investitionen, insbesondere in Maschinen und Gebäude.

Hier geht es zum PDF! (Ertragslage nach Branchen)

Michl Ebner, Präsident der Handelskammer Bozen, kommentiert: „Neben den Auswirkungen des russisch-ukrainischen Krieges ist der Landwirtschaftssektor ständig von großen Preisschwankungen auf den internationalen Märkten und zunehmend extremen Wetterbedingungen bedroht. In diesem Zusammenhang werden die Genossenschaften auch in Zukunft eine wichtige Rolle spielen, um eine hohe Qualität der Südtiroler Produkte und möglichst faire Auszahlungspreise zu gewährleisten.“

Die Stellungnahmen der Vertreter der Wirtschaftsverbände

„Inzwischen konnten Preiserhöhungen umgesetzt werden, die Kosten steigen jedoch weiter. Der Spotmilchpreis ist derzeit hoch, doch langfristig erzielt die Verwertung der Rohmilch durch die Verarbeitung stabilere und höhere Auszahlungspreise. Die Anlieferungsmenge ist rückläufig, bedingt durch die hohen Futterkosten, aber auch durch die Einstellung der Milchproduktion. Die Milchhöfe sind bemüht, diese Herausforderungen zu lösen und die positive Entwicklung der Milchwirtschaft sicherzustellen“, erklärt Georg Egger, Obmann-Stellvertreter des Sennereiverbandes Südtirol

„Dank hoher Qualität, einer vorbildlichen Vermarktung durch die Genossenschaften und den kleinen Familienbetrieben werden wir die Situation meistern. Ich hoffe, dass der Krieg bald endet, die Preise für Energie und Betriebsstoffe sinken und sich die Märkte normalisieren. Dass Südtirols Landwirtschaft krisenfest ist, zeigt auch die Landwirtschaftszählung. In den letzten zehn Jahren haben nur etwas mehr als 200 (-1,1 Prozent) Betriebe zugesperrt. Auf dem restlichen Staatsgebiet waren es knapp 500.000 (-30 Prozent)“, betont Leo Tiefenthaler, Obmann des Südtiroler Bauernbundes und der Kellerei Tramin.

Von: mk

Bezirk: Bozen

Kommentare

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7 Kommentare auf "Schwierigkeiten im Obst- und Milchsektor, gute Stimmung in der Weinwirtschaft"


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schwarzes Schaf
schwarzes Schaf
Superredner
29 Tage 17 h

Jedes Jahr das selbe gejammere, und dann im Herbst rekordernte 1,2 millionen tonne. Und dann das gejammere wir kriegen die äpfel nicht los weil alles über 1 million ist schwer zu verkaufn und die Preise fallen. Aber wichtig jammern. Aber beim Bettenstop ausgenommen werden und dann jammer wir kriegen unsere 6 Ferienwohnungen nicht voll bitte hilfe. So langsam gehen mir die Bsuern aufn Sack das Jammerer volk

Spiegel
Spiegel
Universalgelehrter
29 Tage 16 h

Wer Jammert? Am meisten Jammern die Arbeitnehmer: zu viel Stunden, zu wenig Wohnmietbeitrag, zu wenig Urlaubsgeld zu wenig Pension, zu wenig dies und das.
Im Unterland gibt es einige Geschlossene Höfe zu verkaufen, kauf einen und dann zeig es den Bauern wie es geht. Du schaffst das!

Oracle
Oracle
Universalgelehrter
29 Tage 15 h

@schwarzes Schaf….Rekordernte bedeutet viel Menge und wenig Geld, falls man das noch nicht geschnallt hätte…

Zugfohrer
Zugfohrer
Neuling
29 Tage 16 h

Der schlimmste Monat für die Bauern ist der Februar!

Doolin
Doolin
Kinig
29 Tage 15 h

…weil do fohrens auf die Malediven…

Spiegel
Spiegel
Universalgelehrter
29 Tage 16 h

Mal ein paar Jahre nicht investieren in den Obstmagazinern geht auch. Die Op Gelder an Investitionen an den Landwirten Koppeln dann passts. Leider verschwendet man zu grossen Teilen das EU Geld ( 4.9 % Des Umsatzer wird als Verlustbeitrages ausbezahlt, also ohne Umsatz kein Geld!) diese Beiträge an Bauunternhemen, Topcontrol, Aweta oder Grefa oder Mafroda. All diese Firmen nutzen die Op Gelder aus und erhöhen bewusst ihre Preise. In Südafrika bietet Topcontrol viel billiger seine Produkte an. Eigentlich Betrug und man müsste dies Der O.L.A.F Behörde melden.

Tina1
Tina1
Superredner
29 Tage 13 h

Nach Agricamping solln sie halt auch in Wein investieren. Da bekommt man ja auch Beiträge.🤔

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