Die Absprachen könnten den Weg zum Diesel-Skandal geebnet haben

Seit den 90ern geheime Absprachen in deutscher Autobranche

Freitag, 21. Juli 2017 | 18:24 Uhr

Die deutsche Autoindustrie steht unter Kartellverdacht: Die großen Autobauer haben sich einem “Spiegel”-Bericht zufolge seit den 90er Jahren in geheimen Arbeitsgruppen über ihre Fahrzeuge abgesprochen und womöglich auf diese Weise den Weg für den Diesel-Abgasskandal geebnet. Das Magazin berief sich am Freitag auf einen Schriftsatz, den Volkswagen bei den Wettbewerbsbehörden einreichte.

Audi, Porsche, BMW und Daimler sollen ebenfalls beteiligt gewesen sein. Dem Nachrichtenmagazin zufolge stimmten sich seit den 90er Jahren mehr als 200 Mitarbeiter der Unternehmen in über 60 Arbeitsgruppen ab. Dabei soll es um die Technik der Fahrzeuge, Kosten, Zulieferer, Märkte, Strategien und die Abgasreinigung der Dieselfahrzeuge gegangen sein. VW reichte den Schriftsatz demnach am 4. Juli des vergangenen Jahres ein. Darin erklärt der Autobauer selbst, dass “der Verdacht” bestehe, dass es zu “kartellrechtswidrigem Verhalten” gekommen sei. Auch Daimler soll einen Schriftsatz eingereicht haben.

Die Autobauer wollten sich allesamt zu dem Bericht am Freitag nicht äußern. “Zu Spekulation und Sachverhaltsvermutungen auf Grundlage der ‘Spiegel’-Berichterstattung äußern wir uns nicht”, erklärte ein VW-Sprecher. Der Konzern nahm damit auch für die Marken Audi und Porsche Stellung. Auch BMW und Daimler erklärten, die Spekulationen nicht zu kommentieren. Das Bundeskartellamt war zunächst nicht erreichbar.

Bei den Absprachen soll es um alle Bereiche der Entwicklung gegangen sein, um Benzin- und Dieselmotoren, Bremsen, Kupplungen und Getriebe. Die Hersteller besprachen dem “Spiegel” zufolge auch die Auswahl von Lieferanten, die Preise von Bauteilen und die Abgasreinigung ihrer Dieselfahrzeuge.

Vor dem Hintergrund des Dieselskandals wird damit deutlich, dass auf diese Weise die Grundlage dafür gelegt worden sein könnte. Dem Bericht zufolge stimmten sich die Autobauer seit 2006 darüber ab, wie groß die Tanks für das Harnstoffgemisch AdBlue sein sollten, mit dem Stickoxide in die harmlosen Bestandteile Wasser und Stickstoff aufgespalten werden.

Die Autohersteller verständigten sich dem Bericht zufolge auf günstigere kleine Tanks. Die darin enthaltene Menge AdBlue reichte später nicht mehr aus, um die Abgase ausreichend zu reinigen.

Die Dieselaffäre war vor knapp zwei Jahren ins Rollen gekommen, als VW nach US-Ermittlungen einräumte, in Millionen von Fahrzeugen eine Schummelsoftware eingesetzt zu haben. Diese sorgte dafür, dass der Schadstoffausstoß bei Tests durch die Behörden niedriger ausfiel als später auf der Straße. Auch andere Autobauer, darunter Daimler, sehen sich mit solchen Vorwürfen konfrontiert.

Von: APA/AFP

Kommentare

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15 Kommentare auf "Seit den 90ern geheime Absprachen in deutscher Autobranche"


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MickyMouse
MickyMouse
Universalgelehrter
28 Tage 5 h

Schade um den  bisher guten Ruf,der deutschen Autobauer,dieser dürfte sich jetzt leider verabschiedet haben.😢

FC.Bayern
FC.Bayern
Grünschnabel
28 Tage 4 h

fahr einen Benziner wie ich
und es wird keine Überraschungen geben,
und mehr Spass macht es auch !!!

Bluemchen
Bluemchen
Tratscher
28 Tage 3 h

@FC.Bayern
Das ändert aber nichts am Ruf, der mittlerweile im Arsch ist.

schleifer
schleifer
Grünschnabel
28 Tage 3 h

@FC.Bayern ban tankn a?

peterle
peterle
Tratscher
28 Tage 2 h

@FC.Bayern
Genau ich gebe für meinen Benziner in etwa 200 Euro mehr aus als wenn ich einen Diesel hätte. Mag den Naftabrenner nicht weil ich vor Jahrzehnten von meinem Nachbarn mit seinem alten Deutz immer wieder stundenlang im Leerlauf eingestunken wurde.

FC.Bayern
FC.Bayern
Grünschnabel
27 Tage 14 h

@schleifer ist mir egal , ich mach gerade mal 15.000 km im jahr

FC.Bayern
FC.Bayern
Grünschnabel
27 Tage 14 h

@Bluemchen quatsch , von Zuverlässigkeit umd Lebensdauer gibt es keine besseren Autos ..

peterle
peterle
Tratscher
27 Tage 12 h

@FC.Bayern
Noch, das kann sich in den kommenden Jahren aufgrund von Gerichtsurteilen und Steuerverschiebungen drastisch ändern. Der private Verbraucher wird der Erste sein der sich dann einen Diesel nicht mehr oder nur schwer leisen wird können.

santina
santina
Superredner
27 Tage 15 h

Strafzahlungen reichen hier nicht mehr aus!
Die Verantwortlichen gehören wegen der Bildung einer kriminellen Vereinigung und organisierter Kriminalität sofort hinter Gitter!
Hier wurde gewerbsmäßig Betrug am Staat, Gesellschaft und Kunden abgesprochen!
In Deutschland scheint das nun zur Tradition zu werden.
Lügen und Betrügen!
Die deutsche Industrie ist Weltmeister – in Machenschaften, Betrug und Korruption!
Von wegen überlegene deutsche Technik!

santina
santina
Superredner
27 Tage 17 h

Aktienkurse von VW, BMW und Daimler brechen ein!

santina
santina
Superredner
27 Tage 9 h

Vorsprung durch Betrug – Ihre deutsche Autoindustrie!

Pyro-Tekni-Kahn
Pyro-Tekni-Kahn
Grünschnabel
27 Tage 13 h

Guat as nächste mol kaaf i mr holt a Opel isch a teische Wertorbeit mit ohne Dieselgate.

werner66
werner66
Tratscher
26 Tage 11 h

Wieso dürfen diese Autos immer noch herumfahren obwohl sie alle gesetzlich vorgeschriebenen Abgaswerte übersteigen?
Wie ist es möglich dass diese Giftschleudern immer noch den collaudo schaffen?
Die deutsche Auto- Mafia darf in der EU offensichtlich machen was sie will und bekommt auch noch Umwelt- Prämien für ihren Betrug.
Die Gesundheit der Bürger ist der EU-Mafia auch völlig egal.

AGrianer
AGrianer
Grünschnabel
26 Tage 8 h

Die Abgaswerte sind doch jedem völlig egal, der einzige Grund ist: je höher die Abgaswerte desto höher die Steuereinnahmen

Parteikartl
Parteikartl
Neuling
26 Tage 8 h

@ FC Bayern,

vom massenhaften CO2 Kohlenstoffdioxid Ausstoß der Benziner redet keiner. Der ist bekanntlich nicht ungefährlicher für die Umwelt als der von dir vedammte Feinstaub der Diesel.

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