Gewinnwarnung ausgegeben

Semperit in schweren Turbulenzen

Montag, 09. Oktober 2017 | 15:10 Uhr

Der börsennotierte Gummi- und Kautschukkonzern Semperit befindet sich in schweren wirtschaftlichen Turbulenzen und hat für heuer neuerlich eine Gewinnwarnung ausgegeben. Der Vorstand sei zu dem Schluss gekommen, dass die Ergebnissituation der Semperit-Gruppe “im zweiten Halbjahr 2017 operativ unter den Erwartungen bleiben wird”, teilte das Unternehmen am Montag in einer Aussendung mit.

2016 hatte Semperit einen bereinigten Betriebsgewinn (EBIT) in Höhe von 41 Mio. Euro erzielt. Von diesem Ergebnis ist der Konzern, der unter anderem Untersuchungshandschuhe aus Kautschuk herstellt, heuer weit entfernt. Im ersten Halbjahr heuer waren es nur noch 6 Mio. Euro – im zweiten dürften es noch weniger werden: Im Vergleich zum bereinigten EBIT der ersten Jahreshälfte ist “für das dritte und vierte Quartal 2017 auf derzeitiger Basis keine wesentliche Verbesserung aus dem operativen Geschäft zu erwarten”, hieß es in der Konzernmitteilung knapp.

Als Grund dafür wurden die “Volatilität der Rohstoffpreise” und operative Probleme, insbesondere in den Segmenten Sempermed und Sempertrans ins Treffen geführt. Eine Art Notfallplan dürfte nun eilends erstellt worden sein: Der Vorstand habe “einen umfangreichen Analyse- und Strategieprozess beschlossen”, der auch mit hohen Kosten verbunden sein wird. Dieser Prozess werde voraussichtlich im zweiten Quartal 2018 abgeschlossen, teilte Semperit weiters mit. Bis dahin kommt es den Angaben zufolge “zu laufenden Aufwendungen”. Zudem könnten in den nächsten Quartalen “weitere erhebliche Einmalbelastungen” – neben den bereits gesetzten und teilweise noch in Umsetzung befindlichen Schritten – “nicht ausgeschlossen werden”.

Mit den geplanten Maßnahmen will das Management des Unternehmens die Rentabilität erhöhen und die Bilanzstruktur stärken. Der Ausblick für die nächsten Quartale bleibe ausgesetzt. Semperit-Chef Thomas Fahnemann war Mitte März überraschend zurückgetreten. Seine Nachfolge trat der gebürtige Deutsche Martin Füllenbach per 1. Juni an. Bereits im April hatte Semperit für 2017 eine “erhebliche operativen Ergebnisbelastung im Vergleich zum Vorjahr” angekündigt und von einem voraussichtlich “wesentlichen Wertberichtigungsbedarf im Segment Sempermed” gesprochen.

Der frisch aufgelegte Restrukturierungsplan bei Semperit sieht vor, dass nun sämtliche Werke auf ihre Profitabilität hin geprüft und wenn nötig verkleinert werden. “Wir haben über 20 Produktionsstandorte, die sehen wir uns einen nach dem anderen an”, sagte Investor-Relations-Chef Stefan Marin am Montag zur APA. “Von Schließungen sind wir weit entfernt, es geht um ‘Optimierungen'”.

Weltweit beschäftigt Semperit rund 6.500 Mitarbeiter, etwas über 800 davon in Österreich. In dem Werk im niederösterreichischen Wimpassing werden etwa Operationshandschuhe (bei Sempermed) hergestellt. “Die sind sehr profitabel”, betonte Marin. An dem Standort würden beispielsweise auch Schläuche (bei Semperflex) und Handläufe für Rolltreppen hergestellt.

Die im Frühjahr vom Vorstand angekündigte Wertberichtigung im Bereich Sempermed wurde bereits durchgezogen. “Die haben wir schon im ersten Halbjahr gemacht und publiziert”, so der IR-Manager. 26 Mio. Euro mussten abgeschrieben werden. Die Ergebnisse für das dritte Quartal werden Mitte November bekanntgegeben.

Nach der erneuten Gewinnwarnung sind die Aktien der Semperit am Montagnachmittag an der Wiener Börse merklich eingebrochen. Mit einem Abschlag von 6,50 Prozent auf 24,59 Euro belegten die Papiere des Gummiherstellers gegen 14.35 Uhr den letzten Platz im Wiener prime market. Zum Vergleich: Der ATX notierte zuletzt um 0,31 Prozent im Minus bei 3.314,20 Punkten.

Von: apa