Wolf ist bestens mit Russland vernetzt

Siegfried Wolf via Oligarchenfirma an Strabag beteiligt

Freitag, 03. Juni 2022 | 14:18 Uhr

Österreichs größter Baukonzern Strabag ist zu einem Gutteil in russischer Hand. Die vom Oligarchen Oleg Deripaska kontrollierte MKAO Rasperia Trading Limited, die derzeit 27,8 Prozent an dem börsennotierten Bauriesen hält, soll auch als Beteiligungsvehikel für den politisch bestens vernetzten Automanager Siegfried Wolf gedient haben, berichtet das Nachrichtenmagazin “profil” unter Verweis auf gemeinsame Recherchen mit dem Rundfunksender ORF in seiner aktuellen Ausgabe.

Der ehemalige Magna-Chef, der vor einem Jahr das von der Schließung bedrohte Lkw-Werk von MAN in Steyr übernommen hat, soll “ab 2011 und jedenfalls bis 2019” maßgeblich – indirekt – an der Strabag beteiligt (gewesen) sein. Konkret gehe es um “über die Jahre durchgerechnet um die zwei Prozent”, zu heutigen Börsenkursen entspreche dies einem Wert von rund 85 Mio. Euro. Der steirische Investor, der derzeit auch noch Aufsichtsratschef der von der Finanzaufsicht FMA geschlossenen Sberbank Europe ist, wollt dies am Freitag auf APA-Anfrage aus börsenrechtlichen Gründen nicht bestätigen.

“Sämtliche Fragen betreffen angebliche gesellschaftsrechtliche Verbindungen und Vorgänge im Zusammenhang mit börsennotierten Unternehmen. Schon aus diesem Grund ist es unserem Mandanten verwehrt, die aufgeworfenen Fragen zu beantworten”, ließ Wolf über seinen Sprecher Josef Kalina ausrichten, der sich dabei auf das Wording des Anwalts Michael Krüger von der Wiener Krüger/Bauer Rechtsanwälte GmbH bezog.

Die Hälfte des fast 30 Prozent schweren russischen Anteils via Rasperia Trading an der Strabag liegt komplett im Dunklen. Deripaska hält indirekt 49 Prozent an Rasperia, die restlichen 51 Prozent gehören “Einheiten in Russland”, wie Strabag-CEO Thomas Birtel zuletzt auf der jüngsten Bilanzpressekonferenz auf APA-Nachfrage sagte. Er vermerkte auch, dass die russische Gesellschaft ihren Sitz in Kaliningrad habe, nicht auf Zypern, wie in den Medien immer wieder stehe.

Doch es gibt auch den Zypern-Konnex. Dort hatte Deripaska laut “profil” 2006/2007 zwei Offshore-Gesellschaften aufsetzen lassen, die unter anderem der Verwaltung der Strabag-Anteile dienen sollten – eine Rasperia Trading Limited und “die viel wichtigere übergeordnete Valtoura Holdings Limited”. Soweit erkennbar, sei der Oligarch anfangs der alleinige wirtschaftliche Eigentümer beider Firmen gewesen, ehe er den Aktionärskreis ausgedehnt habe. 2011/12 übernahmen dem Magazinbericht zufolge neue Shareholder insgesamt 20 Prozent der Valtoura: abermals zypriotische Briefkastenfirmen.

7,5 Prozent seien an eine Boxley Investment Services Limited, gegangen, die zum Luxemburger Fonds des russischen Investors Kirill Androsov gehörte, der 2019 aufgelöst worden sei. Weitere 12,5 Prozent wanderten laut “profil” in Richtung einer Arytera Holdings Limited mit Sitz in Limassol. Und hinter der zypriotischen Arytera “stand und steht bis heute Siegfried Wolf”.

Die indirekte Beteiligung von Wolf an der Strabag währte den Angaben zufolge bis Ende 2018, “ehe – soweit nachvollziehbar – die Arytera ihre Anteile an der Valtoura Zug um Zug an Deripaskas Basic Element Limited verkaufte”.

Ab 2018 habe Deripaska sein Offshore-Imperium nach und nach ins russische Kaliningrad, eine Art russisches Steuerparadies abseits des Zugriffs von US- und EU-Behörden verlegt, auch die zypriotische Gesellschaft Valtoura Holdings, über die er seine Strabag-Anteile hält, berichtete der ORF Donnerstagnacht in der TV-Nachrichtensendung “ZIB 2” – 2018 hatten die USA wegen Russlands Annexion der ukrainischen Halbinsel Krim auch Sanktionen über russische Oligarchen verhängt. 2018/2019 kam es in Deripaskas-Offshore-Imperium laut “profil” zu einigen Umstrukturierungen. Das dürften den US-Sanktionen geschuldet gewesen sein. Aktuell wird der Oligarch – wegen des Einmarsches Russlands in der Ukraine im Februar – auch von der EU sanktioniert.

Die Konzernleitung der Strabag ist aus demselben Grund auf Distanz zu dem russischen Anteilshaber gegangen. Mitte März kündigten die anderen Strabag-Eigentümer den Syndikatsvertrag mit der Rasperia auf, beendeten also jegliche Zusammenarbeit mit Deripaska. Die Rasperia hat vorerst keine Stimmrechte mehr bei dem Baukonzern. Auch die Dividendenzahlungen an den Großaktionär wurden zunächst eingestellt. Weiters wurde Thomas Bull, jenes Mitglied im derzeit siebenköpfigen Strabag-Aufsichtsrat, das von der Rasperia entstand wurde, bei einer außerordentlichen Hauptversammlung abberufen. Der von Rasperia für das Gremium nominierte Hermann Melnikov hatte sein Mandat laut Strabag bereits am 13. April aus eigenen Stücken zurückgelegt.

Gegen diese Entmachtung geht Deripaska nun gerichtlich vor. Die Rasperia Trading Limited hat Ende Mai vor dem Landesgericht Klagenfurt Klage gegen den Vorstand der Strabag eingebracht. Die Strabag hat ihren Firmensitz in Villach.

Von: apa

Kommentare

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1 Kommentar auf "Siegfried Wolf via Oligarchenfirma an Strabag beteiligt"


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Universalgelehrter
20 Tage 6 h

Wieviel Geld braucht man zum Leben😳

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