Teuerungsrate von zuletzt 7,5 Prozent alarmiert

Signale für nahende Zinswende der EZB mehren sich

Freitag, 06. Mai 2022 | 14:27 Uhr

Angesichts der hohen Inflation mehren sich die Rufe in der Europäischen Zentralbank (EZB) nach einer baldigen Zinswende. “Nach heutigem Stand gehe ich davon aus, dass wir im Juli die Zinsen erstmalig erhöhen können”, sagte die deutsche EZB-Direktorin Isabel Schnabel zu “Bild” (Freitagausgabe). Nach Ansicht von Bundesbank-Chef Joachim Nagel ist Eile geboten: “Das Zeitfenster, das sich jetzt öffnet für die ersten geldpolitischen Maßnahmen, das geht so langsam zu.”

Auch sein französischer Kollege Francois Villeroy de Galhau ist mit Blick auf die rekordhohe Teuerungsrate von zuletzt 7,5 Prozent alarmiert und sieht die Währungshüter um EZB-Chefin Christine Lagarde unter Zugzwang.

Villeroy nannte es den “offensichtlichsten nächsten Schritt”, die Zinsen Richtung null zu lenken. Dafür kämen die kommenden EZB-Sitzungen infrage. Diese stehen im Juni und Juli an, eine weitere folgt im September. Der finnische Notenbankchef Olli Rehn hatte jüngst den Juli ins Spiel gebracht und dafür einen Zinsschritt um einen Viertelprozent-Punkt beim Einlagesatz vorgeschlagen. Derzeit liegt dieser sogenannte Strafzins für Banken, die Geld bei der EZB parken, bei minus 0,5 Prozent. EZB-Chefvolkswirt Philip Lane hat eine ganze Abfolge von Erhöhungen signalisiert, aber die Bedeutung der eigentlichen Zinswende heruntergespielt. Der Zeitpunkt der ersten Anhebung sei nicht so wichtig wie der geldpolitische Normalisierungsprozess als Ganzes, argumentiert der Ire.

Laut Bundesbank-Chef Nagel zeichnet sich jedoch das Ende der Ära der Negativzinsen ab, die die EZB 2014 eingeführt hatte: “Ich kann an der Stelle nur sagen, dass ich die Zeiten erst mal nicht mehr sehe, dass wir mit negativen Zinsen konfrontiert sind auf der Notenbankseite. Das wird sich jetzt alsbald ändern.” Alles in allem sei dies “eine gute Botschaft für die Sparer”.

Die jüngste kräftige Zinserhöhung in den USA erhöhe den Druck auf die EZB zusätzlich, sagte Ifo-Chef Clemens Fuest der “Augsburger Allgemeinen”: “Die Zinserhöhung der USA führt zu einer Aufwertung des US-Dollar gegenüber dem Euro, das erhöht den Inflationsdruck in Europa. Insofern besteht für die EZB ein gewisser Druck, zu folgen.” Die US-Notenbank Fed hatte auf die hohe Inflation am Mittwoch mit dem größten Zinssprung seit 22 Jahren reagiert und will weitere Erhöhungen folgen lassen.

Auch Villeroy rät dazu, den Wechselkurs genau im Blick zu halten: “Wir haben zwar kein Wechselkursziel, aber das Niveau des Euro spielt bei der importierten Inflation eine wichtige Rolle”, sagte der Währungshüter: “Ein zu schwacher Euro würde unserem Preis-Stabilitätsziel zuwiderlaufen.” Anleger interpretierten dies als Signal einer nahenden Zinswende und kauften Euro. Die Gemeinschaftswährung verteuerte sich bis zu Mittag auf 1,0589 von 1,0499 Dollar.

Der renommierte Ökonom Gunther Schnabl von der Universität Leipzig warnte unterdessen vor Risiken für den Euro. “Die Gefahr des Auseinanderbrechens des Euros und einer neuen Schuldenkrise ist real. Die Wahrscheinlichkeit dafür ist höher als zur Schuldenkrise 2011, weil die Staatsverschuldung in der Zwischenzeit weiter angestiegen ist”, sagte er “Bild”. Denn durch ein Ende der Ankäufe von Staatsanleihen und bei Zinserhöhungen der EZB könnten “die hoch verschuldeten Eurosüdländer, einschließlich Frankreich, in Zahlungsschwierigkeiten geraten.” Die EZB will als Vorstufe einer Zinswende zunächst ihre milliardenschweren Anleihenkäufe auslaufen lassen. Sie hat dafür bislang keinen Endpunkt genannt, peilt nach bisherigen Planungen jedoch ein Ende im dritten Quartal an.

Von: APA/Reuters

Kommentare

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10 Kommentare auf "Signale für nahende Zinswende der EZB mehren sich"


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traktor
traktor
Universalgelehrter
20 Tage 6 h

diese leute haben alle sparer enteignet.wer soll in papier noch vertrauen haben…
wenn es ginge würde ich mir das gehalt in edellmetell auszahlen lassen!

traktor
traktor
Universalgelehrter
20 Tage 6 h

sofort 10% zinsen wäre die richtige einstellung speziell für kleinsparer durch arbeitsvertrag,die nie tricksen konnten…

N. G.
N. G.
Kinig
20 Tage 2 h

Wozu?
Kleinsparer hätten die letzten 20 Jahr min 5% Zinsen haben können, wenn sie ihr Geld an der Börse angelegt hätten.
10% Zinsen würden übrigens deinen Chef auch nicht freuen, denn der würde keine Investitionen mehr tätigen wenn er nicht gerade müsste und wo spart er dann, bei den Löhnen der Arbeiter.
Auserdem, der Händler um die Ecke weiss, dass sich dein Sparstrumpf füllt und setzt schon mal die Preise hoch! An dir kann er gut verdienen!

PuggaNagga
19 Tage 14 h

@N.G.
Steigt der Zins fällt die Börse.

OrB
OrB
Universalgelehrter
20 Tage 7 h

Zinsen abschaffen!

NurMalSo
NurMalSo
Grünschnabel
20 Tage 3 h

Die EZB erfüllt ihr Mandat nicht, nämlich für Geldwertstabilität zu sorgen. Es werden immer noch Anleihen gekauft, finanziert Staaten  und man gießt somit Benzin ins Feuer. Leider werden wir jeden Tag belogen, so sollte die Inflation ja „temporär“ sein. Man braucht die hohe Inflation um die gewaltigen Schulden weg zu inflationieren. Diese Strategie wird nicht aufgehen… Es steht eine dicke, fette Stagflation ins Haus. 

Dagobert
Dagobert
Kinig
20 Tage 7 h

Jo wenn es die FED vormacht, muss die EZB wohl nachziehen. 👍

Alpin73
Alpin73
Neuling
19 Tage 21 h

Eine gesunde Zinspolitik macht schon Sinn!

Privatmeinung
Privatmeinung
Superredner
19 Tage 10 h

Die wirklichen Zinsen, die wir jetzt haben, sind in der EU – EZB nicht angekommen, da die EU Politiker und EZB Zuständigen, ja selbst kaum Geld brauchen, da sie ja das meiste Gratis bekommen, und daher keinen Bezug mehr zur Realität haben.

Zugspitze947
18 Tage 3 h

Da wird es einige GRoße Hotelbesitzer gewaltig erwischen,denn die offenen Kradite sind immens ,aber selber Schuld 😝👌

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