Und was, wenn das Internet ausfällt?

“Smart Home” auf dem Siegeszug?

Freitag, 18. Januar 2019 | 17:06 Uhr

Das computergesteuerte “Smart Home” ist seit langem ein Schlagwort in der Baubranche – und beim Schlagwort ist es bisher für die Mehrheit der Bürger auch geblieben. Doch die Nachfrage nach der bisher hauptsächlich in Büros und Fabriken genutzten Gebäudeautomatisierung steigt mittlerweile auch bei Privatleuten stetig, wie Fachleute berichten.

“Der Trend ist ganz klar zu sehen”, sagt Bernd Dechert, Geschäftsführer für Technik und Berufsbildung beim Elektriker-Zentralverband ZVEH. “Was einmal Science Fiction war, wird in zehn Jahren allgemein verbreitet sein”, prophezeit Jürgen Benitz-Wildenburg vom Prüfinstitut itf Rosenheim, das Bauprodukte auf ihre Gebrauchstauglichkeit testet.

Gemeint ist mit “Smart Home” im Wesentlichen die digitale Fernsteuerung der Haustechnik über Computer, sei es vollautomatisch mit Hilfe von Sensoren, über Smartphone-Apps oder Sprachassistenten. Die wesentlichen Anwendungsbereiche: Bequemlichkeit, Sicherheit und Energieeffizienz. Auf der Münchner Messe “Bau 2019” (14.1.-19.1.), einer internationalen Leitmesse für die Baubranche mit rund 250.000 Besuchern, ist die Digitalisierung derzeit ein Hauptthema.

“Wenn die Waschmaschine smart ist, können wir ihr sagen, dass sie sich abends einschalten soll, wenn der Strom am günstigsten ist”, sagt Thomas Hardenacke, Vertriebsmanager beim Haustechnikhersteller Busch&Jaeger. Der Energieverbrauch eine Privatwohnung lässt sich nach Schätzungen mit Hilfe der Digitaltechnik um zehn bis dreißig Prozent reduzieren.

Sicherheitstechnik wird ebenfalls viel nachgefragt: Erschütterungssensoren für Fenster melden Einbruchversuche. In Kombination mit der Haustechnik können dann die Lampen in der Wohnung automatisch angeschaltet werden, um die Anwesenheit der Bewohner vorzutäuschen. Oder das Bild des Einbrechers wird über eine verknüpfte Videokamera sofort auf das Handy des Hausbesitzers gefunkt.

Eine Hauptzielgruppe sind Senioren: “Es ist ein Riesenplus, wenn sich Fenster und Türen automatisch öffnen und schließen lassen”, sagt Benitz-Wildenburg vom itf Rosenheim. Ein anderes Beispiel: Sollte eine alleinlebende alte Dame zu Hause stürzen, kann ein Sensor Kinder oder Nachbarn alarmieren.

Das “Smart Home”-Spektrum reicht bis zu Nischenprodukten, deren praktischer Nutzen begrenzt erscheint: Wer es im Badezimmer gern besonders hat, lässt sich digital gesteuert mit Geräuschen und Gerüchen des Regenwalds berieseln.

Befördert wird die fortschreitende Verbreitung von “Smart Home”-Anwendungen durch mehrere Faktoren: Die Technologie ist nicht nur billiger geworden, sondern auch einfacher. “Sie brauchen zur Installation keinen Programmierer mehr”, sagt Busch & Jaeger-Manager Hardenacke.

Und viele Hersteller traditioneller Gebäudetechnik bieten mittlerweile Schnittstellen für die Verknüpfung ihrer Geräte mit den Sprachassistenten von Amazon, Google und Apple an. So lassen sich Fensterrollos, Heizung oder Licht mit gesprochenen Befehlen kontrollieren, sagt Peter Taschner vom Haustechnik-Hersteller Gira, einem Traditionsunternehmen aus dem Bergischen Land.

Nach Angaben der deutschen Amazon-Zentrale in München hat das US-Unternehmen bisher weltweit 100 Millionen Geräte mit integrierter Alexa-Funktion verkauft. “Die Anzahl der verfügbaren Geräte mit Alexa-Integration hat sich im vergangenen Jahr mehr als verdreifacht”, sagt ein Sprecher in München.

Das umfasst nicht nur “Smart-Home”-Geräte, sondern auch PCs, Wearables wie digitale Armbanduhren oder Fitness-Armbänder, Mobiltelefone, und Autos von BMW, Ford oder Toyota. Die Zahlen für den deutschsprachigen Markt veröffentlicht Amazon nicht separat.

Die Anbindung an das Internet kann Schattenseiten haben. “Niemand möchte, dass sein Haus nicht mehr funktioniert, wenn die Internet-Verbindung zusammenbricht”, sagt Benitz-Wildenburg vom ift Prüfinstitut. Die Nutzung von Sprachassistenten läuft darauf hinaus, dass Daten über privateste Vorlieben auf Cloud-Servern rund um den Globus gespeichert werden. “Es gibt ein Spannungsfeld zwischen Komfort und Datenautonomie”, sagt Benitz-Wildenburg.

Dass Datenschutz- oder Sicherheitsbedenken das Wachstum des “Smart-Home”-Markts stoppen könnten, glaubt allerdings niemand. “Es gibt immer mehr Betriebe in den E-Handwerken, die sich darauf spezialisieren”, sagt Technik-Geschäftsführer Dechert vom ZVEH. In Zukunft wird es sogar einen eigenen Handwerksberuf dafür geben. Der ZVEH arbeitet an einer Novellierung der Ausbildungsordnung. “Wir werden alle unsere Berufe anpacken, neu hinzu kommen wird der Ausbildungsberuf des Elektronikers für Gebäudesystemintegration”, sagt Dechert.

Von: APA/dpa

Kommentare

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6 Kommentare auf "“Smart Home” auf dem Siegeszug?"


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einer wie ihr
einer wie ihr
Grünschnabel
1 Monat 4 Tage

In Zukunft braucht der moderne Einbrecher kein Stemmeisen und Hammer, sondern nur noch einen digitalen Dekoder und schon ist man drin. Ohne Krach, ohne Gewalt. Vielleicht kommt man auch erst nach ein paar Tagen drauf dass etwa fehlt. Na mir ist Schloss und Schalter doch noch lieber.

6079_Smith_W
6079_Smith_W
Universalgelehrter
1 Monat 4 Tage

Smart bis das Eigenheim durch einen Hackerangriff übernommen wird…

Gredner
Gredner
Superredner
1 Monat 4 Tage

“Der Energieverbrauch … lässt sich nach Schätzungen mit Hilfe der Digitaltechnik um 10 bis 30% reduzieren.” So ein Unsinn! Der Nachstrom kostet nur minimal weniger als der Tagesstrom, und all die Geräte auf Standby und die zusätzliche Elektronik, die das alles kontrolliert und steuert braucht auch noch ihren Strom. In Summe verbraucht man dann sogar mehr!

…Und die Wäsche wird nicht mehr richtig sauber, weil sich der Dreck nach 10 Stunden “standby” so richtig eingeprägt hat.

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Tratscher
1 Monat 4 Tage

ich bin im Besitz eines “Smart Home” seit 10 Jahren von einer Renommierten Südtirolr Firma, ich möchte hier keine Werbung machen darum keine Info, das Haus ist Smart, Smarter geht’s nicht,Hacker keine Chance! der Große Fehler eines SH ist Cloud Basierende Anwendungen, wie es viele gibt, wie auch das beliebte Alexa u. co. es sind, außerdem bist du mit derartigen Systeme Transparent und ohne Internet geht dann auch im Smartem Home” in den 4 Wänden ” gar nichts mehr.,

Gredner
Gredner
Superredner
1 Monat 4 Tage

Vor zu viel Technik kann ich nur warnen: man verliert dann die Kontrolle über das eigene Haus. Diese haben dann Google, Amazon, CIA, FBI und Co. Und wenn ich mal nur das falsche Wort google, sperrt mich Alexa aus meinem eigenen Haus aus…

Marc
Marc
Tratscher
1 Monat 4 Tage

Nein Danke

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