Trump sieht sich durch die Zahlen bestätigt

Sommerhoch am US-Arbeitsmarkt – Zinserhöhung bleibt Thema

Freitag, 04. August 2017 | 16:48 Uhr

Der anhaltende Job-Boom in den USA nährt die Aussicht auf eine weitere Zinserhöhung in diesem Jahr. Firmen und Staat stellten im Juli zusammen 209.000 neue Mitarbeiter ein, teilte die Regierung in Washington am Freitag mit. Das waren 26.000 mehr als Ökonomen im Vorfeld auf dem Zettel hatten. Im Juni waren nach aktualisierten Daten sogar 231.000 neue Stellen hinzugekommen.

Die separat ermittelte Erwerbslosenquote sank im Juli leicht auf 4,3 Prozent. Der als beispielloser Förderer des Arbeitsmarkts angetretene Präsident Donald Trump sieht sich durch die Zahlen bestätigt: “Es sind exzellente Zahlen, die gerade veröffentlicht wurden. Und ich habe gerade erst begonnen”, twitterte er.

Trump wollte der seit längerem rund laufenden US-Wirtschaft mit seinem Amtsantritt im Jänner noch mehr Fahrt verleihen. Er konnte bisher jedoch keines seiner groß angekündigten Vorhaben vom Umbau des Gesundheitswesens bis hin zur Steuerreform durch den Kongress bringen. Der Republikaner hat vollmundig angekündigt, der “größte Job-produzierende Präsident” der USA zu werden, “den Gott je erschaffen hat”. Allerdings hat die Regierung als Arbeitgeber derzeit nur einen kleinen Anteil am “Jobwunder”: Während im Juli 4000 zusätzliche Staatsbedienstete eingestellt wurden, waren es in der Privatwirtschaft 205.000 neue Mitarbeiter.

Die US-Notenbank Federal Reserve soll Vollbeschäftigung fördern und hat dieses Ziel nun praktisch erreicht. Sie hat ihren Leitzins zuletzt auf die neue Spanne von 1,0 bis 1,25 Prozent angehoben und will bis zum Jahresende nachlegen, falls die wirtschaftlichen Rahmenbedingungen stimmen.

Die starken Arbeitsmarktdaten verhalfen der Wall Street zu Gewinnen. Viele Investoren sind jedoch noch nicht so recht davon überzeugt, dass die Fed nach zwei Erhöhungen in diesem Jahr tatsächlich eine dritte folgen lässt. Die neuen Job-Zahlen dürften den Befürwortern einer Anhebung allerdings in die Hände spielen: Denn der Stellenaufbau ist weit stärker als er nötig wäre, um mit dem Bevölkerungswachstum Schritt zu halten: Experten veranschlagen dafür lediglich 75.000 bis 100.000 neue Stellen pro Monat.

Die Fed habe jetzt keinen Grund mehr, von ihrem Plan abzuweichen, die Zinsen dieses Jahr noch einmal anzuheben, sagte Investmentstratege Brian Jacobsen von Wells Fargo Funds Management. Auch die mit den Job-Zahlen veröffentlichten Daten zu den Stundenlöhne liefern Argumente für eine geldpolitische Straffung. Sie stiegen um 0,3 Prozent und damit stärker als in den Vormonaten. Die Fed hofft, dass bei höheren Gehältern die Preise stärker anziehen und sie in naher Zukunft auch hinter ihrem Inflationsziel einen Haken setzen kann.

Sie strebt als Idealmarke eine Teuerungsrate von zwei Prozent an, die zuletzt aber deutlich unterschritten wurde. “Die US-Notenbank wird die Daten mit Wohlwollen aufnehmen. Das Augenmerk dürfte aber vermehrt direkt der Inflationsentwicklung gehören. Dies erklärt auch, warum der Dollar nur moderat zulegte”, sagte Ökonom Thomas Gitzel von der VP Bank in Liechtenstein. Der Euro fiel nach Veröffentlichung der Job-Zahlen unter 1,18 Dollar.

Von: APA/ag.

Kommentare

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1 Kommentar auf "Sommerhoch am US-Arbeitsmarkt – Zinserhöhung bleibt Thema"


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Etschi
Etschi
Grünschnabel
12 Tage 17 h

Auch ein blindes Huhn findet mal ein Korn…

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