Mit der Wirtschaft Spaniens geht es wieder bergauf

Spanier kehren nach Jahren der Krise ins Land zurück

Samstag, 13. August 2016 | 11:41 Uhr

Hunderttausende Spanier haben ihre Heimat im Zuge der Wirtschafts- und Finanzkrise verlassen – Luis Lag ist einer von ihnen. Auch er suchte angesichts der steigenden Arbeitslosigkeit in seinem Heimatland sein Glück in der Ferne und fand eine Anstellung in Deutschland. Nach einigen Jahren kehrte er nun nach Spanien zurück.

Denn dank des Wirtschaftswachstums und der allmählich sinkenden Arbeitslosigkeit sieht Lag dort wie viele seiner Landsleute wieder eine Zukunft für sich. Bevor er 2011 das Land verließ, konnte sich Lag nur mit Privatunterricht über Wasser halten – an eine Festanstellung als Chemiker war nicht zu denken. Doch die 500 bis 1500 Euro, die er je nach Monat verdiente, reichten nicht zum Leben, geschweige denn zum Abzahlen seiner Hypothek. Seine Heimat war von der globalen Finanzkrise 2008 besonders hart getroffen worden. Die Krise führte zum Platzen einer Immobilienblase, in der Folge brach die Wirtschaft zusammen.

Lag fand jedoch eine Stelle in einem deutschen Labor nahe der österreichischen Grenze, später zog er weiter in den Westen. Insgesamt hätten 473.000 Spanier das Land seit 2008 verlassen, sagt Andreu Domingo vom Zentrum für Demographische Studien in Barcelona. Dieser Exodus von jungen und qualifizierten Leuten bot Anlass zu großer Sorge. Nun gibt es nach Jahren der Krise erstmals wieder Hoffnung. Im Mai 2016 fiel die Arbeitslosigkeit in Spanien erstmals seit August 2010 unter die Vier-Millionen-Marke.

Auch für Lag gab es wieder eine Festanstellung in seiner Heimat. Nach seiner Rückkehr nach Alcala de Henares nahe Madrid leitet der 40-Jährige nun ein Team von 15 Mitarbeitern in einem Labor. Dieser Aufstieg sei ohne seinen Gang ins Ausland nicht möglich gewesen, ist er sich sicher. “Es hat mir geholfen, hier einen guten Job zu bekommen.”

Auch wenn Lag in Spanien weniger verdient, so schätzt er doch die Nähe zur Familie, die Lebensqualität – es seien viele kleine Dinge gewesen, die ihn mit seiner Frau und dem in Deutschland geborenen Sohn in die Heimat zurückkehren ließen.

Wie Lag entscheiden sich viele Spanier für eine Rückkehr. Nachdem die Zahl der in Deutschland ankommenden Spanier seit Jahren angestiegen sei, gehe sie seit 2014 wieder stetig zurück, teilt das Statistische Bundesamt mit. Grund ist der wirtschaftliche Aufstieg Spaniens, der mit 3,2 Prozent im vergangenen Jahr einer der höchsten in der Eurozone war. Auch in diesem Jahr rechnet die Regierung mit einem Wachstum von 2,9 Prozent – das ist mehr als in Deutschland oder Frankreich.

Für die Spanier, die wieder heimkehren wollen, ist unter anderem die Website Volvemos.org (zu deutsch: Wir kehren zurück) eine Anlaufstelle. Rund 4.600 Anfragen von Spaniern aus 86 Ländern habe er bereits erhalten, berichtet der Gründer Raul Gil. Darunter seien Ingenieure, Architekten, Professoren, Forscher und Soziologen.

Noch können aber nicht alle Jobangebote in Spanien überzeugen. Rund 45 Prozent aller Angebote müssten aussortiert werden, weil die Bedingungen nicht stimmten, sagt Gil. Auch die Professorin Anna Gines von der Esade Business School beklagt, dass die Zahl atypischer Beschäftigungsverhältnisse stark zugenommen habe. Rund 15 Prozent aller Beschäftigten in Spanien arbeiteten Teilzeit, ein Viertel habe nur befristete Verträge. Die Gehälter seien seit 2012 durchschnittlich um zehn Prozent gesunken.

Sonia Martinez, die nach einem Jahr in den USA ins nordspanische Valladolid zurückkehrte, kann bestätigen, dass die Arbeitsmarktsituation in ihrer Heimat noch immer schwierig ist. Die 40-jährige Analystin schließt nicht aus, wieder ins Ausland zu gehen. “Die Firmen hier haben Probleme zu verstehen, dass talentierte Leute nicht um jeden Preis zurückkehren wollen”, sagt Gil von Volvemos.org.

Von: APA/ag.

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