Wifo gegen Verstaatlichung von MAN-Werk in Steyr

SPÖ will MAN und VW wegen Steyr “mehr auf die Zehen steigen”

Dienstag, 13. April 2021 | 13:39 Uhr

Die SPÖ pocht weiter auf eine Rettung des MAN-Standortes in Steyr, die auch andere Parteien fordern. Die Sozialdemokraten sprechen sich hierbei aber weiterhin für eine staatliche Minderheitenbeteiligung bis zu 20 Prozent aus, “um die Profitabilitätsrechnung potenzieller Investoren zu verbessern”, sagte Wirtschaftssprecher Christoph Matznetter am Dienstag. Er will “andere Hersteller zu Gesprächen über ein solches Modell laden, um Druck in München und Wolfsburg zu machen”.

Der oberösterreichischen Landesregierung und der Bundesregierung warf Matznetter vor, seit Bekanntwerden des drohenden Aus des Standorts zu “schlafen”. Dringend gehöre aber MAN und dem Mutterkonzern Volkswagen die Rute ins Fenster gestellt, denn Österreich dürfe seinen volkswirtschaftlich wichtigen Autocluster nicht gefährden. MAN und VW gehöre gesagt: “Ihr könnt auch nicht mit uns reden, aber wir werden nicht tatenlos zusehen. Wir machen was möglich ist, weil wir unser Cluster aufrechterhalten. Gelingt das in Steyr mit einem Konkurrenten von euch, der euch um die Ohren fährt – euer Pech”, so Matznetter darüber, wie die Politik nun gegenüber den deutschen Unternehmen auftreten müsse. “Es gehört da viel mehr auf die Zehen gestiegen.”

Dass staatliche Beteiligungen schlecht seien, ließ Matznetter nicht gelten. “Es geht überhaupt nicht um eine Dominierung durch die öffentliche Hand.” Der Politiker kritisierte eine Wifo-Studie zu Verstaatlichungen und dass Wifo-Ökonom Michael Peneder nichts von einem Staatseinstieg bei MAN/Steyr, wie dieser in “Wiener Zeitung” und “Standard” (Dienstagsausgaben) sagte.

Staatliche Beteiligungen seien nur in Ausnahmefällen, nur als Minderheitsbeteiligung und dann auch nur vorübergehend sinnvoll. “Bei MAN in Steyr sehe ich keinen Anlass für eine Staatsbeteiligung”, sagte Paneder. Wenn es kein privater Unternehmer machen will, dann könne es auch nicht der Staat machen. Die Politik sei “die falsche Instanz” um zu entscheiden, ob ein Unternehmen ein zukunftsfähiges Konzept sowie Marktpotenzial habe. Diese solle aber Kompromisse mit potenziellen Investoren finden, sich bei Verhandlungen engagieren und die Belegschaft mit den Investoren zusammenbringen.

Matznetter hingegen sagte, dass es sich erstens um eine Minderheitenbeteiligung handeln würde und argumentierte damit, dass auch VW mit dem deutschen Bundesland Niedersachsen zum Teil in öffentlichem Besitz stehe. Zudem sei die Mehrheit der zehn weltgrößten Lkw-Bauer staatlich oder teilstaatlich. Dabei handelt es sich allerdings um viele chinesische Firmen. “Aber auch die verkaufen weltweit”, sagte Matznetter.

Matznetter bekräftigte auch den SPÖ-Standpunkt, wonach die Staatsholding ÖBAG nicht nur die gesetzliche Möglichkeit habe, bei Unternehmen einzusteigen, sondern eigentlich auch den Auftrag dazu. Sie solle sich mitengagieren, damit VW bzw. MAN in Steyr schlussendlich ein Angebot gemacht werde, das die Konzerne nicht ablehnen könnten. Nur mit dem derzeitigen Chef Thomas Schmid gehe das bestimmt nicht, forderte Matznetter auch einmal mehr dessen Rücktritt als Chef der Staatsholding.

Der bisherige MAN-Arbeiterbetriebsrat des Werks in Steyr, Erich Schwarz, darf das Werksgelände seit Ausscheiden aus dem Unternehmen vergangene Woche nicht mehr betreten. Dies sei ihm telefonisch mitgeteilt worden, bestätigte er einen Bericht in der “Kronen Zeitung” am Dienstag. Gründe, warum er als Pensionist – am 7. April war sein letzter Arbeitstag – ein Betretungsverbot erhalten habe, seien ihm nicht genannt worden, sagte er zur APA.

Entrüstet hat die Gewerkschaft auf das Betretungsverbot reagiert. PRO-GE-Bundesvorsitzender Rainer Wimmer sprach von einem “schweren Foul”. Schwarz solle “offensichtlich diskreditiert werden, denn der Konzern versuche von eigenen Fehlern abzulenken und das für den Konzern unangenehme Abstimmungsverhalten der Belegschaft dem Betriebsrat anzulasten”, hieß es in einer Aussendung. Oberösterreichs ÖGB-Landesvorsitzender und AK-Präsident Johann Kalliauer sieht in der Vorgehensweise einen “Skandal”. Er erwarte sich, dass diese “Maßnahme unverzüglich zurückgenommen” werden, wird er in einer Aussendung zitiert. Schwarz habe jahrzehntelang “das Beste für den MAN-Konzern gegeben. Ihn jetzt in der Pension mit so einer Sanktion zu bestrafen, nur weil er hinter der Belegschaft gestanden ist”, findet Kalliauer “unfassbar”.

Von: apa