Coronapandemie lässt Nachfrage nach Fahrrädern nach oben schnellen.

Sporthändler warten auf ausländische Touristen

Donnerstag, 17. Juni 2021 | 14:14 Uhr

Die Öffnungen und Lockerungen der Corona-Maßnahmen haben das Geschäft der Sportfachhändler zwischen April und Juni deutlich angekurbelt. Um das Vorkrisenniveau wieder zu erreichen, müssten aber wieder ausländische Touristen im Sommer und Winter nach Österreich kommen, sagte der Sprecher des Sportartikelhandels in der Wirtschaftskammer, Michael Nendwich, im APA-Gespräch.

Von Jänner bis März lag das Umsatzminus der Sportfachhändler österreichweit bei 20 Prozent. In den Tourismusregionen hätten die Kunden gefehlt, so Nendwich. “Da haben wir eine Nullnummer gehabt.” Für das noch laufende zweite Quartal gibt es noch keine Umsatzschätzungen. Im städtischen Bereich sind laut dem Branchenvertreter Fährräder und Outdoor-Artikel “sehr stark” nachgefragt. Das Geschäft von April bis Juni sei insgesamt “normal bis gut verlaufen”.

WKÖ-Branchensprecher und Sporthändler Nendwich erwartet für die Branche im Sommer ein gutes Geschäft. Österreicherinnen und Österreicher werden wie im Vorjahr vermehrt in Österreich Urlaub machen und ausländische Urlauber werden nach dem Ende der Reisebeschränkungen nun wieder vermehrt nach Österreich kommen. Von der Politik erwartet sich die Branche eine EU-weite Lösung für die Reisefreiheit, damit auch bei einem Anstieg von neuen Corona-Mutationen noch Touristen ins Land kommen werden. “Können im Winter die Touristen, unter anderem aus Großbritannien, Niederlanden und Deutschland, kommen? Das wird die entscheidende Frage sein”, sagte Nendwich. Im touristischen Bereich hätten noch zahlreiche Sporthändler-Standorte geschlossen. “Wir hoffen, dass im Winter alle wieder aufsperren. Garantien dafür gibt es nicht”, so der WKÖ-Vertreter.

Im Fahrradbereich übertrifft die Nachfrage das Angebot um ein vielfaches. Fahrradproduzenten kommen derzeit mit der Produktion nicht nach. Teilweise fehlen Fahrrad-Einzelteile, es kommt zu Verzögerungen und längeren Lieferzeiten aus den Fabriken in Asien. Bei Stadtfahrrädern gebe es seit der Coronapandemie “eine extreme Nachfrage”, sagte der Geschäftsführer des Fahrradhändlers bikestore.ccc, Norbert Bisko, zur APA. “Das ist explosionsartig raufgegangen. Die Lager von Herstellern und Händlern sind leergeräumt.” Man habe bereits Fahrräder für 2022 und großteils für 2023 bei den Produzenten bestellt. Fraglich sei, wie viele man dann tatsächlich geliefert bekomme, sagte der Fahrradhändler. Der Siegeszug der Elektro-Fahrräder setzt sich fort. Im Osten sind laut Bisko rund 40 bis 45 Prozent der verkauften Fahrräder E-Bikes, im Westen bereits deutlich über 50 Prozent.

Die große Nachfrage im Fahrradbereich hat den Fachkräftemangel weiter verschärft. In den 1970er-Jahren wurde die Fahrradtechniker-Lehre abgeschafft, seitdem wurden nur Hilfskräfte angelernt. Große Hoffnung setzt die Branche in den im Vorjahr neu geschaffenen Lehrberuf Sportgerätefachkraft, unter anderem für Fahrräder, Fitness-Geräte und Ski/Snowboard. Derzeit gibt es 20 Sportgerätefachkraft-Lehrlinge an den Berufsschulstandorten Hartberg, Ried und Zell am See. Man müsse dafür “Hunderttausende Euro” in die Lehrwerkstätten investieren, sagte WKÖ-Branchensprecher Nendwich. Ziel sei, dass künftig 60 bis 80 Jugendliche pro Jahr ausgebildet werden. Demnächst werde man mit einer Kampagne über den neuen Lehrberuf informieren.

Von: apa