Betroffen sind Diesel-Audi für den US-Markt

Staatsanwälte leiten Ermittlungen in Audi-Diesel-Skandal ein

Mittwoch, 15. März 2017 | 14:34 Uhr

Die Staatsanwaltschaft München II nimmt wegen der Abgasaffäre Audi-Manager ins Visier. Die Behörde habe ein Ermittlungsverfahren gegen Unbekannt wegen des Verdachts des Betruges und der strafbaren Werbung eingeleitet, teilte sie am Mittwoch mit. Dabei gehe es um 80.000 Dieselfahrzeuge, die bis 2015 in den USA verkauft worden seien.

“Es besteht der Verdacht, dass in diese Kraftfahrzeuge technische Vorrichtungen zur Manipulation von Abgaswerten eingebaut wurden, um die US-amerikanischen Abgasgrenzwerte einzuhalten, und die Käufer diesbezüglich nicht informiert wurden”, hieß es. Das europäische Geschäft sei nicht betroffen.

Die Aktionen der Staatsanwaltschaften München und Stuttgart stünden im Zusammenhang mit der “Diesel-Thematik”, sagte Audi-Sprecher Toni Melfi zum Auftakt der Jahrespressekonferenz des Unternehmens in Ingolstadt. Die Privaträume von Audi-Chef Rupert Stadler sind nach den Worten des Managers nicht von Ermittlern durchsucht worden. “Ich habe noch keinen Besuch gesehen”, sagte der Vorstandsvorsitzende am Mittwochvormittag: “Ich bin aber auch seit 7.30 Uhr hier, und meine Frau hat noch nicht angerufen.”

Dutzende Staatsanwälte und Beamte der Landeskriminalämter Bayern, Baden-Württemberg und Niedersachsen waren in der Früh um 7.00 Uhr zur Razzia wegen des Dieselskandals angerückt. Sie durchsuchten die Audi-Zentrale in Ingolstadt, den Standort Neckarsulm, die Zentrale des Mutterkonzerns VW in Wolfsburg und weitere Orte.

Stadler wollte keine Details dazu nennen. “Ich selbst habe größtes Interesse an der Aufklärung des Sachverhalts.” Audi kooperiere vollumfänglich. Den Zeitpunkt der Razzia – direkt vor Beginn der wichtigsten Pressekonferenz des Jahres, zu der Journalisten aus aller Welt anreisen – kommentiere er nicht.

Auch auf Fragen nach personellen Konsequenzen bei Audi aus dem Dieselskandal wollte er nicht näher eingehen. Stadler verwies darauf, dass zwei Entwicklungschefs gehen mussten sowie Mitarbeiter auf unteren Ebenen. Zu seiner Person habe der Aufsichtsrat “eine klare Aussage” gemacht. Das Kontrollgremium hatte Stadler Ende Februar öffentlich den Rücken gestärkt, nachdem der langjährige Audi-Chef seit Bekanntwerden der Dieselaffäre immer stärker unter Druck geraten war.

Die Staatsanwaltschaft München II hat ihre Razzien beim Autobauer Audi am Mittwoch mit einem Betrugsverdacht im Dieselskandal begründet. Der “Süddeutschen Zeitung” zufolge wurden auch Privatwohnungen durchsucht.

Derzeit gebe es aber noch keine konkreten Beschuldigten, es werde gegen Unbekannt ermittelt, teilte die Staatsanwaltschaft am Vormittag mit. Außerdem werde geprüft, ob Audi im Zusammenhang mit dem Verkauf von rund 80.000 Dieselwagen in den USA zwischen 2009 und 2015 “strafbare Werbung” betrieben habe.

Absatzgeschäfte auf dem europäischen Markt seien nicht Gegenstand der Ermittlungen, da nach den bisher vorliegenden Auskünften des deutschen Kraftfahrt-Bundesamtes insoweit eine unzulässige Beeinflussung von Abgaswerten nicht festgestellt werden könne. Mit den Durchsuchungen solle insbesondere geklärt werden, wer “an der Verwendung der maßgeblichen Technik” und gegebenenfalls “an unrichtigen Angaben gegenüber Dritten beteiligt” gewesen sei, teilte die Staatsanwaltschaft weiter mit.

Audi hatte in den USA Dieselautos mit einer dort illegalen Software verkauft, die niedrigere Abgaswerte angibt. Schon unmittelbar nach dem Bekanntwerden der Vorwürfe hatte die bayerische Justiz ein Prüfverfahren eingeleitet.

Der “SZ” berichtete unter Berufung auf Informationen aus Justizkreisen, die Ermittler hätten erst Anfang der Woche von dem Termin der Jahrespressekonferenz erfahren. Zu diesem Zeitpunkt seien die Vorbereitungen für die Durchsuchungen an neun Orten in drei Bundesländern aber schon abgeschlossen gewesen. Eine Verlegung der Aktionen sei nicht mehr möglich gewesen.

Nach Sondereinflüssen in Zusammenhang mit dem Dieselskandal und möglicherweise fehlerhaften Airbags erwirtschaftete Audi im vergangenen Geschäftsjahr ein operatives Ergebnis von 3,1 Mrd. Euro. Die Sondereinflüsse schlugen mit 1,8 Mrd. Euro zu Buche.

Von: APA/ag.

Kommentare

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13 Kommentare auf "Staatsanwälte leiten Ermittlungen in Audi-Diesel-Skandal ein"


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santina
Superredner
10 Tage 1 h

Wie arrogant muss man eigentlich sein, wenn man glaubt, 
1000tsde Autos mit Betrugssoftware zu verkaufen und zu glauben, keiner merkt es?

ThunderAndr
Superredner
10 Tage 59 Min

weil ALLE bescheissen! Nur eben mit anderen Tricks!

und dann macht man durch Lobbyarbeit Druck auf die Politik damit die gesetzlichen Maximalwerte angepasst werden und schon ist die Drecksschleuder in Ordnung.

Die Satiresendung “Die Anstalt” zum Thema VW Skandal und andere Schweinereien rund ums Auto

https://m.youtube.com/watch?v=WzRo5AfDx9Q

santina
Superredner
10 Tage 1 h

Wieso kommt die Durchsuchung erst 1,5 Jahre nachdem Audi selbst zugegeben hat Betrugssoftware zu verwenden?
Steht diese Durchsuchung eigentlich in der Kausalität mit der Abgasaffäre?
Man würde meinen, dass in der verstrichenen Zeit sicherlich einiges an belastetem Material verschwunden sein könnte.
Dies macht auf mich den Eindruck des halbherzigen Versuchs zu zeigen, dass auch in Deutschland gegen dort beheimatete Konzerne vorgegangen wird.

Jetzt müsste es endlich zu strafrechtlichen Konsequenzen kommen!

santina
Superredner
10 Tage 1 h

Dem VW-Manager, der in den USA einsitzt, drohen 120 Jahre Haft!
Und in Deutschland?
Keine Entschädigungszahlungen für die Kunden!
Kein Ausgleich für den Wertverlust!
Keine Verhaftungen!
Keine Stilllegung der Fahrzeuge!
Absolut nichts!

Dies ist der größte Betrugsfall der Nachkriegsgeschichte!
Volkswagen hat bandenmäßigen Betrug in Millionen von Fällen begangen!
Auf jeden einzelnen Fall stehen damit bis zu zehn Jahre Haft!
Dabei sind die Todesfälle noch nicht berücksichtigt, die durch die erhöhten Abgaswerte zu verzeichnen sind!

Volkswagen hat sich auf Abgas- Betrug spezialisiert!

santina
Superredner
10 Tage 3 h

DEUTSCHLAND WACHT ENDLICH AUF!

santina
Superredner
10 Tage 1 h

Es ist einfach nur noch unerträglich:
Man bemerke am Rande – viele dieser Manager/-innen wurden indirekt während des Studiums auch noch gefördert.
Auch von der EU.
Sprich – VON UNS ALLEN!

Geritten von der Globalisierung im Sog der Macht, gefördert durch überhöhte Gehälter und Boni, in dem Wahn eines Weltmarktführers, sind diese VW-Manager scheinbar vom Weg der Gerechtigkeit und des Ausgleiches abgekommen.

Mikeman
Universalgelehrter
10 Tage 1 h

@ santina
….. zu spät, diesbezüglich ist das Image längst im Eimer 😀

santina
Superredner
10 Tage 15 Min

Das Verlangen von Dobrindt nach frischer Luft muss immens sein, wenn man sieht wie tief im Arsch der deutschen Autoindustrie er steckt!

santina
Superredner
10 Tage 9 Min

Das neue Logo?

ThunderAndr
Superredner
10 Tage 55 Min

Ich hab zwei mal Post von der “Vorsprung durch getürkte Technik”-Bande bekommen:

Im ersten Brief hat man geschrieben wie leid es ihnen tut wegen der Unannehmlichkeiten

Im zweiten Brief teilte man mit dass die neue Software der “Softwareaktualisierungskampagne” fertig sei. Nirgends war mehr von Fehler oder Schuld die Rede, also unsere “lieben” Politiker hätten es nicht besser formulieren können.

OrB
Tratscher
9 Tage 23 h

Hersteller wie VW und Audi einfach meiden!
Es gibt genug gleichwertige Alternativen.

Mikeman
Universalgelehrter
10 Tage 1 h

@ santina
Ja ganz einfach:
wenn man überzeugt ist besser zu sein als der Rest der Menschheit ist das überhaupt keine Frage 😀

Mikeman
Universalgelehrter
9 Tage 19 h

@ OrB
ja sicher wenn auch die andern höchstwarscheinlich nicht viel besser sein dürften aber schon allein des feintükischen  Betrugs wegen nie mehr deren Karren in Betracht ziehen ist höchstes Gebot.

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