AFI: "Das Umverteilungssystem funktioniert einigermaßen"

“Steuerreform muss bei Kapitalflucht und Hinterziehung ansetzen”

Donnerstag, 28. Juli 2022 | 13:42 Uhr

Bozen – Das Umverteilungssystem funktioniert einigermaßen, aber Reformen sind notwendig. Das stellt das Arbeitsförderungsinstitut AFI fest. “Die angekündigte, aber derzeit durch die Regierungskrise gestoppte Steuerreform ist eine Notwendigkeit, die nicht bis zum St.-Nimmerleinstag aufgeschoben werden kann, wenngleich das derzeitige Umverteilungssystem, aufgebaut auf Steuerprogression, „No-Tax-Area“, Steuerfrei- und -absetzbeträge in seinen Grundzügen funktioniert. Zu berücksichtigen ist, dass sich Steuererklärungen auf das gemeldete Einkommen beziehen und dass das Phänomen der Steuerhinterziehung nicht erfasst ist. Die Analyse beinhaltet weiters nicht die von der IRPEF-Steuerbemessungsgrundlage ausgeschlossenen Einkommen, welche gesondert besteuert werden.

“Theoretisch ist das italienische Steuersystem zweifelsfrei auf soziale Gerechtigkeit ausgelegt. Die Probleme ergeben sich in der praktischen Anwendung: Der Staat versagt bei Steuerhinterziehung und Kapitalflucht. Die angekündigte Steuerreform muss vor allem darauf ausgerichtet sein, diese Phänomene einzudämmen”, betont AFI-Präsident Andrea Dorigoni.

Bereits das sechste Jahr in Folge nimmt das AFI | Arbeitsförderungsinstitut die Einkommenssteuerdaten des italienischen Finanzministeriums für Südtirol genauer unter die Lupe. Der heute veröffentlichte AFI-Zoom Nr. 66 unterstreicht die Umverteilungskraft des derzeitigen Einkommensteuersystems. Die Ausgangsdaten sind die aktuellen Daten aus den Steuererklärungen 2021 – sie beziehen sich also auf das Steuerjahr 2020. Wie das AFI belegt, ist die Einkommensungleichheit nach der IRPEF-Besteuerung geringer als vor der Besteuerung.

Die Verteilung vor und nach Steuern

Für die Analyse stützt sich auf die Berechnung des sogenannten Gini-Index, einmal auf das Brutto- und einmal auf das Nettoeinkommen, aber auch auf den Differenzbetrag davon. Dieser als Index von Reynolds-Smolensky bekannte Parameter ist Gratmesser für die Umverteilungswirkung der Steuer. Der Gini-Index misst die Ungleichheit einer Verteilung zwischen null (alle haben gleich viel) und eins (einer hat alles). “In unserer Studie haben wir für Südtirol für das letzte verfügbare Jahr einen Gini-Index von 0,457 für das Brutto-Einkommen und von 0,400 für das Netto-Einkommen berechnet, was beweist, dass das derzeitige Steuersystem die Verteilung zum Besseren verändert”, erläutert AFI-Direktor Stefan Perini.

Betrachtet man die Verteilung der erklärten Netto-Einkommen seit dem Steuerjahr 2011, so zeigt sich, dass die Unterschiede bis 2018 relativ stabil geblieben sind. Für die folgenden zwei Steuerjahre gingen sie jedoch zurück.

Steuerfreibeträge

Im Steuerjahr 2020 konnte jeder fünfte Südtiroler Steuerpflichtige (21,3 Prozent, d.h. 89.302 Steuerpflichtige) von seinem Gesamteinkommen Steuerfreibeträge in Abzug bringen, und zwar für einen Betrag von insgesamt 426 Mio.  bzw. 4.770 Euro pro Steuerpflichtigen. 75,2 Prozent der Summe machen Vorsorge- und -Fürsorgebeiträge aus, 20,7 Prozent die Zusatzvorsorge.

Steuerabsetzbeträge

Nahezu alle Südtiroler Steuerpflichtigen (98,4 Prozent, d.h. 412.566 Personen) konnten gesetzlich festgelegte Aufwendungen absetzen, was den Steuerertrag für den Staat um insgesamt 793 Mio. Euro minderte. Die wichtigsten abzugsfähigen Ausgaben betreffen die Abzüge für Arbeitseinkommen und Renten (55,4 Prozent aller abzugsfähigen Ausgaben), die Ausgaben für die Renovierung von Gebäuden (16,5 Prozent) und Abzüge für zu Lasten lebende Familienmitglieder (13,0 Prozent).

Interessant ist schließlich die Entwicklung des durchschnittlichen effektiven IRPEF-Satzes, d.h. jenes Satzes, der aus den progressiven Einkommenssteuer-Hebesätzen, aber auch aus den Frei- und Absetzbeträgen resultiert. Die Kurve steigt im ersten Teil relativ steil an, dann etwas weniger stark und konstant, und schließlich am oberen Rand der Einkommensverteilung wieder stärker.

 

Von: luk

Bezirk: Bozen

Kommentare

Hinterlasse einen Kommentar

3 Kommentare auf "“Steuerreform muss bei Kapitalflucht und Hinterziehung ansetzen”"


Sortiert nach:   neuste | älteste | Relevanz
Kinig
20 Tage 17 h

Ich kenne A llied F orces I taly nur als Autokennzeichen der NATO Angehörigen für Erst- und Zweitwagen, z.B. auf Sardinien

tom
tom
Universalgelehrter
20 Tage 23 h

und auch bei der Steuerverschwendung

Amadeus
Amadeus
Tratscher
20 Tage 21 h

Es braucht folgende Reformen: Abschaffung aller kriminellen Vereinigungen, rigorose Kontrolle der Steuerhinterziehung, Verhinderung der illegalen Kapitalflucht, Vetternwirtschaft usw.
In Italien möglich??? In Italien grundsätzlich nicht möglich. 
Minusdrücker haben das italienische Wirtschaftssystem einfach nicht verstanden

wpDiscuz