EZB-Gebäude in Frankfurt

Straffere Geldpolitik für EZB-Chefin derzeit kein Thema

Montag, 15. November 2021 | 19:06 Uhr

Trotz rasant steigender Preise hat EZB-Chefin Christine Lagarde Forderungen nach einer strafferen Geldpolitik zurückgewiesen. Bei einer Anhörung im Europaparlament räumte sie am Montag zwar ein, dass der kräftige Inflationsschub länger anhalten dürfte als ursprünglich gedacht. Doch sei derzeit keine Abkehr von der Politik des billigen Geldes angezeigt: “Falls wir jetzt Straffungsmaßnahmen einleiten sollten, würde das wesentlich mehr Schaden anrichten als Gutes bewirken.”

Selbst eine Straffung auf kurze Sicht anzudeuten, würde der Wirtschaft im Euroraum schaden. Diese sei auf dem Weg der Besserung und könne gegen Jahresende ihr Vorkrisenniveau übertreffen.

Lagarde bekräftigte erneut, 2022 sei eine Zinserhöhung sehr unwahrscheinlich. Auf eine Spekulation über den Leitzins im Jahr 2023 wolle sie sich aber nicht einlassen. Die Teuerungsrate im Euroraum lag im Oktober mit 4,1 Prozent so hoch wie seit über 13 Jahren nicht mehr. Deutsche-Bank-Chef Christian Sewing sieht die Geldpolitik vor diesem Hintergrund gefordert gegenzusteuern: “Und das eher früher als später,” sagte er auf der Euro Finance Week in Frankfurt. “Das vermeintliche Allheilmittel der vergangenen Jahre – niedrige Zinsen bei scheinbar stabilen Preisen – hat seine Wirkung verloren, jetzt kämpfen wir mit den Nebenwirkungen.”

Den Leitzins hält die EZB seit März 2016 auf dem Rekordtief von 0,0 Prozent. Der sogenannte Einlagesatz liegt seit September 2019 bei minus 0,5 Prozent. Die Geldhäuser müssen draufzahlen, wenn sie überschüssige Gelder bei der Notenbank parken. Die Finanzaufsicht BaFin sieht laut Behördenchef Mark Branson in den Dauertiefzinsen eines der größten Risiken für die Branche: “Bleiben die Zinsen weiter so niedrig, beschädigen sie mehr und mehr das Geschäftsmodell von Banken oder Lebensversicherungen, die auf Zinstransformationen angewiesen sind.”

Laut dem spanischen Notenbankchef Pablo Hernandez de Cos wird es aber auch in der zweiten Jahreshälfte 2022 die am Geldmarkt erwartete Zinswende wahrscheinlich noch nicht geben. Die von der EZB dafür festgelegten Bedingungen würden bis dahin nicht erfüllt sein. Die EZB hat die rekordtiefen Zinsen in dem im Sommer aktualisierten Ausblick praktisch auf lange Zeit festgeschrieben und Investoren damit eine Orientierung gegeben.

Lagardes Stellvertreter Luis de Guindos betonte, auf kurze Sicht blieben Lieferengpässe und steigende Energiekosten die Hauptgefahren für Wirtschaftserholung und Inflationsausblick. Die derzeitige Phase erhöhter Inflation könne sich länger hinziehen als noch vor einigen Monaten angenommen. Diese Sicht spiegle sich auch in den Prognosen der EU-Kommission wider.

Der Inflationsdruck in der Eurozone wird nach Vorhersage der Brüsseler Behörde vorerst hoch bleiben. Sie erwartet für 2021 eine Preissteigerung von 2,4 Prozent. Diese liegt über dem Ziel der EZB, die einen Wert von 2,0 Prozent als ideal für die Konjunktur anstrebt. Auch 2022 dürfte die Rate laut der EU-Kommission mit dann 2,2 Prozent noch darüber liegen. Erst für 2023 wird in Brüssel mit 1,4 Prozent Entwarnung signalisiert.

Im September hatten die EZB-Volkswirte in ihren Projektionen für 2022 eine Teuerungsrate von 1,7 Prozent veranschlagt, die 2023 auf 1,5 Prozent absinken soll. Zur nächsten Zinssitzung Mitte Dezember legt die EZB aktualisierte Projektionen vor, die auch das Jahr 2024 umfassen werden.

Von: APA/Reuters

Kommentare

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9 Kommentare auf "Straffere Geldpolitik für EZB-Chefin derzeit kein Thema"


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N. G.
N. G.
Universalgelehrter
14 Tage 9 h

Lagarde regelt unsere Geldpolitik.
EZB kauft seit Jahren faule Kredite auf. Druckt Geld ohne Ende. Kauft Anleihen von Italien, da die sonst auf dem offenen Markt so gut wie kein Geld mehr bekämen und schon fast insolvent sind aber sie regelt unser aller Leben, unser finanzielles Leben.
Das Frau Lagarde nennt man Aufrechterhaltung eines Systems das nicht mehr funktioniert! Zu wessen Zweck auch immer!

Doolin
Doolin
Universalgelehrter
14 Tage 7 h

…sie bereitet uns auf Zinserhöhung vor…
😂

OrB
OrB
Universalgelehrter
14 Tage 8 h

Es ist bereits fünf nach zwölf, dieses System ist zu verwerfen.

nuisnix
nuisnix
Universalgelehrter
14 Tage 4 h

Wie toll, wenn von den Fachleuten in den Kommentaren hier auch den einfältigesten Pinseln mit einfachen Worten das komplexe Thema Zins- und Währungssystem erklärt wird… 😎😎

NurMalSo
NurMalSo
Grünschnabel
13 Tage 16 h

@ nuisnix
Bist du Finanzexperte?

nuisnix
nuisnix
Universalgelehrter
13 Tage 10 h

@NurMalSo
Nein, und genau deswegen wirst du von mir zu diesem Thema auch kein schlauses Gesülz lesen!!

NurMalSo
NurMalSo
Grünschnabel
14 Tage 8 h

Die EZB ist zu einem “Erhaltungsinstrument der EU verkommen und handlungsunfähig. Sie hat die Schuldenunion aus der Taufe gehoben, da die EU sonst unmöglich noch existierte.
Die Grundgesetzwächter hätten längst einschreiten müssen. Haben Sie aber nicht getan. Sehen wir diesen Schlampereien einfach nur noch zu, wie sie Europa auf´s Abstellgleis rangieren.

raunzer
raunzer
Superredner
14 Tage 50 Min

Wenn es so weiter geht dann ist der Euro ist in 5 Jahren eine Mischung aus Lira, Pesetas und Drachmen. 

traktor
traktor
Universalgelehrter
14 Tage 30 Min

höchste zeit unser geld zu verbrennen beenden!!!

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